Bischöfin Fehrs zum Holocaust-Gedenktag: „Nie wieder“ bleibt tägliche Aufgabe

Die Ratsvorsitzende der EKD ruft zu wachsamem Widerstand gegen Judenhass und Menschenverachtung auf.

Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischöfin Kirsten Fehrs, hat anlässlich der Befreiung des Konzentrationslagers von Auschwitz an diesem Dienstag vor 81 Jahren zum Widerstand gegen Judenhass und Menschenverachtung aufgerufen. Das „Nie wieder“ bleibe für Christinnen und Christen eine tägliche Aufgabe, erklärte die Hamburger Bischöfin am Montag. Die Erinnerung an das millionenfache Leid rufe zugleich zur Verantwortung auf.

Der 27. Januar sei ein Gedenktag, den man nicht einfach „begeht“, fügte Fehrs hinzu: „Jedes Jahr aufs Neue drohen diese unvorstellbaren Zahlen, mich sprachlos zu machen, ringe ich um Worte für dieses unfassbare Leid. Wir trauern um Millionen Menschen - in dem Wissen: Mit jedem erloschenen Leben stirbt eine Welt.“ Sie forderte, Hüter der Namen der Ermordeten und der Geschichten zu sein, „die die Menschlichkeit bewahrten“. Vielleicht sei auch dies eine Form des Widerstands: hinzusehen, zuzuhören und nicht abzustumpfen.

„Judenhass trägt viele Masken“

Bischöfin Kirsten Fehrs
Kirsten Fehrs Ratsvorsitzende der EKD

Judenhass und Menschenverachtung tragen laut Fehrs heute „alte, aber auch andere Masken, rufen alte und neue Parolen, nutzen andere Plattformen. In all dem arbeiten sie noch immer mit denselben Mitteln: Entmenschlichung, Abwertung und Ausgrenzung.“ Gott jedoch sage: „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein.“ Er meine damit ausnahmslos jeden Menschen. Für sie sei das Trost und Auftrag zugleich, damit Leben geschützt werde.

Der Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus wurde 1996 vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog proklamiert und auf den 27. Januar festgelegt. An diesem Tag war 1945 das Vernichtungslager Auschwitz im heutigen Polen von sowjetischen Truppen befreit worden. Die Vereinten Nationen riefen 2005 den 27. Januar als „Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust“ aus.

Bis Kriegsende wurden rund sechs Millionen Juden ermordet. In Auschwitz starben rund 1,1 Millionen Menschen. Weltweit leben nach Angaben der Claims Conference schätzungsweise noch 196.600 Holocaust-Überlebende in mehr als 90 Ländern.