Dieser Küster zeigt seinen Alltag auf YouTube

Ulli Walz geht mit Freude zur Arbeit - und hat darüber ein Video gedreht

Mit einem sympathischen YouTube-Video gibt Ulli Walz Einblicke in seinen ungewöhnlichen Berufsalltag als Küster in Bremen. Der frühere KFZ-Meister tauschte die Werkstatt gegen die Kirche – und hat seinen Neustart bis heute keine Minute bereut. Der Küster-Job ist für ihn jeden Tag eine echte „Wundertüte“.

Küster Ulli Walz

Ulli Walz geht in seinem Job als Küster voll auf: Mit handwerklichem Geschick und kreativen Ideen bereichert er das Leben der St.-Ansgarii-Gemeinde in Bremen.

Wenn Ulli Walz morgens die Türen im Gemeindezentrum aufschließt, weiß er selten, wie sein Tag endet. „Man hat morgens einen Plan – und um zehn Uhr ist schon wieder alles anders“, sagt der 59-Jährige und lacht. Seit dreieinhalb Jahren arbeitet Walz als Küster in der Bremer St.-Ansgarii-Gemeinde und im Gemeindezentrum Unser Lieben Frauen. Seine Entscheidung, mit 55 Jahren noch einmal einen ganz neuen beruflichen Weg einzuschlagen, hat er bis heute nicht bereut.

Dabei stammt Ulli Walz ursprünglich aus einer ganz anderen Arbeitswelt: Jahrelang arbeitet er als KFZ-Meister. Täglich sucht er Kabelbrüche, liest Schaltpläne und erlebt den oft rauen Werkstattalltag als „Stress pur“. Als sein Chef in Rente geht und die Firma schließt, steht plötzlich die Frage im Raum: Wie soll es weitergehen?

Die Antwort kommt eher zufällig über einen Freund, der bei der Diakonie Friedehorst arbeitet. Dieser erzählt ihm, dass in der Gemeinde die Stelle des Küsters neu zu besetzen ist. „Eigentlich wollte ich schon immer etwas anderes machen“, erzählt Ulli Walz rückblickend. „Aber ich wusste nie genau, was.“

Mit 55 Jahren kommt die Veränderung eher aus der Not heraus – und wird zum Glücksfall.

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Ganz fremd war Ulli Walz die Kirche allerdings nie. Schon als Kind erlebt er musikalische Früherziehung in der Gemeinde, singt im Kinderchor, später im Kirchenchor und spielt im Posaunenchor. Dazu kommt sein handwerkliches Geschick: Sein Vater ist Klempner, Walz selbst arbeitet jahrzehntelang mit Werkzeug und Technik.

Heute verbindet sein Beruf genau diese Fähigkeiten: organisieren, reparieren, improvisieren und mit Menschen umgehen. „Ich dachte vorher: Das ist halt ein Hausmeisterjob“, sagt er rückblickend. „Und dann merke ich plötzlich, was alles dahintersteckt.“

Was ein Küster so alles macht

Zu seinen Hauptaufgaben gehört die Gartenarbeit. „Ich habe eigentlich null grünen Daumen“, sagt Ulli Walz und lacht. Aber das störe ihn gar nicht. „Das Grün kommt von allein – ich muss es nur im Zaum halten.“

Doch der Alltag eines Küsters ist vielfältig: Aktionen, Veranstaltungen und Gemeindefeste müssen vorbereitet, Kindergärten eingebunden und Reparaturen erledigt werden. Kein Tag gleicht dem anderen. Immer wieder braucht es praktische wie kreative Lösungen.

Besonders in Erinnerung geblieben ist Walz eine riesige Eispyramide, die mithilfe von Wagenhebern und Kurbeln in der Kirche aufgebaut und unter das Kirchendach gezogen wurde. „Die Aufgaben sind manchmal völlig schräg“, sagt er. „Der Job ist wirklich eine Wundertüte.“

Warum der Job als Küster nie langweilig wird

Dass der Küsterberuf kreativ sein kann, überrascht ihn bis heute. Mal hängt er die Lieder für den Sonntagsgottesdienst aus, mal spielt er mit seiner Band bei Gemeindeveranstaltungen Musik. Und manchmal darf er bei Festen auch einfach „den Kasper machen“, wie er sagt.

In der Gemeinde sei immer etwas los. Die Pastoren seien besonders engagiert, ständig gebe es neue Projekte, Aktionen oder Ideen – sogar eine Schaukel in der Kirche. Auch die Gottesdienste seien gut besucht. „Bei uns ist richtig was los“, sagt Ulli Walz stolz.

Dass er mit Mitte fünfzig noch einmal ganz neu angefangen hat, empfindet er heute als Glücksfall. „Es war absolut die richtige Entscheidung“, sagt er. „Montagmorgen? Kein Problem.“

Wertschätzung als Küster in der Gemeinde

Statt Fehlersuche an Autos stehen heute Menschen im Mittelpunkt. „Es ist auch Stress, aber ein anderer Stress, ein anderer Vibe“, sagt Ulli Walz. Die Kommunikation und der Umgang miteinander seien ganz anders als in der Werkstatt.

Besonders schätzt er die Gemeinschaft. Inzwischen fühlt er sich fest in der Gemeinde verankert. „Ich bin tief im Kaninchenbau“, sagt er lachend. „Ich bekomme viel Wertschätzung und Anerkennung.“

Auch wenn einmal Probleme auftauchten, könne er diese offen ansprechen und bekomme Unterstützung. Dieses Miteinander sei etwas Besonderes.

Und noch etwas bewegt ihn: die spirituelle Seite seiner Arbeit. Beim Abendmahl Brot auszuteilen, hätte er sich früher nie vorstellen können. „Ich hätte nie gedacht, dass ich so etwas mal machen darf“, sagt er. „Diesen Teil möchte ich nicht missen.“

Text: Franziska Weiß