Rainbow-Index 2025: Viele Kirchen werden offener für Vielfalt

Der neue „Rainbow Index of Churches in Europe“ sieht Fortschritte bei der Inklusion von queeren Menschen in vielen Kirchen Europas. Zugleich warnt der Bericht vor einem wachsenden gesellschaftlichen und politischen Gegenwind. Besonders rechtspopulistische und anti-genderpolitische Bewegungen setzten Kirchen und LGBTI-Personen zunehmend unter Druck.

Rainbow Index 2025

Hannover/Brüssel (EKD). Europäische Kirchen bewegen sich beim Umgang mit lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans- und intergeschlechtlichen Menschen (LGBTI) in sehr unterschiedlichem Tempo. Zu diesem Ergebnis kommt der „Rainbow Index of Churches in Europe“ (RICE) 2025, den das European Forum of LGBTI+ Christian Groups veröffentlicht hat. Der Bericht untersucht, wie offen und inklusiv Kirchen in Europa gegenüber sexueller und geschlechtlicher Vielfalt sind.

Rechte von LGBTI-Personen zunehmend eingeschränkt

Die Autorinnen und Autoren sehen die Frage der Inklusion in einem zunehmend angespannten gesellschaftlichen Umfeld. In mehreren europäischen Ländern seien in den vergangenen Jahren Rechte von LGBTI-Personen eingeschränkt worden. Gleichzeitig hätten rechtspopulistische und religiös-fundamentalistische Akteure Geschlechter- und Diversitätsfragen verstärkt zu einem politischen Konfliktthema gemacht.

Für die Untersuchung wurden nicht nur kirchliche Dokumente und Stellungnahmen ausgewertet. Berücksichtigt wurden auch die Erfahrungen von LGBTI-Christinnen und -Christen in ihren Gemeinden und Kirchen. Bewertet wurden unter anderem die Zulassung zu kirchlichen Ämtern, die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare, die Beteiligung an Leitungsstrukturen, die Verwendung inklusiver Sprache sowie öffentliche Positionierungen der Kirchen zu Menschenrechtsfragen.

Der Bericht beschreibt deutliche Unterschiede zwischen den Konfessionen. Protestantische Kirchen erzielen insgesamt die besten Bewertungen. Allerdings ist das Bild nicht einheitlich: Zwischen den einzelnen protestantischen Kirchen bestehen teils erhebliche Unterschiede. Im Gesamtergebnis schneiden sie dennoch besser ab als andere Konfessionen – insbesondere unter Einbeziehung der Metropolitan Community Churches.

Positiv hervorgehoben werden insbesondere Kirchen, die sich in ökumenischen Prozessen intensiv mit Fragen von Geschlecht, Sexualität und Familie auseinandersetzen. Die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) wird als Beispiel für einen konstruktiven Umgang mit unterschiedlichen Positionen genannt.

Ehrlichkeit und Mut als Schlüssel für mehr Inklusion

Die römisch-katholische Kirche habe durch den weltweiten synodalen Prozess vorsichtige Öffnungen ermöglicht. Der Bericht bewertet es als Fortschritt, dass die Erfahrungen von LGBTI-Katholikinnen und -Katholiken stärker wahrgenommen und in kirchliche Beratungsprozesse einbezogen würden.

Kritischer fällt die Bilanz für viele orthodoxe Kirchen aus. Dort beobachtet der Bericht weiterhin erhebliche Vorbehalte gegenüber sexueller und geschlechtlicher Vielfalt. Gleichzeitig zeige etwa die Orthodoxe Kirche Finnlands, dass auch innerhalb traditioneller Strukturen Veränderungen möglich seien.

Als wichtigste Aufgaben für die kommenden Jahre nennt der Bericht einen respektvollen Sprachgebrauch, mehr Glaubwürdigkeit zwischen kirchlichen Aussagen und kirchlichem Handeln sowie eine klare Orientierung an Menschenwürde und Menschenrechten. Für den weiteren Weg zu mehr Inklusion seien vor allem zwei Tugenden notwendig: Ehrlichkeit und Mut.