Bibel

Die Bibel ist die Grundlage des christlichen Glaubens.

Die Bibel ist die Grundlage des christlichen Glaubens. Sie berichtet davon, wie Gott sich den Menschen gezeigt hat, Christinnen und Christen sagen auch: wie er sich offenbart hat.

Das Wort „Bibel“ kommt aus dem Lateinischen: Biblia bedeutet „Bücher“. Genau genommen ist die Bibel nicht nur ein Buch, sondern eine ganze Bibliothek mit ganz unterschiedlichen Büchern.

Die Bibel besteht aus zwei Hauptteilen: dem Alten Testamen (AT) und dem Neuen Testament (NT). Das Wort Testament ist ebenfalls lateinisch und bedeutet „Bund“. Die Testamente wurden so genannt, da es in beiden Teilen um einen Bund geht, den Gott mit den Menschen schloss. Im Alten Testament geht es um den Bund Gottes mit dem Volk Israel. Im Neuen Testament geht es um den neuen Bund, der durch Jesus Christus begründet wurde. Christinnen und Christen glauben, dass durch Jesus Christus Gott auf neue Weise zu den Menschen gekommen ist.

Die einzelnen Bücher der Bibel haben unterschiedliche Autoren, was grundsätzlich bedeutet: Biblische Texte können einander widersprechen. Das gilt sowohl für das Alte Testament als auch für das Neue Testament.

Beispiele für Bücher, die einander widersprechen, gibt es sowohl im Alten Testament als auch im Neuen Testament. Zum Beispiel, wenn es um Schwerter und Pflugscharen geht: Beim Propheten Jesaja steht: „Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln.“ (Jes 2,4) Der Prophet Joel fordert die Völker hingegen auf: „Macht aus euren Pflugscharen Schwerter und aus euren Sicheln Spieße!“ (Joel 4,10) Hier stehen zwei völlig unterschiedliche Entwürfe vom großen Gericht Gottes gegeneinander. Bei Jesaja bringt das Gericht Gottes Frieden über die Völker, bei Joel sollen die Völker, die Israel entgegenstehen, vernichtet werden.

Auch im Neuen Testament gibt es Widersprüche. Im Brief an die Galater zum Beispiel schreibt Paulus: „Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.“ (Gal 3,28) In seinem ersten Brief an die Korinther steht etwas anderes: Frauen sollen „schweigen in den Gemeindeversammlungen; denn es ist ihnen nicht gestattet zu reden, sondern sie sollen sich unterordnen, wie auch das Gesetz sagt“ (1 Kor 14,34). Bibelforscher vermuten, dass dieser Satz nachträglich in den Brief hineingeschrieben wurde, vermutlich zunächst an den Rand. Dafür spricht, dass in manchen alten Handschriften der Satz an anderer Stelle steht, ein paar Verse weiter unten.

Welche Bücher zur Bibel dazugehören, wurde im dritten Jahrhundert nach Christus festgelegt. Man nennt diese Festlegung auch „Kanon“. Zunächst entschied man sich, das Alte Testament in die Bibel aufzunehmen, da das Christentum aus dem Judentum entstanden ist. In das Neue Testament wurden dann schließlich die Bücher und Briefe aufgenommen, die als apostolisch galten, also nach damaliger Meinung auf die Apostel zurückgingen. So kamen bei der Zusammenstellung des Neuen Testaments verschiedene Deutungen des Christentums zusammen. Die Entscheidungen dafür wurden auf sogenannten Synoden getroffen. Zu diesen Versammlungen trafen sich die Bischöfe und Kirchenführer aus dem damaligen Kirchengebiet, um über Probleme des Glaubens, des Kultes und der kirchlichen Organisation zu beraten.

Zwischen den beiden Testamenten befinden sich in vielen Bibelausgaben die Apokryphen. Das Wort apokryph kommt aus dem Griechischen und heißt übersetzt „versteckt“. Die Apokryphen sind Texte aus der jüdischen Tradition, die in der Zeit des sogenannten zweiten Tempels verfasst wurden. Der zweite Tempel in Jerusalem wurde 70 n. Chr. durch die Römer zerstört. Die Apokryphen sind in griechischer Sprache überliefert, nicht auf Hebräisch. Sie kommen auch nicht im Tenach vor, der Bibel des Judentums.

Die Apokryphen haben einen „deutero-kanonischen Status“, das heißt, sie sind zweitrangig gegenüber dem Kanon, aber irgendwie gehören sie dazu. In der katholischen Tradition sind die Apokryphen in der Regel in den Bibelausgaben enthalten. Die Reformatoren benutzten für ihre Bibelausgaben die hebräische Bibel als Grundlage, in der die Apokryphen nicht enthalten sind. Martin Luther nannte sie trotzdem, „nützlich“ zu lesen, deswegen sind die Apokryphen auch in einigen Ausgaben der Lutherbibel enthalten. Es gibt auch Apokryphen zum Neuen Testament, sie gelten aber nicht als deutero-kanonisch, gehören auch nicht zum Kanon. Auch nicht das Thomasevangelium, das mehrere Worte von Jesus enthält.

Die ursprüngliche Sprache des Alten Testaments ist hebräisch. Das Neue Testament wurde in Griechisch geschrieben. Es gibt verschiedene deutsche Übersetzungen. In der evangelischen Kirche wird häufig die Übersetzung von Martin Luther verwendet, in den reformierten Gemeinden die Zürcher Bibel. In der katholischen Kirche nutzt man die sogenannte Einheitsübersetzung. Darüber hinaus gibt es noch viele weitere Übersetzungen.

Die Bibelübersetzung von Martin Luther war nicht die erste Übersetzung in deutscher Sprache – wohl aber die erste, die so erfolgreich wurde. Luther stellte 1522 die Übersetzung des Neuen Testaments fertig, 1534 folgte dann die erste komplette Bibel. In den folgenden Jahrhunderten wurde die Lutherbibel immer wieder überarbeitet. Zum Jubiläumsjahr der Reformation 2017 erschien die jüngste Überarbeitung.

Weiterführende Inhalte und Links

  • Fragen

    Muss man die Bibel von vorne bis hinten gelesen haben?

    Antwort: Nicht alle Christinnen und Christen lesen die Bibel von vorne bis hinten. Es gibt in der Bibel reine Namenslisten, auch viele Gesetze, die sich auf einen längst vergangenen Tempelkult beziehen. Am besten ist es, mit den Teilen der Bibel anzufangen, die einem etwas bedeuten und einem weiterhelfen.

    Wie kann man die Bibel näher kennenlernen?

    Antwort: Es gibt verschiedene Bibel-Lesepläne, die einen nach und nach durch die wichtigsten Texte der Bibel führen. Bibel-Lesepläne werden zum Beispiel von der Deutschen Bibelgesellschaft herausgegeben. Eine andere Möglichkeit, die Bibel näher kennenzulernen, sind die Herrnhuter Losungen. Jedes Jahr wird für jeden Tag im Jahr ein Bibelvers aus dem Alten Testament gezogen. Diesen Versen wird dann jeweils ein Vers aus dem Neuen Testament zugeordnet. Außerdem erfährt man in den Heften mit den Herrnhuter Losungen, welcher Predigttext an einem Sonntag an der Reihe ist. In vielen Gemeinden gibt es darüber hinaus Bibel-Lesekreise, in denen sich Menschen zusammentun, die Bibel gemeinsam lesen und über die Texte diskutieren.

    Muss man alles glauben, was in der Bibel steht?

    Antwort: Die Texte in der Bibel sind sehr alt, vieles kann man aus heutiger Sicht nur mit einigem Hintergrundwissen nachvollziehen. Über viele Texte muss man sich erst einmal Gedanken machen, bevor man sie versteht. Dafür ist es hilfreich, etwas über die Entstehung der Texte zu lernen und über die Zeit, in der sie entstanden sind. Hinzu kommt, dass die Texte sehr vielfältig sind und zum Teil ganz unterschiedliche theologische Strömungen der damaligen Zeit repräsentieren. Diese Vielfalt ist aber auch ein großer Schatz: Sie lädt dazu ein, sich selbst ein Bild zu machen und die Texte zu finden, mit denen man sich wirklich identifizieren kann.

  • Diskussion

    Wie man die Bibel verstehen soll und wie man sie lesen und interpretieren sollte, dazu gibt es unter Christinnen und Christen unterschiedliche Meinungen. Einige Christinnen und Christen sagen, dass die Bibel von Gott „inspiriert“ beziehungsweise diktiert wurde. Sie sind der Meinung: Jedes einzelne Wort der Bibel sei wahr und jede Weisung müsse befolgt werden. Auch für die Reformatoren war die Bibel „Wort Gottes“ und „Heilige Schrift“. Dabei war ihnen schon im 16. Jahrhundert klar, dass die Bibel von Menschen geschrieben worden war. Für sie hatten die biblischen Texte trotzdem Autorität, denn: Die Bibel ist nicht irgendein Buch. Sie erzählt davon, wie sich das Leben von Menschen durch ihren Glauben an Gott fundamental ändert. Sie erzählt von einem Gott, der durch die Zeiten hindurch immer wieder den Menschen, die an ihn glaubten, auf heilvolle Weise begegnet ist. Sie erzählt all dies in religiöser Sprache, das heißt, sie beschreibt keine Tatsachen, sondern Dinge, die Menschen glauben. In den biblischen Texten beschreiben Menschen die Geschichte so, wie sie sie aus der Sicht ihres Glaubens deuten. Es lässt sich oft die große Kraft erahnen, die der Glaube bei den Menschen ausgelöst hat. Diese Kraft haben Menschen in der Geschichte immer wieder gespürt, wenn sie die Bibel gelesen haben, und diese Kraft spüren Menschen auch heute noch.

    Wie die Texte in der Bibel entstanden sind, kann man zu großen Teilen historisch nachvollziehen (historisch-kritische Exegese).

    Ein Beispiel, das zeigt, wie nützlich die historisch-kritische Exegese ist, sind die Evangelien. Im Neuen Testament gibt es vier Evangelien, die die Geschichte von Jesus erzählen. In vielen Punkten gleichen sich die Evangelien und verwenden teilweise dieselben Texte. Sie ordnen diese Texte aber einerseits unterschiedlich an und fügen diesen Texten andererseits eigene Texte hinzu. Anhand der Unterschiede versuchen Bibelforscher herauszufinden, für welche Gemeinden zum Beispiel die Evangelien geschrieben wurden und was die theologischen Schwerpunkte waren. Im Markusevangelium hat zum Beispiel die Passionsgeschichte einen sehr hohen Stellenwert, im Matthäusevangelium wird besonders viel auf die jüdische Tradition Bezug genommen.

  • Links

    Die Bibel im Internet: