Wieso darf man an Karfreitag Fisch essen, aber kein Fleisch?

Fisch hat für Christ*innen auch eine symbolische Bedeutung.

Christ*innen erinnern an Karfreitag an das Leiden und Sterben Jesu Christi. Für viele gehört dazu auch eine besondere Essensregel: An Karfreitag ist Fisch erlaubt, Fleisch dagegen tabu. Doch warum ist das so? Welche religiöse, historische und symbolische Bedeutung steckt hinter dem Fisch am Karfreitag? Eine Einordnung aus christlicher Tradition.

Fische auf einem Fischernetz

Fische liegen nebeneinander auf einem Fischernetz

Fisch hat für Christ*innen auch eine symbolische Bedeutung.

Das griechische Wort für Fisch, „ICHTHYS“, war eine Abkürzung für „Jesus Christus, Gottes Sohn, der Erlöser“ und diente der Urchristengemeinde als geheimes Erkennungszeichen. Die bekannten Autoaufkleber mit stilisierten Fischen greifen diese Tradition bis heute auf.

Der Verzehr von Fisch am Karfreitag lässt sich deshalb als Gedenken an Jesus Christus deuten. Fleisch hingegen galt von jeher als Zeichen eines besonderen Genusses. Dieser Luxus widerspricht dem Charakter des Karfreitags, an dem Gläubige des Leidens und Sterbens Jesu gedenken.

Aber gehören Fische nicht auch zum Fleisch? Nach traditioneller kirchlicher Auffassung nein: Als ektotherme Lebewesen, die sich der Umgebungstemperatur anpassen, galten Fische nicht als warmblütige Fleischtiere und waren daher erlaubt.

Warum sollte man am Karfreitag kein Fleisch essen?

Der Karfreitag ist im Kirchenjahr ein stiller Feiertag. In vielen christlichen Traditionen ist er ein Fast- und Abstinenztag. Der Verzicht auf Fleisch soll zur Besinnung anregen und die Trauer über den Tod Jesu zum Ausdruck bringen.

Fisch galt dabei über Jahrhunderte als einfache, alltägliche Speise – im Gegensatz zu Fleisch, das als Festessen angesehen wurde. Deshalb setzte sich der Fisch am Karfreitag als erlaubte Mahlzeit durch.

Und wie steht es um Wale?

Wale wurden erst im Jahr 1758 wissenschaftlich den Säugetieren zugeordnet. In früheren Jahrhunderten galten sie daher oft als Fisch. Heute würde man aus moderner Sicht sagen: nicht Fisch, nicht Fleisch – zumindest nicht im klassischen theologischen Sinne der Fastenregeln.

Häufige Fragen zu Karfreitag und Fisch

Warum isst man am Karfreitag Fisch?
Weil Fisch in der christlichen Tradition eine symbolische Bedeutung hat und nicht als Fleisch im Sinne der Fastenregeln gilt.

Ist Fischessen am Karfreitag Pflicht?
Nein. Entscheidend ist der bewusste Verzicht auf Fleisch und ein achtsamer Umgang mit dem Feiertag.

Sollten alle Christ*innen am Karfreitag auf Fleisch verzichten?
Die Praxis, ob an Karfreitag Fisch statt Fleisch gegessen wird, variiert je nach Konfession und persönlicher Glaubensauffassung.

(Frank Hoffmann/VELKD)