Ohne Ehrenamt keine Gemeinde

Erster deutscher Ehrentag am 23. Mai: Kirchliches Ehrenamt im Fokus

Kirche lebt vom Mitmachen – und vom Engagement vieler Ehrenamtlicher. Zum ersten deutschlandweiten Ehrentag am 23. Mai rückt auch in den evangelischen Gemeinden das in den Blick, was Kirche lebendig macht: Menschen, die sich mit Zeit, Ideen und Herzblut einbringen. Ob Kindergottesdienst, Kirchenvorstand, Musik oder Gemeindefeste – Ehrenamtliche schaffen Orte der Begegnung und Gemeinschaft. Warum sie sich engagieren und was ihnen die Mitarbeit bedeutet, erzählen Gemeindemitglieder aus dem Gerauer Land.

Umfrage Ehrenamt

Ein großer Gottesdienst an Himmelfahrt in der evangelischen Gesamtkirchengemeinde Gerauer Land geht gerade zu Ende. Doch nach dem Segen eilt niemand sofort nach Hause. Menschen bleiben stehen, kommen ins Gespräch, lachen miteinander. An der Seite stehen Tischgarnituren bereit. Ehrenamtliche schenken Getränke aus, verteilen warme Würstchen und sorgen dafür, dass sich alle willkommen fühlen.

Es ist ein herzliches Miteinander, das zeigt, was Gemeinde ausmacht. Gleichzeitig wird deutlich: Ohne die vielen engagierten Gemeindemitglieder wären solche Begegnungen kaum möglich. Denn Kirche lebt vom Ehrenamt. Von Menschen, die ihre Zeit, ihre Ideen und ihre Fähigkeiten einbringen.

Viele Möglichkeiten, sich in der Kirche ehrenamtlich zu engagieren

Das Angebot in den Gesamtkirchengemeinden wie auch kleineren Ortsgemeinden ist vielfältig. Für all diese Angebote werden stets helfenden Hände gebraucht. Ehrenamtliche mitarbeit in der Kirche kann daher ganz unterschiedlich aussehen: Manche engagieren sich sozial, etwa im Besuchsdienst oder bei Hilfsangeboten für ältere Menschen. Andere gestalten inhaltliche Angebote wie den Kindergottesdienst, Bibelkreise, Seniorennachmittage oder das Frauenfrühstück. Wieder andere musizieren oder singen im Chor, organisieren Veranstaltungen, backen Kuchen oder übernehmen Verantwortung im Kirchenvorstand. Einbringen kann sich jede*r.

„Ich engagiere mich ehrenamtlich in der Kirche, weil ohne Ehrenamt die Gemeinde nicht funktionieren würde.“

Sigrid Kaffenberger Ehrenamtliche in der Stadtkirchengemeinde Groß Gerau

Keine Gemeinde ohne Ehrenamtliche

Sigrid Kaffenberger engagiert sich seit vielen Jahren in der Stadtkirchengemeinde. Schon seit ihrer Jugend spielt sie im Posaunenchor. Außerdem unterstützt sie bei Veranstaltungen, übernimmt Verantwortung im Kindergottesdienst-Team und arbeitet im Kirchenvorstand mit. „Ich engagiere mich ehrenamtlich in der Kirche, weil ohne Ehrenamt die Gemeinde nicht funktionieren würde“, sagt sie. Das Wichtigste in der Gemeinde ist für sie die Gemeinschaft und das Miteinander: „Die Gemeinschaft hier ist einfach toll und ich fühle mich wohl“, unterstreicht sie.

Ehrenamtliche erleben Gemeinschaft

Auch Jasmin Sperling liegt die Gemeinschaft am Herzen. Die junge Frau bringt sich gleich auf mehreren Ebenen in der Gemeinde ein. Sie ist sowohl im Leitungsteam des Kindergottesdiensts als auch Teil des Kirchenvorstands. „Ich liebe vor allem die Arbeit mit den Kindern, denn Kinder geben einem so viel“, erzählt sie. Für viele junge Ehrenamtliche ist gerade die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen besonders wertvoll und der Einstieg in die ehrenamtliche Mitarbeit in der Kirche. Diese Erfahrung hat auch Katharina gemacht. Sie hat bereits als Konfirmandin begonnen im Kindergottesdienst mitzuarbeiten. Inzwischen gehört sie fest zum Team. „Der Kindergottesdienst gibt Kindern einen Raum, in dem sie offen und frei sein können“, beschreibt sie die Besonderheit des Angebotes. Auch Sorgen und Ängste bekommen dort ihren Platz. Ihre Erfahrung im Ehrenamt habe ihr gezeigt, wie wichtig Gemeinschaft für Menschen sei. „Hier bildet sich eine Gemeinschaft, die man nirgendwo anders haben kann“, sagt sie.

Ehrenamtliches Engagement macht Spaß

Dass Ehrenamt große Freude macht, betont Volker Lilie. Er gehört zu den prägenden Gesichtern der evangelischen Stadtkirche Groß Gerau und engagiert sich in vielen Bereichen.

„Der einfachste Grund, warum ich das mache: Es macht einfach riesigen Spaß“, sagt er strahlend. Besonders die Musik begeistert ihn. „Ich spiele Posaune im Posaunenchor. Das ist einfach toll. Wir haben eine großartige Truppe zusammen“, erzählt er voller Begeisterung.

Doch damit endet sein Engagement nicht. Volker Lilie hält Andachten, unterstützt Gemeindefeste und bringt immer wieder neue Ideen ein. Besonders schätzt er das gemeinsame Arbeiten vieler Ehrenamtlicher Hand in Hand. „Da helfen viele Leute mit, die gemeinsam etwas auf die Beine stellen. Wenn das dann gelingt, ist das ein wunderbares Erlebnis“, findet er.

Ehrenamt hält Gemeinden lebendig

Ob Musik, Kinder und Jugendarbeit, Besuchsdienst oder Gemeindeleitung: Ehrenamtliche geben Kirche ein Gesicht. Sie organisieren nicht nur Veranstaltungen, sondern schaffen Orte der Begegnung und des Zusammenhalts. Gemeinden leben davon, dass Menschen ihre Ideen, ihre Zeit und ihre Persönlichkeit einbringen.

Text und Umfrage: Franziska Weiß