Umgang mit Vermögen & Bewahrung der Schöpfung

Nach christlichem Verständnis ist die Kirche zur Bewahrung der Schöpfung und zur Solidarität mit allen Menschen berufen. Dieses Ethos prägt auch ihre Finanzpolitik, insbesondere bei Kapitalanlagen. Ethisch-nachhaltige Anlagen berücksichtigen neben Rendite und Sicherheit ausdrücklich soziale, ökologische und generationengerechte Kriterien. Eine wichtige Rolle bei der praktischen Umsetzung spielt hier der Arbeitskreis Kirchlicher Investoren (AKI), ein Zusammenschluss kirchlicher und diakonischer Investoren innerhalb und außerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Der AKI verfolgt das Ziel, Geld nicht nur ökonomisch verantwortungsvoll, sondern auch im Einklang mit Gottes Geboten und dem kirchlichen Auftrag anzulegen. Er fördert den Austausch unter kirchlichen Ethik- und Nachhaltigkeitsexperten sowie Finanzdienstleistern, entwickelt den Leitfaden für ethisch-nachhaltige Geldanlage weiter und koordiniert Unternehmensdialoge zu nachhaltigen Standards. Durch dieses Netzwerk sollen christliche Werte in der Finanzpraxis gestärkt werden, sodass Geldanlagen nicht im Widerspruch zum Anliegen der Kirche stehen, sondern zur Bewahrung der Schöpfung und zum Wohl der Gesellschaft beitragen.

  • Christliche und ethische Grundlagen

    Das biblische Gebot zur Bewahrung der Schöpfung und die Forderung nach gerechtem Teilen prägen die ethischen Leitlinien der Kirche im Umgang mit Vermögen. Dabei spielen Aussagen aus den Weisungen und Verheißungen in Bibel und Bekenntnisschriften eine wesentliche Rolle, etwa das Gebot der Nächstenliebe, die Bewahrung des Lebensraums aller Geschöpfe oder das Prinzip der Gerechtigkeit zwischen den Generationen. Diese Quellen bilden die Grundlage dafür, dass die evangelische Kirche in wirtschaftlichen Belangen stets auch ethische Verantwortung übernimmt: Finanzanlagen sollen Armut und Ungerechtigkeit nicht verschärfen, sondern im Idealfall helfen, die sozialen und ökologischen Herausforderungen zu lindern.

  • Nachhaltigkeit

    Unter Nachhaltigkeit versteht die evangelische Kirche einen ganzheitlichen Ansatz, der die Bewahrung natürlicher Lebensgrundlagen, den sozialen Ausgleich und die wirtschaftliche Stabilität gleichermaßen einschließt. Dieses Verständnis geht über kurzfristige Renditeerwartungen hinaus und nimmt insbesondere die langfristigen Folgen kirchlicher Vermögensentscheidungen in den Blick. Die Kirche sieht sich in der Verantwortung, den menschlichen Einfluss auf Natur und Klima so zu gestalten, dass auch kommenden Generationen eine lebenswerte Umwelt erhalten bleibt. Nachhaltigkeit wird somit nicht nur als Umwelt- oder Klimaschutz verstanden, sondern als gerechter Umgang mit allen Ressourcen des Planeten. Leitplanken bilden dabei unter anderem die „Sustainable Development Goals“ der Vereinten Nationen oder auch das Pariser Klimaabkommen.

  • Ethisch-nachhaltige Vermögensanlage
    Tabelle AKI
    ©EKD
    Ziele, Strategien und Instrumente der ethisch-nachhaltigen Geldanlage

    Um christliche Grundwerte in der Finanzpraxis umzusetzen, hat die evangelische Kirche den Leitfaden für ethisch-nachhaltige Geldanlage verfasst (s. unten), an dem die AKI-Mitglieder ihr Anlageverhalten orientieren. Er basiert auf einem wirkungsorientierten Ansatz, der um Ausschlusskriterien auf der Basis christlicher Werte ergänzt wird.

    Das bedeutet: Geldanlagen sind nach ökonomischen Grundsätzen vorzunehmen.

    Die gleichzeitige Auseinandersetzung mit den Wirkungen der Geldanlage auf Umwelt, Mitwelt und Nachwelt ist jedoch unverzichtbar. Darum sollen Geldanlagen unter Berücksichtigung christlicher Werte sozialverträglich, ökologisch und generationengerecht erfolgen.

    Die obige Tabelle zeigt, wie sich Ziele, Strategien und Instrumente der ethisch-nachhaltigen Geldanlage zueinander verhalten (Leitfaden, S. 23).

    ekd-texte-113-2025-Neuauflage

    EKD-Text 113, Evangelische Kirche in Deutschland, 5., akt. Aufl., 2023 

    Wie lässt sich Geld ethisch verantwortlich so anlegen, dass es Nachhaltigkeit fördert – in ökologischer wie in generationengerechter Hinsicht? Dieser Leitfaden des Arbeitskreises Kirchlicher Investoren gibt ethisch begründete Empfehlungen. Zudem gibt er kirchlichen wie öffentlichen Investoren, aber auch Privatpersonen Kriterien an die Hand, mit deren Hilfe sich Anlagemöglichkeiten auf der Grundlage christlicher Werte auswählen lassen.

     

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  • Umsetzung ethisch-nachhaltiger Vermögensanlage

    Die praktische Umsetzung solcher ethisch-nachhaltigen Strategien erfolgt auf unterschiedlichen Ebenen. Viele Landeskirchen und kirchliche Einrichtungen haben verbindliche Anlagerichtlinien verabschiedet, die den Leitfaden implementiert haben. Zudem existieren eigenständige kirchliche Banken und Stiftungen, die nach ähnlichen Richtlinien arbeiten.

    Menschen vertrauen der Kirche ihr Geld an, um kirchliche und diakonische Arbeit zu ermöglichen. Daraus erwächst die Verantwortung, offen darüber Rechenschaft abzulegen, wie dieses Geld angelegt wird. Regelmäßige Berichterstattung über die konkrete Zusammensetzung und Wirkung des kirchlichen Portfolios schafft Vertrauen und verdeutlicht, wie christliche Werte in der Vermögensverwaltung Anwendung finden. Nicht zuletzt leisten solche Beispiele einen Beitrag zur gesellschaftlichen Debatte über nachhaltige Finanzprodukte und verantwortungsvolles Wirtschaften.

    Ein Beispiel ist der Arbeitskreis Kirchlicher Investoren (AKI). Er ist seit 2008 der Zusammenschluss institutioneller Anleger aus evangelischer Kirche und Diakonie in Deutschland. Der AKI entwickelt den Leitfaden für ethisch-nachhaltige Geldanlage weiter, fördert den fachlichen Austausch zwischen kirchlichen Investoren und bündelt deren Positionen. Ein weiterer Schwerpunkt sind die Engagementdialoge: Kirchliche Investoren nutzen ihre Rolle als Anteilseigner und Kunden, um mit Unternehmen der Real- und Finanzwirtschaft direkt über deren Umgang mit ökologischen und sozialen Fragen zu sprechen. Ziel ist, durch den konstruktiven Dialog konkrete Veränderungen in der Unternehmenspraxis anzustoßen.

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