Vom „König der Landstraße“ zum „Deppen der Nation“

Wie die Kirche einsamen Truckern hilft

Fernfahrer sind oft wochenlang unterwegs und sehen ihre Familien selten. An der Autobahnkapelle an der Kochertalbrücke bietet ein kirchlicher Truckertreff ihnen regelmäßig Essen, Gespräche und ein offenes Ohr.

Drei Mitarbeitende der LKW-Seelsorge stehen an einem Lkw. Zwei tragen pinkfarbene Warnwesten, eine weitere Frau ein gleichfarbiges T-Shirt. Eine Mitarbeiterin spricht mit dem Fahrer im Führerhaus. Im Hintergrund stehen ein Autotransporter und weitere Fahr ©Foto: EPD/Claudio Murmann

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Braunsbach (epd). Fernfahrer sind oft wochenlang unterwegs und sehen ihre Familien selten. Gesellschaftliche Anerkennung erfahren sie dabei wenig. „Früher waren die Fernfahrer die Könige der Landstraße“, sagt Martin Heubach, früher evangelischer Diakon und heute verantwortlich für den Truckertreff an der Autobahnkapelle an der Kochertalbrücke der Autobahn 6. „Und heute sind sie die Deppen der Nation. Deshalb wollen wir denen etwas Gutes tun“, sagt er.

Der Truckertreff findet einmal im Monat statt. Es gibt kostenlos etwas vom Grill, dazu Getränke. Ein Mitarbeiterteam ist vor Ort und versucht, mit den Fahrern über das ins Gespräch zu kommen, was ihnen auf dem Herzen liegt, wie Heubach erläutert.

Sprachkenntnisse erforderlich

Damit das gelingt, braucht es Sprachkenntnisse. Für Rumänisch steht ein Kollege bereit. Doch nicht immer klappt die Kommunikation, da ein Großteil der Fahrer aus Polen, Litauen und Bulgarien stammt. Angesprochen werden die Fahrer direkt an ihren Fahrzeugen. Im Team arbeite allein Schwester Inge von den evangelischen Christusträger-Schwestern hauptberuflich, sagt Heubach. Die Schwesternschaft ist auch Trägerin der Autobahnkapelle. Alle anderen seien in ihrer Freizeit dabei.

Wie lange die Fahrer beim Truckertreff bleiben, ist unterschiedlich: Manche sind die vollen zwei Stunden da, andere nur so lange, bis Wurst und Getränk verzehrt sind. Trotzdem führe man jedes Mal bis zu zehn tiefe Gespräche, erläutert Heubach. Fahrer, die bedrückt gekommen seien, bedankten sich für die Wertschätzung.

„Billige Arbeitskräfte“ aus Osteuropa

Die meisten Fahrer, die dort vorbeikommen, stammen laut Heubach aus Osteuropa, „weil es billige Arbeitskräfte sind“. Sie seien oft wochen- oder monatelang unterwegs und kämen unter schwierigen Arbeitsbedingungen auch menschlich sehr schlecht weg.

Ein Fahrer sagt, es sei sehr schwer, so weit weg von Familie und Zuhause zu sein. Ein anderer bilanziert: „Die Arbeit ist hart, aber da kann man nichts machen.“ Als typische Belastungen des Berufs nennt die kirchliche Seelsorge lange Abwesenheit von zu Hause, Zeitdruck, Staus, fehlende Parkplätze, niedrige Bezahlung, Einsamkeit und geringe gesellschaftliche Anerkennung.

Mehrere kirchliche Angebote im Südwesten

Der Treff an der Kochertalbrücke ist nicht das einzige Angebot dieser Art. In Baden-Württemberg gibt es keine zentral organisierte Trucker-Seelsorge, sondern mehrere Projekte aus Fernfahrer- und Betriebsseelsorge sowie Autobahnkirchen, vor allem entlang der Autobahnen 6 und 81.

Im Raum Heilbronn ist Josef Krebs als Trucker-Seelsorger im Dienst der Diözese Rottenburg-Stuttgart unterwegs. Im Hegau läuft seit 2018 das ökumenische Projekt „Lenkpause für Körper und Seele“ an Rastplätzen und am Zollamt zur Schweiz. Pro Aktion werden dort nach Angaben des Projekts bis zu 100 Fahrerinnen und Fahrer erreicht.

Für Heubach entscheidet sich der Sinn des Engagements im Einzelfall: „Der Aufwand lohnt sich für mich immer dann, wenn ein Mensch hier fröhlicher und entlasteter weggefahren ist.“