Karfreitags-Botschaft: Nicht an das Leid der Welt gewöhnen

Die EKD-Ratsvorsitzende Kirsten Fehrs ruft dazu auf, angesichts von Kriegen und Gewalt Mitgefühl und Menschlichkeit wachzuhalten. Zugleich erinnert sie zu Karfreitag daran, dass die Botschaft des Kreuzes zu Hoffnung ermutigt.

Hannover (epd/EKD). Die Ratsvorsitzende der EKD, Kirsten Fehrs, hat zum Karfreitag davor gewarnt, sich an das Leid und die Kriege in der Ukraine, im Nahen Osten und anderswo zu gewöhnen. „Wir dürfen uns nicht gewöhnen an die brennenden Städte und verwüsteten Landstriche, an den tausendfachen Tod durch Drohnen und Raketen. Wir dürfen uns nicht gewöhnen an Völkerrechtsbruch und Menschenrechtsverletzungen“, erklärte die Hamburger Bischöfin am Donnerstag: „Das vergossene Blut klagt die Mächtigen an: Sucht Wege zu einem gerechten Frieden.“

Kirsten Fehrs
Karfreitagsbotschaft der Ratsvorsitzenden der EKD, Bischöfin Kirsten Fehrs

Der Kreuzweg spürt dem Leiden von Jesus Christus nach - bis zu seinem Tod am Kreuz. Und wir gehen mit. Wir stehen unter dem Kreuz und üben uns im Mit-Leiden. Buchstäblich. Denn für eine Haltung der Mitmenschlichkeit, die heute nur allzu schnell als emotionale Fehlentwicklung belächelt wird, braucht es tatsächlich Übung und wiederkehrendes Bewusstwerden.

Das Leid der Welt nicht verdrängen

Wir stehen unter dem Kreuz und sind entsetzt über die Kriege dieser Welt, in der Ukraine, im Nahen Osten, an viel zu vielen Orten dieser Erde. Wir dürfen uns nicht gewöhnen an die brennenden Städte und verwüsteten Landstriche, an den tausendfachen Tod durch Drohnen und Raketen. Wir dürfen uns nicht gewöhnen an Völkerrechtsbruch und Menschenrechtsverletzungen. Das vergossene Blut klagt die Mächtigen an: Sucht Wege zu einem gerechten Frieden.

Menschlichkeit bewahren – gerade jetzt

Wir erinnern uns an all jene, die zu uns geflohen sind, um der Gewalt zu entkommen. Wir denken an die Notleidenden und unter Druck Geratenen in unserem Land. Wir sehen jeden einzelnen Menschen, seine Bedürftigkeit, seine Würde. Selbst Mensch zu bleiben, muss uns ein dringendes Anliegen sein, gerade weil die Populisten unserer Tage sich überbieten mit ihrer Hetze und ihrem Hass. Menschlichkeit zu leben, für andere da zu sein, auch wenn man sich eher zurückziehen möchte vor lauter Furchtbarkeiten in dieser Welt.

Hoffnung im Schatten des Kreuzes

Wir stehen also unter dem Kreuz und erkennen erleichtert, dass nicht wir es sind, die da am Kreuz sterben. Was für eine unfassbare Gnade, durch Jesu Tod erlöst zu sein. Was für ein Glück, in einem Rechtsstaat zu leben, der auf einem Grundgesetz basiert, das die Würde eines jeden Menschen für unantastbar erklärt. So wird der Tod am Kreuz zum Anfang einer neuen Hoffnung. Und im zaghaft aufscheinenden Licht der Ostern wird klar: Dieser Tod darf nicht das Ende sein! Gewalt und der Schrecken dürfen nicht das letzte Wort behalten. Nie. Nirgends.