Jesus als „Spielertrainer“

Der Sportbeauftragte des Bistums Würzburg findet, die Kirche könne vom Fußball vor allem lernen, Menschen emotional anzusprechen und verständlich zu kommunizieren - ohne dabei ihre eigene Identität aufzugeben.

Public Viewing unter freiem Himmel

Würzburg (epd). Der katholische Theologe und Sportbeauftragte des Bistums Würzburg, Thorsten Kapperer, ist davon überzeugt, dass Kirche etwas vom Fußball lernen kann. Vor allem seien es die Kraft der Emotionen und Leidenschaft, sagt der 45-Jährige im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) zum Auftakt der 23. Fußball-Weltmeisterschaft an diesem Donnerstag (11. Juni). So wie Fußball Menschen begeistert, sollte auch die Kirche ihre Freude am Glauben sichtbarer und authentischer vermitteln.

Auf dem Spielfeld des Lebens

Außerdem könne die Kirche von der einfachen und verständlichen Sprache des Fußballs profitieren, um komplexe religiöse Inhalte näher an die Lebenswelt der Menschen zu bringen. Jesus beschreibt Kapperer als eine Art „Spielertrainer“ - jemand, der mitten im Geschehen steht, den Menschen auf dem „Spielfeld des Lebens“ beisteht und zugleich Orientierung gibt.

Wie Fußballer nach dem Spiel in der „Mixed Zone“ über ihre Leistung und Stimmung sprechen, könnte auch Kirche stärker auf Austausch setzen, sagt der Pastoralreferent. Predigten müssten nicht immer reine Einbahnstraßen-Kommunikation sein.

Eine direkte Vermischung von Fußball und Religion lehnt der Theologe jedoch ab. Elemente wie eine La-Ola-Welle im Gottesdienst halte er für unpassend, während mehr Begeisterung und auch Applaus durchaus ihren Platz haben könnten. Positiv bewertet er die Idee, nach Predigten stärker mit den Gottesdienstbesuchern ins Gespräch zu kommen, ähnlich wie Spieler nach einem Spiel in der „Mixed Zone“.

Weniger Selbstbeschäftigung

Kapperer plädiert dafür, dass die Kirche sich weniger mit internen Strukturdebatten beschäftigt und stattdessen mehr Leidenschaft, Gemeinschaftssinn und Offenheit nach außen zeigt. Dabei greift er einen Gedanken des verstorbenen Papstes Franziskus auf: Kirche solle sich den Menschen zuwenden, stärker nach außen gehen - „macht euch schmutzig, geht auf die Straßen des Lebens“ - und nicht zu sehr um sich selbst kreisen, sagt der Sportbeauftragte.

Gabriele Ingenthron