EKM-Regionalbischöfin vor der Landtagswahl: Kirche muss Rechtsextremismus entgegentreten
EKM-Regionalbischöfin Bettina Schlauraff fordert mit Blick auf Rechtsextremismus und die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ein klares Eintreten der Kirchen für Demokratie und Menschenwürde. Im Interview mit der Mitteldeutschen Kirchenzeitung „Glaube+Heimat“ wirbt sie zugleich für den Dialog mit Menschen, die sich abgehängt fühlen. Am 30. August spricht sie darüber auch beim Hoffnungskulturfest auf dem Marktplatz in Dessau.
EKM-Regionalbischöfin Bettina Schlauraff.
Bettina Schlauraff, Regionalbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), fordert von der Kirche eine klare Haltung gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Diskriminierung. Christlicher Glaube und gesellschaftliches Engagement ließen sich für sie nicht voneinander trennen, sagte die Regionalbischöfin im Gespräch mit der Mitteldeutschen Kirchenzeitung „Glaube+Heimat“. Was sie in der Bibel lese, sei für sie ein klarer Auftrag, sich für Gerechtigkeit und Frieden einzusetzen. Extremistische, rassistische und diskriminierende Ansichten widersprächen dem, was sie von Jesus verstanden habe. „Und dann kann ich dazu nicht schweigen“, sagte Schlauraff.
Auch wenn Kirche immer wieder vorgehalten werde, sie solle weniger politisch sein, sieht Schlauraff gerade bei Fragen von Menschenwürde und Ausgrenzung eine klare Verantwortung. Migration, soziale Ungleichheit oder das Verhältnis von Stadt und Land seien Themen, zu denen sich Kirche aus ihrem Glauben heraus verhalten müsse. Wenn eine Partei diskriminierende Positionen vertrete oder Rechte von Menschen einschränken wolle, müsse Kirche dazu Stellung beziehen.
Landtagswahlen 2026: Warum die Kirche jetzt Haltung zeigen muss
Mit Blick auf die bevorstehende Landtagswahl in Sachsen-Anhalt warnt Schlauraff zugleich vor vorschnellem Fatalismus. Auf die Prognosen angesprochen, nach denen die AfD stärkste Kraft werden könnte, betont sie, die Wahl sei noch nicht entschieden. Aufgabe der Kirche sei es, für die Demokratie zu werben. Sie sei die Staatsform, „die die Würde des Menschen am besten ermöglicht“. Deshalb sei es für Christinnen und Christen eine klare Aufgabe, für die Demokratie zu streiten. Die Landtagswahl findet am 6. September statt.
Dabei setzt Schlauraff nicht allein auf Abgrenzung. Kirche müsse auch Menschen erreichen, die sich abgehängt fühlten und mit dem Gedanken spielten, eine extremistische Partei zu wählen. Es gehe darum, ihre Beweggründe ernsthaft verstehen zu wollen: Welche Probleme erleben sie, und welche demokratischen Alternativen gibt es? Diese Gespräche müssten ehrlich geführt werden.
Kirchen als Orte gegen Hass und Hetze
Eine besondere Rolle schreibt die Regionalbischöfin dabei den Kirchengemeinden zu. Sie könnten Orte schaffen, an denen Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und politischen Positionen miteinander ins Gespräch kommen. Als Mitherausgeberin des Buches „Kirche gegen den Hass“ habe sie erlebt, dass viele Gemeinden und Kirchenkreise bereits mit Dialogformaten arbeiteten. Gerade Kirchenräume böten einen „befriedenden Rahmen“. Die Erfahrung zeige, dass Streitgespräche dort häufig dazu führten, dass Menschen einander besser zuhörten und weniger aggressiv reagierten.
Schlauraff bringt dabei ihre eigenen Erfahrungen aus vielen Jahren als Gemeindepfarrerin in ländlichen Regionen ein. Bevor sie Regionalbischöfin im Sprengel Magdeburg wurde, arbeitete sie unter anderem in den früheren Kirchenkreisen Naumburg-Zeitz und Meiningen. Sie kenne den Alltag mit vielen Gemeinden ebenso wie die Arbeit in einem säkularen und teils polarisierten Umfeld. Heute verstehe sie sich auch als „Anwältin der Kirchenkreise und Anliegen der Gemeinden“ und versuche, ihre Erfahrungen vor Ort in die kirchenleitenden Gremien einzubringen.
Hoffnungskulturfest in Dessau
Auch beim Hoffnungskulturfest am Sonntag, 30. August, auf dem Dessauer Marktplatz geht es um die Rolle von Kirche in einer sich verändernden Gesellschaft. Schlauraff nimmt dort um 15.15 Uhr gemeinsam mit Pfarrer und Autor Justus Geilhufe und der Präses der EKD-Synode, Anna-Nicole Heinrich, am Gespräch „Kirche, die bleibt“ auf dem Roten Sofa teil. Das Hoffnungskulturfest der Evangelischen Landeskirche Anhalts beginnt um 10.30 Uhr und verbindet Gottesdienste, Gespräche, Musik und Begegnung. Der Eintritt ist frei.