Solidarität & Finanzausgleich in der EKD
"Nicht, dass die anderen gute Tage haben sollen und ihr Not leidet, sondern, dass es zu einem Ausgleich komme." (2. Korinther, 8,13)
Die Landeskirchen der EKD verstehen sich als eine Solidargemeinschaft. Diese Zusammenarbeit zeigt sich an vielen Stellen: Kirchliche Einrichtungen vereinfachen gemeinsam ihre Verwaltungsarbeit, und kirchliche Banken und Versicherungen tragen mit passgenauen Lösungen zu effizienten Abläufen bei. So entstehen Synergien, die allen Gliedkirchen zugutekommen.
Ein zentrales Instrument der Solidarität ist der Finanzausgleich – ein Mittel der Finanzverteilung zwischen finanzstärkeren und finanzschwächeren Landeskirchen. Er ist nicht als reiner West-Ost-Transfer konzipiert, kommt aber wesentlich den östlichen Landeskirchen zugute. Bei einem Volumen von rund 100 Millionen Euro ist die Wirkung beträchtlich: Für finanzschwächere Gliedkirchen stammt nahezu jeder zweite Kirchensteuer-Euro aus dem Finanzausgleich, während die Geberkirchen durchschnittlich 3 Prozent ihres Kirchensteueraufkommens beisteuern.
Finanzieller Ausgleich zwischen den Landeskirchen
Damit überall in Deutschland kirchliches Leben möglich bleibt, gleichen die Landeskirchen unterschiedliche Finanzkraft untereinander aus und finanzieren gesamtkirchliche Aufgaben gemeinsam. Wie dieser Ausgleich bemessen wird und wohin die Mittel fließen, zeigen die folgenden Punkte.
Warum gibt es einen Finanzausgleich?
Die zwanzig Landeskirchen der EKD sind rechtlich selbstständig, verstehen sich jedoch als Solidargemeinschaft. Weil Steuerkraft, Mitgliederzahl und historische Rahmenbedingungen sehr unterschiedlich sind, könnte ein Teil der Kirche seine Grundaufgaben – etwa Pfarrdienst, Kirchenmusik oder Bildungsarbeit – ohne Hilfe kaum finanzieren. Der Finanzausgleich stellt daher sicher, dass überall in Deutschland kirchliches Leben möglich bleibt und ist ausdrücklich kein reiner West-Ost-Transfer, sondern ein Ausgleich zwischen allen Gliedkirchen.
Wie funktioniert der Finanzausgleich bei der EKD?
Als Maßstab dient die Finanzkraft, also das Steuer- und Staatsleistungsaufkommen je Gemeindeglied, geglättet über einen Sechsjahresdurchschnitt. Liegt eine Landeskirche über dem Durchschnitt, trägt sie einen prozentualen Beitrag zum FInanzausgleich bei; liegt sie darunter, erhält sie Mittel. Das jährliche Volumen schwankt mit der allgemeinen Kirchensteuerentwicklung und bewegt sich seit Jahren bei rund 100 Millionen Euro.
Wie funktioniert die Finanzierung über Umlagen? Wo findet diese Anwendung?
Der Haushalt der EKD wird zu großen Teilen aus Umlagen der Landeskirchen getragen. Der Verteilungsschlüssel wird jährlich neu berechnet und orientiert sich ebenfalls an der Finanzkraft, sodass finanzstärkere Kirchen einen höheren und finanzschwächere einen geringeren Prozentsatz beisteuern. Mit den Umlagen finanziert die EKD gesamtdeutsche und internationale Aufgaben wie Auslandsgemeinden, ökumenische Projekte, Sonderseelsorge, Publizistik und Versorgungslasten. Haushaltspläne und Rechenschaftsberichte sind öffentlich abrufbar und werden von Synode und Rat beraten und beschlossen.
Gemeinsame Strukturen
Über den reinen Geldausgleich hinaus organisieren die Landeskirchen auch ihren Arbeitsalltag gemeinsam. Indem sie Verwaltung und Einkauf bündeln, standardisieren sie Abläufe, senken Kosten und gewinnen Spielraum für die seelsorglichen Kernaufgaben.
Wo und wie arbeiten kirchliche Einrichtungen gemeinsam an der Vereinfachung der Verwaltungsarbeit? Warum ist das so wichtig?
Wachsende Rechtsanforderungen, Digitalisierung und sinkende Mitgliederzahlen zwingen die Kirche zu effizienteren Strukturen. Mehrere Landeskirchen bündeln deshalb Verwaltungsleistungen in Kompetenzzentren oder Shared-Service-Einheiten. Solche Kooperationen standardisieren Prozesse, senken Kosten und entlasten Haupt- und Ehrenamtliche, damit mehr Zeit für seelsorgliche Kernaufgaben bleibt.
Wie bündeln die Kirchen ihren Einkauf bundesweit?
Über die Wirtschaftsgesellschaft der Kirchen in Deutschland mbH (WGKD) bündeln EKD, Diakonie, Caritas, Orden und der Verband der Diözesen ihr Einkaufsvolumen. So entstehen bundesweite Rahmenverträge, etwa für Energie, IT oder Mobilität, von denen kirchliche Einrichtungen und oft auch die Mitarbeitenden profitieren. Das spart Zeit und Kosten und entlastet Gemeinden und Werke von aufwendigen Einzelverhandlungen.
Spezialisierte Partner nach kirchlichen Werten
Solidarität zeigt sich auch darin, wie die Kirche ihre Finanz- und Versicherungsgeschäfte gestaltet. Statt allein auf den Markt zu setzen, greift sie auf Partner zurück, die ihre besonderen rechtlichen Anforderungen kennen und Geld nach ethischen und nachhaltigen Maßstäben anlegen.
Warum gibt es kirchliche Banken? Welche kirchlichen Banken gibt es?
Kirchliche Körperschaften benötigen Finanzpartner, die ihre besonderen Rechts- und Anlagevorgaben verstehen. Deshalb haben sich seit Beginn des 20. Jahrhunderts genossenschaftliche Spezialbanken entwickelt. Die Bank für Kirche und Diakonie (KD-Bank) in Dortmund begleitet seit 1925 kirchliche und diakonische Projekte. die Evangelische Bank in Kassel seit ursprünglich 1969 (seit 2014 in ihrer heutigen fusionierten Form). Beide Banken versorgen den kirchlichen Geldkreislauf. Die Kirchenbanken richten ihre Produkte an Nachhaltigkeitsgrundlagen aus. Sie sind eingetragene Genossenschaften, beruhen also auf einer breit gestreuten Eigentümerstruktur insbesondere aus kirchlichen Institutionen und diakonischen Einrichtungen und verfolgen damit den genossenschaftlichen Gedanken.
Warum gibt es kirchliche Versicherungen? Welche kirchlichen Versicherungen gibt es?
Sakrale Gebäude, ehrenamtliche Mitarbeitende und besondere Haftungsrisiken erfordern maßgeschneiderte Versicherungslösungen, die kommerzielle Anbieter nur selten abbilden. Zentraler Akteuer ist hier die Ecclesia-Gruppe: Als größter kirchlicher Versicherungsmakler Europas betreut sie zehntausende Einrichtungen aus Kirche, Diakonie und Caritas. Sie verbindet Branchenkonditionen mit ethischen Anlage- und Produktgrundsätzen und entwickelt Rahmenverträge, die den spezifischen Bedarf kirchlicher Arbeit abdecken.