EKD und Bischofskonferenz würdigen Freikirchen als wertvolle Partner
Zum 100-jährigen Bestehen der Vereinigung Evangelischer Freikirchen betonen Kirchen ihre gemeinsame Verantwortung für Demokratie, Religionsfreiheit und ökumenischen Zusammenhalt
Berlin (epd). Zum 100-jährigen Bestehen der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) haben die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Kirsten Fehrs, und der Magdeburger Bischof Gerhard Feige die Freikirchen als wichtige Partner für Demokratie, Religionsfreiheit und ökumenische Zusammenarbeit gewürdigt.
„Gerade in Zeiten politischer Spannungen und gesellschaftlicher Verunsicherung ist es ein starkes Zeichen, dass Freikirchen und Landeskirchen gemeinsam aus dem christlichen Glauben heraus für Nächstenliebe, Menschenwürde, Zusammenhalt und Demokratie eintreten“, erklärte die Hamburger Bischöfin Fehrs am Mittwoch in Berlin. Der katholische Ökumene-Bischof Gerhard Feige würdigte die VEF als wichtige ökumenische Wegbereiterin.
Gottvertrauen
Fehrs lobte laut EKD eine klare Haltung der Freikirchen gegen politische Vereinnahmung: „Wer versucht, einen Keil zwischen unsere Kirchen zu treiben, scheitert an unserer gelebten Geschwisterlichkeit. Für diese immer wieder öffentlich sichtbare Haltung bin ich den Freikirchen sehr dankbar“, sagte die Bischöfin.
Verbindend wirke dabei nicht zuletzt die geistliche Dimension der Freikirchen. Diese weckten Gottvertrauen, „allemal in Zeiten der Verlorenheit, die viele Menschen auch derzeit empfinden.“ Zum 100-jährigen Bestehen der Vereinigung Evangelischer Freikirchen fand am Mittwochabend eine Festveranstaltung in der Berliner Lukas-Gemeinde statt.
Schuldbekenntnis
Der Vorsitzende der Ökumenekommission der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, der Magdeburger Bischof Feige, würdigte die Vereinigung Evangelischer Freikirchen als ökumenische Pionierin: „Ich tue dies im Wissen darum, dass die katholische Kirche im Umgang mit den Freikirchen Schuld auf sich geladen hat und sie erst lernen musste, die Freikirchen als ökumenische Partner wahrzunehmen und zu respektieren“, sagte Feige laut Manuskript.
Er sei dankbar für die wichtigen Impulse, die die Freikirchen in die Gemeinschaft der Christen einbringen, und habe große Bewunderung für die Entschiedenheit, mit der freikirchliche Christinnen und Christen ihren Glauben leben.
„Und es ist gut, dass sie das Bewusstsein dafür wachhalten, dass das Verhältnis von Kirche und Staat stets einer kritischen Reflexion bedarf, dass sie daran erinnern, die friedensethischen Impulse des Christentums ernst zu nehmen, und dass sie unbeirrbar für Glaubens- und Gewissensfreiheit eintreten – auch gegen Widerstände“, fügte Feige hinzu. Diese besonderen Gaben seien für die Ökumene eine Bereicherung und würden auch in Zukunft gebraucht.
Kanzeltausch
Die Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) wurde 1926 gegründet und vereint heute 15 Mitgliedskirchen mit rund 280.000 Mitgliedern. 2024 hatten EKD und VEF eine gemeinsame Erklärung über eine vertiefte Predigtgemeinschaft unterzeichnet, die zum gegenseitigen Kanzeltausch einlädt.
Von den großen Kirchen unterscheiden sich die Freikirchen in manchen theologischen Fragen, aber auch in der Organisationsform. Sie betonen die freiwillige Mitgliedschaft und finanzieren sich in der Regel über freiwillige Beiträge ihrer Mitglieder.