Unterwegs mit Familien
Anregungen & Materialien
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Interview mit Dr. Lisa J. Krengel zu „Doing family“
Beispiel Karten aus "Doing family!" Lisa J. Krengel, Sie und der Leitungskreis der Rheinischen Landeskonferenz Kirche mit Kindern haben ‚DOING FAMILY! Ein neues Spiel rund um Familien, Kinder und Kirche‘ gemeinsam mit einer Grafikerin entwickelt – was befindet sich in der Schachtel?
„In der Schachtel befinden sich 150 Impulskarten aus 14 Kategorien. Auf jeder Karte ist eine Frage, Anregung oder ein Zitat zum Denken, Diskutieren und Dazulernen notiert.
Dazu gibt es eine Spielanleitung mit sieben verschiedenen Spielvarianten.“Wie ist die Idee zu DOING FAMILY! entstanden, und was hat Sie motiviert, dieses Spiel zu entwickeln?
„Wir haben uns in der rheinischen Kirche mit Kindern sehr intensiv mit der Württembergischen Familienstudie von Johanna Possinger und ihrem Team beschäftigt. In dieser Studie stehen z.B. folgende Fragen im Mittelpunkt: Was treibt Familien heute um? Womit sind sie beschäftigt? Und vor allem: Was wünschen sie sich von Kirche?
Wir haben uns gefragt: Wie kriegen wir die Ergebnisse der Studie in die Breite? Was können wir dazu beitragen, dass bei Kirchens neu über Bedürfnisse von Familien mit Kindern nachgedacht wird? Unsere Impulskartenbox ist eine Möglichkeit, neu ins Nachdenken und Diskutieren zu kommen. Und so sind viele Ergebnisse der Studie sind in unsere Impulskartenbox DOING FAMILY! eingeflossen.“Für wen ist das Spiel besonders gedacht, und welche Erfahrungen oder Impulse sollen die Teilnehmenden daraus mitnehmen?
„Das Spiel ist für alle gedacht, die im kirchlichen Kontext mit Kindern und Familien unterwegs sind: Teams in Kirchengemeinden und kirchlichen Einrichtungen wie Kitas oder Gremien wie Presbyterien oder Arbeitsgruppen.
Wir haben im Team jede Menge Freude beim Entwickeln und in der Konzeption von DOING FAMILY! gehabt und die Fragen selbst intensiv diskutiert. Dabei haben wir – wieder mal – gemerkt: Die Arbeit mit Kindern und Familien ist ein breites Feld, das viele Perspektiven und Erfahrungen zulässt. Darüber ins Gespräch zu kommen und „das ganz Andere“ in den Blick zu nehmen, ist eine absolute Chance von DOING FAMILY!“Was macht DOING FAMILY! besonders? Können Sie etwas über die 14 Kategorien oder die verschiedenen Spielvarianten erzählen?
„Die 14 Spielkategorien sind sehr unterschiedlich. Das war uns besonders wichtig. Es gibt Kategorien wie „We are family! oder „All generations“, die mit Fragen zu generationsverbindenden Elementen oder Bedürfnissen von Familien mit Kindern aufwarten.
Meine absolute Lieblingskategorie heißt „Dumm gelaufen?!“ Hier erwarten die Spielenden zum Beispiel etwas provokante Zitate wie „Der Hauptgottesdienst ist um 11:00 Uhr“ oder die Frage „Was müsste passieren, damit ihr einer Kirchengemeinde eine zweite Chance gebt?“
Ich halte es für absolut notwendig, dass wir offen über unsere Fehler sprechen und gemeinsam fehlerfreundlich Neues wagen. Meine Erfahrung ist, dass das dann besonders gut geht, wenn wir auch über das sprechen können, was uns trägt und wofür unser Herz schlägt. Die Kategorien „B wie Bibel“ oder „Believing“ bieten dazu viele Gesprächsimpulse.“Wie kann das Spiel in Gemeinden, Einrichtungen oder Teams praktisch eingesetzt werden? Gibt es Tipps für die ersten Spielrunden?
„Wir haben sieben unterschiedliche Spielvarianten entwickelt, die natürlich auch von der Größe der Gruppe abhängen.
Ein möglicher Einstieg wäre: Die Spielenden mischen die Karten und bilden vier etwa gleich große Stapel mit der Kategorieseite nach oben. Eine Person beginnt und zieht die oberste Karte eines beliebigen Stapels, liest die Frage vor und versucht eine Antwort. Die anderen hören in Ruhe zu, unterbrechen nicht. Dann ist die nächste Person an der Reihe. Nach einer Runde könnte man überlegen, auf welche Frage man unbedingt nochmal zurückkommen möchte.“Eine der Kategorien lautet „Was macht den Unterschied?“ – wie würden Sie diese Frage im Hinblick auf eine familienfreundliche Kirche beantworten?
„Ich glaube, dass eine konsequent familienfreundlich ausgerichtete Kirche Vieles in unseren Kirchen und Gemeindehäusern verändern würde. Da ist ja schon zunächst die Frage nach dem Raum: Wo haben Kinder und Familien einen Raum in unseren Kirchen, Gemeindehäusern u.s.w.? Wo können Sie spielen, zusammenkommen, sich vernetzen, Gemeinschaft erleben? Eine konsequent familienfreundlich ausgerichtete Kirche erlebt in vielerlei Hinsicht Aufbrüche, Veränderungen, Neues … Ich meine: Wir sollten es wagen!“
Gibt es eine Karte, eine Kategorie oder eine Erfahrung beim Spielen, die Ihnen besonders am Herzen liegt oder die häufig für Aha-Momente sorgt?
„Eines meiner „Lieblings“-Zitate hat es selbstverständlich auch in unser Spiel geschafft: „Kinder sind unsere Zukunft!“ Hier widerspreche ich nämlich gerne. Kinder sind auch und vor allem unsere Gegenwart. Sie sind jetzt da! In unseren Gottesdiensten, Einrichtungen, bei unseren Angeboten. Und darauf müssen wir uns einstellen.
Es ist unsere Aufgabe, Kinder mit dem Evangelium in Kontakt zu bringen und gemeinsam mit ihnen zu entdecken, wie der christliche Glaube helfen kann, das Leben zu bewältigen.“Zum Spiel
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Interview mit Paula Maisch zu „Ich schenk dir eine Schatzkiste“
Paula Maisch, was hat Sie dazu inspiriert, dieses Buch zu schreiben, und welche Idee stand am Anfang?
„Unser Sohn tat uns zu Beginn seiner Konfirmationszeit kund: „Ich will am Ende nicht so ein Fest, wo alle nur die ganze Zeit essen und dann spazieren gehen. Ich will ein Fest, bei dem es ein Programm gibt und bei dem ich auch im Mittelpunkt stehe.“ Mein Pädagoginnengehirn hatte damals schnell ein paar Ideen entwickelt. Allerdings wollte ich auch, dass die in unserem Festprogramm gesammelte Wertschätzung für unser Kind mit dem Ereignis nicht verpufft, sondern in einer besonderen Form erhalten und jederzeit abrufbar bestehen bleibt. Die Idee war geboren: Unser Sohn bekommt von uns eine Schatzkiste UND ein Programm zum Fest. Und weil mir schnell klar wurde, dass daran auch die anderen Eltern in unserem Dorf interessiert sind und ich außerdem sofort Unterstützung vom Kirchengemeinderat fand, war mein Schatzkistenprojekt geboren. Bis heute haben sich viele Konfis über eine Schatzkiste gefreut. Anfänglich ein Projekt ist die Schatzkiste mit Hilfe von Multiplikator:innen mittlerweile ein fester Bestandteil des Konfikonzeptes anderer Kirchengemeinden und Kirchenbezirke in Württemberg und Baden geworden.
Damit auch andere die Schatzkiste ohne weitere Hilfe selbst in ihren Gruppen und Bezirken anbieten können, wollte ich das passende Buch zum Konzept schreiben. Und jetzt ist es tatsächlich im Buchhandel erhältlich.“
Für wen haben Sie das Buch geschrieben und was erwartet die Leser:innen, wenn sie mit dem Buch arbeiten wollen?
„Vielleicht sind Sie auf der Suche nach einem Konzept für ein generationsinklusives Projekt mit einer Gruppe?
Oder sind Sie Konfibeauftragte:r und möchten mal was Neues ausprobieren und weitergeben?
Mag sein, Sie arbeiten in einer Gemeinde oder in einem Kirchenbezirk schon lange mit Konfis und haben sich jetzt entschieden, endlich auch die jeweiligen Eltern bzw. Familien erreichen zu wollen?
Vielleicht haben Sie Lust auf neue Methoden aus der Biografiearbeit?
Oder Sie möchten sich gerne ganz für sich ressourcenorientiert mit Ihrer eigenen Biografie beschäftigen?
Falls einer dieser Gedanken auf Sie zutrifft, dann bringt Ihnen ein Blick in mein Buch bestimmt Gewinn.
Im Buch werden Sie Schritt für Schritt angeleitet. Alle Materialien zu den Ideen finden Sie im Buch und im Downloadbereich. Alle Ideen sind praktisch erprobt und in fertigen abgeschlossenen Modulen schriftlich und grafisch so aufbereitet, dass über das Buch hinaus nur noch Materialien für die kreativen Momente besorgt werden müssen.“
Was macht Ihr Buch besonders – gibt es einen besonderen Ansatz, eine Methode oder einen Schwerpunkt, den Sie hervorheben möchten?
„Es gibt gegenwärtig leider nur wenige Konzepte für die Konfizeit, die die Konfieltern mit einbeziehen. Das finde ich sehr schade. Ist die Konfirmation doch in den meisten Familien ein besonders gefeiertes Lebensfest. Und die Konfizeit ist leider in manchen Fällen eine der letzten Möglichkeiten, dass wir als Kirche mit den Eltern so unkompliziert in Kontakt treten können. Diese Chance kann dafür genutzt werden, Eltern und Wegbegleiter:innen wieder neu Lust auf Kirche zu machen und den Blick auf Gott mit sinnbringendem Inhalt zu füllen. Wir können den Eltern zeigen: Wir sind an eurer Seite, bieten passende Hilfe für die Begleitung eurer Kinder an und mit uns kann man Gemeinde erleben, die Spaß macht und begeistert.
Inhaltlich begleitet Sie das Schatzkistenkonzept bei einer biografischen Reise. Das Ergebnis Ihrer Reise erhält seine Gestalt in einer Schatzkiste voller Erinnerungsschätze, die Zeichen von großer Wertschätzung ist. So kann sie zu einer nachhaltigen Quelle der Ermutigung für die Beschenkten und damit zu einem wunderbaren Geschenk werden. Nicht nur für Konfirmand:innen! Das Konzept kann auch in viele andere Bereiche der Erwachsenenbildung übertragen werden.“
Brauche ich Vorwissen oder bestimmte Kenntnisse, um das Konzept anzuwenden? Muss ich eine Schatzkiste bauen können?
„Menschen, die schon viel Biografiearbeit gemacht haben oder auch schon viel mit Konfieltern gearbeitet haben, werden manche meiner Hinweise vielleicht nur überfliegen. Da mir aber wichtig war, dass auch Menschen OHNE Vorerfahrung in der Biografiearbeit oder in der Erwachsenenbildung mein Konzept direkt und ohne weitere Hilfe umsetzen können, habe ich an wichtigen Stellen Hinweise und Erklärungen eingefügt.
Meine Fortbildung zur Trainerin für Biografiearbeit habe ich beim Verein LebensMutig e.V. gemacht. Deshalb beschreibe ich im Buch die Grundlagen der Biografiearbeit nach den Vorgaben des Vereins. Und ich beschreibe wo Biografiearbeit mit meiner Spiritualität zusammen trifft und eine Einheit bildet, die für mich Sinn macht.
Eine gewisse Haltung der Offenheit gegenüber den Teilnehmer:innen wird Ihnen in meinem Buch immer wieder begegnen: Alles darf da sein. Diese Haltung hilft Ihnen und den Teilnehmer:innen. Sie ermöglicht Bereitschaft für die Begegnung mit persönlichen Themen und stärkt die Freude am Gestalten von biografischen Schätzen für die Kinder.
Handwerklich begabte Personen schaffen es vermutlich, mit einer ganzen Gruppe Schatzkisten zu bauen. Ich kaufe sie bei laublust.de fertig hergestellt und sofort benutzbar. Im Buch gebe ich aber auch Hinweise, wie die Kiste und auch andere Arbeitsmaterialien weniger kostenintensiv hergestellt werden können. Wer möchte, kann sogar in meiner Lieblingsbuchhandlung „Die Finkeria“ zusammen zum Buch Materialien für die Schatzkiste gleich mit bestellen.“
Gibt es ein Kapitel, eine Geschichte oder eine Übung im Buch, die Ihnen besonders am Herzen liegt?
„Das Modul „Du bist ein Segen – ich danke dir“ liegt mir besonders am Herzen. Da machen wir uns auf die Suche nach unserer Danke-Geschichte, nach unseren Komplimenten an unsere Kinder. Einen Teil davon bergen wir als Schatz für die Schatzkiste der Kinder. Schon nach diesem Abend wird deutlich, was sich nachhaltig zeigen wird: die Beziehung zu unseren Kindern wird sich mit dem Entstehungsprozess der Schatzkiste positiv verändern.“