Kirche will Aufsicht über geistliche Gemeinschaften verstärken
Hannover/Hermannsburg (epd). Nach der Veröffentlichung einer Studie zu sexualisierter Gewalt in einer Bruderschaft in Hermannsburg bei Celle will die evangelische Landeskirche Hannovers die Aufsicht über geistliche Gemeinschaften in ihrem Gebiet verstärken. Um dies zu erreichen, solle zeitnah ein Konzept für Visitationen solcher Gemeinschaften entwickelt werden, sagte ein Kirchensprecher am Mittwoch in Hannover. Dabei besuchen kirchenleitende Personen die Arbeit vor Ort, um zu prüfen, ob die Grundsätze der kirchlichen Arbeit eingehalten werden.
Gegenwärtig gibt es den Angaben zufolge im Raum von Deutschlands größter Landeskirche zwischen dem Landkreis Göttingen und der Nordsee 15 geistliche Gemeinschaften. Die neue Regelung soll Anfang Juli beschlossen werden. „Damit wollen wir unmissverständlich die Aufsichtpflicht der Landeskirche stärken“, betonte der Präsident des Landeskirchenamtes, Jens Lehmann.
Die in der Broschüre definierten Handlungsempfehlungen entstanden den Angaben zufolge im Rahmen eines zweijährigen Dialogprozesses mit mehr als 150 Personen. Darunter waren Betroffene sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend, Vertreter von Institutionen sowie unabhängige Aufarbeitungsexperten.
Die Standards betreffen unter anderem die Vernetzung von Betroffenen durch aufarbeitende Institutionen und die gemeinsame Entwicklung konkreter Schritte des Aufarbeitungsprozesses. Weitere Empfehlungen betreffen die Beteiligung Betroffener bei der Ausschreibung etwa von Studien und Gutachten sowie die Herstellung von „Transparenz und Wissensweitergabe nach innen“ gegenüber allen Beteiligten am Aufarbeitungsprozess. Dabei geht es etwa um die Dokumentation durch Verlaufs- und Ergebnisprotokolle. Zudem finden sich in der mehr als 50 Seiten umfassenden Broschüre „Standards zur betroffenensensiblen Öffentlichkeitsarbeit“. Dabei geht es etwa um den Umgang mit Klarnamen und Fotos von Betroffenen.