EKD-Ratsvorsitzende: Zukunftsfragen junger Menschen stärker in den Blick nehmen
- Bischöfin Fehrs unterstreicht klare Haltung gegen Menschenfeindlichkeit
- Junge Menschen brauchen Gehör, Orientierung und echte Teilhabe
- Kirche muss Orte schaffen, an denen Zusammenhalt erfahrbar wird
Würzburg/Hannover (08. November 2026). Die evangelische Kirche wird sich angesichts zunehmender politischer Polarisierung, wachsender Zukunftsängste und erstarkender extremistischer Kräfte noch stärker als bisher für die Menschenwürde und den gesellschaftlichen Zusammenhalt einsetzen. Das hat die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in ihrem mündlichen Bericht vor der EKD-Synode angekündigt. Zugleich forderte sie, die Bedürfnisse und Zukunftsfragen junger Menschen stärker in den Mittelpunkt kirchlichen Handelns zu stellen.
„Unsere öffentliche Stimme darf sich nicht in der Wiederholung von Warnungen erschöpfen“, betonte die Ratsvorsitzende. Die Kirche müsse über die Abgrenzung von extremistischen Positionen hinaus eine eigene gesellschaftliche Agenda entwickeln und Menschen ermutigen, ihre Zukunft aktiv mitzugestalten. „Es reicht nicht, auf Populisten und Extremisten zu reagieren und sich an ihnen abzuarbeiten. Ganz klar: Wir widersprechen gezielt und konkret, wenn Menschenwürde und demokratische Rechte verletzt werden. Zugleich setzen wir aber eine eigene Agenda.“
Eine zentrale Aufgabe sieht die Ratsvorsitzende darin, junge Menschen mit ihren Sorgen, Hoffnungen und existenziellen Fragen ernst zu nehmen. Angesichts von Kriegen, gesellschaftlichen Krisen und der Unsicherheit über die eigene Zukunft brauche es Räume, in denen Jugendliche ihre Fragen offen stellen und ihre Perspektiven einbringen könnten.
Mit Blick auf die jüngsten Proteste junger Menschen unterstrich sie, dass deren Anliegen nicht durch Gewalttaten Einzelner diskreditiert werden dürften. „Denn die Anliegen der Jugendlichen verdienen doch Gehör: ihr Wunsch nach Gerechtigkeit, nach echter Teilhabe und nach einer Zukunft in Würde.“
Gerade die evangelische Kirche müsse junge Menschen darin bestärken, sich für ihre Überzeugungen einzusetzen. „Macht gewaltfrei weiter, bringt eure Stimme ein in Politik, Gesellschaft und in Kirche. Und: Wir Älteren sind bereit zum Dialog.“
Zudem begleite die Kirche junge Menschen in entscheidenden Lebensphasen. In vielfältigen Angeboten, von der Konfirmandenarbeit über den kirchlich mitverantworteten Religionsunterricht bis hin zur evangelischen Jugendarbeit hätten auch schwierige Fragen nach Schuld, Vergebung, Angst, Tod und Hoffnung ihren Platz. Zur aktuellen Debatte über Wehrdienst und Dienstpflicht verwies die Ratsvorsitzende auf die Bedeutung des kirchlichen Angebots einer offenen Beratung.
Mit Blick auf die politischen Entwicklungen in Deutschland bekräftigte die Ratsvorsitzende die entschiedene Haltung der evangelischen Kirche gegenüber menschenfeindlichen und rechtsextremen Positionen. „Wahlerfolge verändern vielleicht Machtverhältnisse – aber sie ändern nichts an der Unvereinbarkeit von Menschenfeindlichkeit mit dem Evangelium!“, stellte sie klar.
Die EKD halte an ihrer grundsätzlichen Position fest, dass menschenverachtende Haltungen, insbesondere rechtsextremer Kräfte, mit dem christlichen Glauben unvereinbar seien. „Völkisches Denken ist mit dem christlichen Glauben nicht vereinbar.“
Die Kirche bleibe grundsätzlich überparteilich, aber nicht neutral gegenüber Angriffen auf die Menschenwürde, die Religionsfreiheit, die Rechtsstaatlichkeit oder den Schutz von Minderheiten. Ihre Haltung gelte gegenüber extremistischen Positionen - unabhängig von deren politischer Herkunft. Dazu gehöre auch der unmissverständliche Widerspruch gegen jede Form von Antisemitismus.
Zugleich müsse die Kirche im Gespräch bleiben – auch mit Menschen, die sich von demokratischen Institutionen entfremdet hätten. Dabei zog die Ratsvorsitzende eine klare Grenze zwischen der Offenheit für Gespräche und der Übernahme kirchlicher Verantwortung: „Wer menschenverachtende Haltungen öffentlich vertritt, kann nicht gleichzeitig glaubwürdig für die Kirche sprechen oder sie in Ämtern und Funktionen vertreten.“ Ein kürzlich veröffentlichtes Arbeitspapier der EKD zum Umgang mit extremistischem politischem Engagement in kirchlichen Ämtern bekräftigt diese Haltung.
Pressestelle der EKD
Carsten Splitt
Über die Synode der EKD: Die Synode der EKD ist neben Rat und Kirchenkonferenz eines der drei Leitungsorgane der EKD. Sie tagt vom 8. bis 11. November in Würzburg. Nach der Grundordnung der EKD besteht die 13. Synode aus 128 Mitgliedern. Zu den Aufgaben der Synode zählen die Erarbeitung von Kundgebungen und Beschlüssen zu Fragen der Zeit sowie die Begleitung der Arbeit des Rates der EKD durch Richtlinien. Die Synode berät und beschließt aber auch den Haushalt und die Kirchengesetze. Geleitet wird die Synode vom Präsidium unter dem Vorsitz von Präses Anna-Nicole Heinrich. Sie ist zugleich Mitglied des 15-köpfigen Rates der EKD. Vorsitzende des Rates der EKD ist Bischöfin Kirsten Fehrs. Die EKD ist die Gemeinschaft von 20 lutherischen, reformierten und unierten Landeskirchen. 17,4 Millionen evangelische Christinnen und Christen in Deutschland gehören zu einer der 11.000 Kirchengemeinden.