Denkschriften und Grundlagentexte 1960-1969
Auf dieser Seite finden sie die Denkschriften und Grundlagentexte aus den Jahren 1960-1969.
Eine Denkschrift
In die Diskussion um eine Reform des Ehescheidungsrechts bringt die EKD hiermit einen evangelischen Beitrag „zur Gestaltung der Wirklichkeit ‚Ehe‘“ ein. Ehe ist eine „segensreiche Gabe Gottes“. Der Staat hat die Aufgabe, die Ehe rechtlich zu schützen. In Hinblick auf das Scheidungsrecht ist angesichts der „grundsätzlichen Unauflösbarkeit der Ehe“ zu bedenken, dass sie nicht „aus menschlicher Eigenmächtigkeit“ oder etwa „wegen des bloßen Freiheitwunsches der Partner“ zugelassen werden sollte, sondern nur, „wenn die eheliche Gemeinschaft nach menschlichem Urteil endgültig zerstört ist“.
EKD, 1969
Eine Studie
Nach der „Katastrophe des Zweiten Weltkriegs“ und eingedenk ihres „eigenen Anteils an Schuld und Verstrickung des deutschen Volkes“ macht die EKD Vorschläge zu den „Friedensaufgaben der Deutschen“. Die Weltsituation ist bestimmt durch das labile Gleichgewicht der atomar hochgerüsteten Weltmächte; auch der „soziale Weltfriede“ zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern ist gefährdet. Die Studie plädiert für staatliche Zusammenarbeit und für den Dialog zwischen Weltanschauungen. Den beiden getrennten „Deutschlands“ kommt bei der Befriedung der Weltmachtblöcke und Europas eine besondere Rolle zu.
EKD, 1968
Die Ostdenkschrift der EKD aus dem Jahr 1965 setzt sich mit der damals strittigen Frage der deutschen Ostgebiete und dem Verhältnis Deutschlands zu seinen östlichen Nachbarn auseinander. Die Denkschrift ruft dazu auf, das Leid aller Betroffenen zu würdigen, Schuld und Unrecht klar zu benennen und Verständigung dem Beharren auf Eigeninteressen vorzuziehen. Sie betont, dass Versöhnung und Frieden nur auf der Basis von Wahrheit, Gerechtigkeit und dem Willen zum Neuanfang möglich sind. Heute gilt diese Schrift als einer der wichtigsten Impulse für die spätere Ostpolitik der Bundesrepublik.
Verlag des Amtsblattes der Evangelischen Kirche in Deutschland, 1965
In der Bundesrepublik Deutschland als gesellschaftliche Aufgabe
Eine evangelische Denkschrift
Die rasanten wirtschaftlichen Veränderungen setzen auch die deutsche Landwirtschaft unter hohen Anpassungsdruck. Diese Denkschrift macht Landwirten Mut, Existenzängste abzulegen und neue Herausforderungen mit der Freiheit eines Christenmenschen anzunehmen. Staat und Gesellschaft sind aufgerufen, den Landwirten im anstehenden Strukturwandel solidarisch zur Seite zu stehen – etwa durch staatliche Anpassungshilfen, sozialpolitische Maßnahmen und neue Produktions- und Vermarktungsmodelle. Die Kirchengemeinden auf dem Land sollten die Situation von Landwirten und Bauersfamilien besonders im Blick haben.
EKD, 1965
Eine Denkschrift zur Eigentumsfrage in der Bundesrepublik Deutschland
In der Bundesrepublik Deutschland hat die wirtschaftliche Situation „überraschend schnell“ zu großem Aufschwung geführt. Das wirft die Frage nach gerechter Eigentumsverteilung auf. Die EKD mahnt an, „mit Phantasie, unbestechlichem Gerechtigkeitssinn und wirtschaftlicher Vernunft“ für einen verantwortlichen Umgang mit Eigentum einzutreten. Es gibt ein Recht auf Eigentum; wer viel verdient, ist „vor Gott verpflichtet, dem Gemeinwohl zu dienen“. Die ungleiche Eigentumsverteilung muss überprüft werden: Gerade „bisher eigentumslosen Volksschichten“ muss ermöglicht werden, Eigentum zu bilden.
EKD, 1962