Die Geschichte eines Wiedereintritts

Für die Rückkehr in die Kirche gibt es meistens ganz konkrete Gründe

Eine rote Kürchentür steht offen

Nürnberg (epd). Tobias Bott ist aus der Kirche ausgetreten, als er angefangen hat zu arbeiten. Der Nürnberger ist christlich erzogen, war bei der Kinderbibelwoche und im Konfirmandenunterricht, den er irgendwann sogar selber gegeben hat. Oft im Gottesdienst war er aber nicht. Und dann kam der Blick auf die erste Gehaltsabrechnung mit dem Abzug der Kirchensteuer. „Da habe ich mir hochgerechnet, wie viel ich zahle bis zur Rente und mir gedacht: Wenn ich ein Zeitungsabo habe und die Zeitung nicht lese, kann ich das ja auch abbestellen.“ Letztendlich habe der Glaube ja nicht zwingend was mit der Institution Kirche zu tun, war sein Gedanke.

„Man merkt plötzlich, dass da ein Netz ist, das hält“

Seit seinem Austritt hat sich bei Tobias Bott einiges im Leben geändert. Seine Freundin und er wurden Eltern. Zunächst spielte der junge Vater mit dem Gedanken, in die Kirche wieder einzutreten, damit seine Tochter getauft wird und er kirchlich heiraten könnte. „Aber das war nicht stimmig“, stellte er fest. Es folgte ein längerer Entwicklungsprozess, in dem ihm nach und nach klar geworden sei, dass er in die Kirche zurück möchte. „Die christlichen Werte waren in dem Umfeld, in dem ich aufgewachsen bin so selbstverständlich, und dieses Umfeld möchte ich meiner Tochter auch schaffen“, stellt Bott fest. Der finanzielle Aspekt war kein Hindernis mehr: „Das kann man als Beitrag für eine gute Sache sehen.“

Während der Kirchenaustritt oft mit Entfremdung von der Kirche zu tun hat, gibt es laut Pfarrerin Elke Wewetzer von der Nürnberger Kircheneintrittsstelle zwei verschiedene Auslöser für den Wiedereintritt: „Wenn sich entweder etwas sehr Schönes oder etwas sehr Schwieriges im Leben ereignet.“ Vielen gehe es wie Bott, dass sie einem Kind etwas mitgeben wollten. „Es kann aber auch sein, dass Krankheiten oder Krisen passiert sind und man merkt plötzlich, dass da ein Netz ist, das hält, ein Glaube, der trägt.“

Jemand, der schon einmal Mitglied in der Kirche war, der viel schon weiß über das Christentum, kann in seiner Gemeinde oder bei der Kircheneintrittsstelle schnell und zügig eintreten, erklärt Wewetzer. Bei Tobias Bott war es nach einem intensiven Gespräch über die Gründe und die Motivation für den Wiedereintritt so weit: Daten eingeben, Unterschrift, fertig.  Er werde jetzt in der Kirche bleiben und das nicht nur bis zu seiner Hochzeit, versichert er. Er sei froh und glücklich über seinen Entschluss: „Ich habe Zeit gebraucht, um für mich Klarheit zu kriegen und jetzt bin ich wieder dabei.“

„Der Glaube eignet sich nicht fürs Marketing“

Erstmals seit drei Jahren traten im Jahr 2016 deutschlandweit wieder weniger Menschen aus der evangelischen Kirche aus als Mitglieder im selben Zeitraum durch Taufe (180.000) oder Aufnahme (25.000) hinzukamen. In einem Gespräch gehen Pfarrerin Elke Wewetzer und ihre Kollegen auf die Gründe ein, die einen Menschen einmal zum Austritt gebracht haben. Entscheidend sei für sie aber auch, zu gucken, was derjenige nun in der evangelischen Kirche sucht, „und wie wir dazu beitragen können“. Die meisten, die zu Wewetzer ins Büro kamen, sind schließlich eingetreten. Aber es seien auch schon Leute rausgegangen „und haben gesagt: ich überlege mir das doch noch mal. Und das ist genauso in Ordnung.“

Auch wenn sie Menschen zurückbringt, fühlt sich Elke Wewetzer nicht als Marketing-Beauftragte ihrer Kirche. „Der Glaube eignet sich nicht fürs Marketing“, ist sie überzeugt. „Glauben kann man glaubhaft teilen oder nicht, aber man sollte niemals versuchen ihn zu verkaufen.“

Julia Riese und Jutta Olschewski (epd)