Antisemitismus

Vorurteile, Ausgrenzungen, Projektionen und was wir dagegen tun können

Vorwort

Eine Information der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Union Evangelischer Kirchen in der EKD (UEK) und der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD)

Das Thema »Antisemitismus« ist aktuell – wieder oder immer noch. Leider. Antijüdische Ressentiments und Parolen begleiteten in den zurückliegenden Jahren die Debatten um Beschneidung und die Proteste gegen den Gaza-Krieg 2014. Sie mischen sich häufig in die Beurteilung der Politik des Staates Israel und prägen die Haltung vieler Zuwanderer, die nach Deutschland kommen. 

Die Erscheinungsformen des Antisemitismus haben sich gewandelt: Klassische Formen der Judenfeindschaft nehmen ab, antisemitische Vorurteile sind jedoch in Gestalt einer die NS-Verbrechen relativierenden Sicht der Geschichte und »antizionistischer« Hetze immer noch stark verbreitet. Jüdinnen und Juden sorgen sich aufgrund alltäglicher Erfahrungen mit antijüdischen Anfeindungen um ihre Sicherheit. Gegen jüdische Geschäfte und Einrichtungen gerichtete Anschläge haben in Frankreich und Dänemark eine Diskussion um »Bleiben oder Gehen« ausgelöst. Die sozialen Medien sind zu Verbreitungsinstrumenten von Hassbotschaften und antisemitischer Hetze geworden. Das macht deutlich, wie unvermindert nötig es ist, Judenfeindschaft und Antisemitismus entgegenzutreten.

Diese Broschüre richtet sich an Gemeinden und interessierte Menschen, die durch die genannten Entwicklungen beunruhigt und verunsichert sind. Sie möchte in einer elementarisierten Form aufklären über Erscheinungsformen, Hintergründe und Ursachen von Antisemitismus.

Sie bezieht ferner Position – aus historischer Verantwortung für jahrhundertelanges kirchliches Versagen, aber auch aus theologischer Überzeugung. Christlicher Glaube und Judenfeindschaft schließen einander aus.

Schließlich möchte dieses kleine Heft prak­tische Tipps zum Umgang mit Antisemitismus und Judenfeindschaft vermitteln. Der Widerspruch gegen Judenhass ist nicht nur die Sache einiger weniger, sondern eine Verantwortung aller Christen.

Diese Broschüre wird gemeinsam verantwortet von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Union Evangelischer Kirchen in der EKD (UEK) und der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche in Deutschland (VELKD). Der vorliegende Text wurde vom Gemeinsamen Ausschuss »Kirche und Judentum« erarbeitet. Seinen Mitgliedern sei herzlich gedankt. Wir wünschen diesem Heft eine weite Verbreitung und hohe Aufmerksamkeit, vor allem aber eine nachhaltige Wirkung im Kampf gegen alle Formen von Judenfeindschaft und -verachtung. 

 

Hannover, im September 2017 

Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm
Vorsitzender des Rates der EKD

Kirchenpräsident Christian Schad
Vorsitzender des Präsidiums der UEK

Landesbischof Gerhard Ulrich
Leitender Bischof der VELKD

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