Mit 19 Jahren bei der Flughafenseelsorge
Ehrenamtliche kümmern sich um Nöte von Mitarbeitenden und Passagieren
Frankfurt a.M. (epd). Er ist gerne am Flughafen und es macht ihm Freude, anderen zu helfen. Als Teil der Evangelischen Flughafenseelsorge hat Constantin Braun das für sich „perfekte Ehrenamt“ gefunden, betont er gegenüber dem Evangelischen Pressedienst (epd). Dass er mit 19 Jahren noch recht jung sei für die Seelsorge, kommentiert er nur mit einem Schulterzucken. Man dürfe das nicht überbewerten, sagt er. Manchmal gehe es nur darum, jemandem den Weg zum richtigen Flugsteig zu zeigen. Wenn aber deshalb jemand seinen Flug noch erwischt, habe er das schöne Gefühl, etwas Gutes getan zu haben, sagt der junge Mann.
Braun gehört zu einem Team von rund 25 Ehrenamtlichen in der Evangelischen Flughafenseelsorge auf Rhein-Main. Das Team sei mit einer Altersspanne von 18 Jahren bis Ende 60, Berufsgruppen von der Reinigungskraft bis zur Therapeutin und aus verschiedenen Ländern stammend, erfreulich divers, sagt Pfarrerin Bettina Klünemann. Das sei ein großer Vorteil, um mit den ebenso unterschiedlichen Passagieren und Mitarbeitenden auf dem Flughafen in Kontakt zu kommen. Auch die vielen verschiedenen Sprachkenntnisse seien ein großer Vorteil.
Individuelle Vorbereitung auf die Arbeit
Wer neu einsteigt, muss zunächst eine Sicherheitsüberprüfung absolvieren und einen Flughafenausweis bekommen. Das ist nach den Worten der Pfarrerin notwendig, weil die Ehrenamtlichen auch im Transitbereich und auf dem Vorfeld zu tun haben.
Eine Art Einsteigerkurs für alle gibt es nicht. „Wir schauen, was die Einzelnen mitbringen“, schildert Klünemann. Einem Psychotherapeuten brauche sie beispielsweise nichts über Gesprächsführung zu erklären. Deshalb bietet die Flughafenseelsorge Module zu verschiedenen Themen wie etwa interkultureller Kommunikation, Umgang mit Demenz oder auch Deeskalation an, die individuell besucht werden können. Einige ließen sich zu Notfallseelsorgern ausbilden, weil sie am Flughafen häufig mit traumatisierten Menschen zu tun hätten.
Flugangst, seelische Nöte oder Suche nach der Raucherecke
Constantin Braun trägt eine gelbe Warnweste mit der Aufschrift „Flughafenseelsorge“ wenn er auf dem Rhein-Main-Airport seine übliche Runde dreht. In der Regel würden er und seine Kollegen und Kolleginnen angesprochen. Mache jemand einen hilfsbedürftigen Eindruck, gehe die Initiative auch schon mal von ihm aus. Die Spanne dessen, was er bislang erlebt hat, reiche „von der Frage nach dem Weg zur Raucherecke bis zu Flugangst oder anderen seelischen Nöten“.
Wenn es um tiefergehende Gespräche geht, übernehme eine Pfarrperson. Was er leisten könne, sei zuhören und versuchen, „die Menschen zum Durchatmen zu bringen“, erzählt er.
Ungewöhnlich sei kürzlich die Begegnung mit einem 14-jährigen Mädchen gewesen. Sie war von zu Hause weggelaufen, am Flughafen gelandet und von Mitarbeitern einer Fluggesellschaft zur Seelsorge gebracht worden. Dort haben Mitarbeiter herausgefunden, wer ihr weiterhelfen kann. Solange das Mädchen da war, habe Constantin sich um sie gekümmert und wohltuende Ruhe ausgestrahlt, erinnert sich die hauptamtliche Mitarbeitende Stefanie Roth.
Ehrenamtliche entscheiden, wann und wie oft sie arbeiten wollen
Braun studiert im zweiten Semester Psychologie in Frankfurt. Am Flughafen hilft er mal ein paar Stunden pro Woche, mal einmal im Monat. Wie die anderen Ehrenamtlichen auch trägt er seine Arbeitszeiten einfach in den digitalen Kalender der Flughafenseelsorge ein.
Ehrenamtlich ist Constantin Braun seit seinem 14. Lebensjahr für die Kirche aktiv. Nach seiner Konfirmation habe er zunächst bei der Jugendarbeit mitgemacht. „Später habe ich eine größere Herausforderung gesucht“, fügt er hinzu. Nach dem Abi hat Constantin Braun vier Monate Vollzeit für den Terminal-Service gearbeitet „und dabei den Flughafen und ein paar Leute kennengelernt, das hilft mir jetzt sehr“, betont der 19-Jährige.
Weil er die Aufgabe bei der Flughafenseelsorge so gerne macht, habe er zu Hause viel davon geschwärmt. Sein Zwillingsbruder steige jetzt auch ein, erzählt er grinsend.