Strohsterne statt blinkender Lichterketten

Tipps und Anleitung für schöne Adventsdekoration

Wie viel Adventsdeko braucht der Mensch? Wenig, findet die 89-jährige Diakonisse Susanne Henke. Die 89-Jährige arbeitete als Hand­weberin und Krankenschwester und lebt in Flensburg. Sie weiß, wie man aus Stroh Sterne bastelt und dezenten Adventsglanz in die Wohnunhg bringt.

Die Diakonisse Susanne Henke steht in Tracht in der Küche und hält einen Strohstern in den Händen

Diakonisse Susanne Henke, 89, arbeitete als Hand­weberin und Krankenschwester. Sie lebt in Flensburg.

Unser Karton mit dem Adventsschmuck wird jedes Jahr voller. Ich weiß gar nicht mehr, wohin mit der ganzen Deko.

Susanne Henke: Ich habe nur einen Schuhkarton und sortiere immer aus. Im vergangenen Jahr habe ich alle Transparentsterne weggeworfen. Die sahen nicht mehr gut aus.

Wie schmücken Sie Ihre Wohnung?

Henke: Eine Vase mit Tannenzweigen und einem Strohstern oder einem aus Goldpapier. Eine handgeschnitzte kleine Krippe, darüber ein kleiner weißer Herrnhuter Stern. Ein Fens­terbild. Das war’s.

Ist das denn weihnachtlich genug?

Henke: Oh ja. Ich mag nicht gerne Kitsch. In der Adventszeit noch weniger als sonst. Natürliches Material, handgemachte Dinge, in denen ein bisschen Zeit und Hingabe steckt, das gefällt mir. Einzelne Sterne bringen den Glanz dazu.

Wie bastelt man schöne Sterne?

Henke: Strohsterne kenne ich schon aus meiner Kindheit. Wir haben die Halme in Wasser eingeweicht, getrocknet, gebügelt, sie bekommen so eine leicht bräunliche, fast ­goldene Färbung und halten auch lange. Mit rotem Faden und Kleber fügt man die Halme über Kreuz zusammen. Es gibt unzählige Formen und Gebilde, aber es geht auch ganz simpel. Strohhalme bekommt man heute im Bastelladen.

Und die bunten transparenten Sterne, die man oft sieht?

Henke: Sind auch nicht schwer. Man faltet einzelne Strahlen aus quadrati­schem Transparent- oder Seidenpapier und klebt sie dann zu­sammen. Die sind sehr hübsch, wenn Tageslicht durchfällt.

Wie schmücken Sie den Weihnachtsbaum?

Henke: Ich habe keinen eigenen. Ich feiere Weihnachten mit meinen Mitschwestern im großen Speisesaal. Früher war das ein großes Fest. In den 50er Jahren waren wir an die 150 Diakonissen. Wir Jüngeren warteten vor der Tür und sangen "Ich steh an deiner Krippen hier" – alle 15 Strophen, dann erst durften wir hinein. Im Saal standen 13 ­Tannenbäume im Halbkreis. Mit echten Kerzen, Strohsternen, sonst kein Schmuck.

Und heute?

Henke: Na ja, es ist alles etwas kleiner ­geworden. Wir sind etwa 30 Personen und haben nur noch einen Weihnachtsbaum, mit elektrischem Licht. Aber die Anhänger haben die Kinder aus unserem Kindergarten gebastelt – mit echter Hingabe.

Interview: Hanna Lucassen (chrismon)

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