„Fußball nicht politisch oder ökonomisch missbrauchen“

Der evangelische Sportbeauftragte Thorsten Latzel kritisiert eine kommerzielle Ausnutzung der Fußball-WM 2026. "Wir sollten uns dafür einsetzen, dass Fußball wieder Fußball sein kann und nicht politisch oder ökonomisch missbraucht wird", betont er.

Thorsten Latzel, Präses der EKiR und Sportbeauftragter der EKD

Düsseldorf (epd). Die Fußball-Weltmeisterschaft sollte nach Ansicht des Sportbeauftragten der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Thorsten Latzel, nicht überhöht werden. „Wir sollten uns dafür einsetzen, dass Fußball wieder Fußball sein kann und nicht politisch oder ökonomisch missbraucht wird“, sagte Latzel dem Evangelischen Pressedienst (epd) mit Blick auf den WM-Auftakt in Mexiko, Kanada und den USA. Er befürchte, dass „die kommerzielle Ausnutzung und die politische Inszenierung die Schönheit des Sports korrumpieren“.

„Die WM wird von der FIFA in unsäglicher Weise kommerzialisiert.“

Thorsten Latzel, Präses der EKIR und Portbeauftragte der EKD
Thorsten Latzel Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland und Sportbeauftragter der EKD

Das Turnier werde von der FIFA „in unsäglicher Weise kommerzialisiert“ und die Trump-Regierung verletze Werte wie Fairness und Solidarität mit ihrer anti-demokratischen Politik, kritisierte der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland. Die Ticket-Preise grenzten viele Fans aus, die Ausweitung des Turniers auf drei Länder und mehr Mannschaften sei ökologisch problematisch und belaste die Spieler. „Die US-Regierung zerstört gezielt demokratische Rechte und sät Hass und Spaltung statt Versöhnung“, kritisierte Latzel.

Die WM „kann eine wunderschöne Gemeinschaftserfahrung im Sommer sein. Man darf sie aber auch nicht überhöhen“, betonte der Sportbeauftragte. In Deutschland und weltweit gebe es viele politische und soziale Spannungen, Kriege, Umbrüche in der Wirtschaft, Umweltprobleme, Demokratien unter Druck. „Eine WM löst das nicht einfach. Aber wir können vom Fußball viel mitnehmen.“

Millionen Menschen würden bei den Spielen gemeinsam fiebern, hoffen, feiern und trauern, sagte Latzel dem epd. Er selbst liebe „ein faires, respektvolles Miteinander, den sportlichen Wettkampf, die Leichtigkeit des Spiels - etwa wenn man nach einem Public Viewing mit den Fans aus anderen Ländern zusammen feiert“. Bei dem Turnier gehe es auch um Fairness, Respekt, Verantwortung und Solidarität über Grenzen hinweg. Das seien wichtige ethische Impulse, die Sport und Glaube gemeinsam in einer polarisierten Gesellschaft vermitteln könnten.