Schöpfung - Basiswissen Glauben
Gottes Schöpfung in der Bibel: Was Christinnen und Christen darunter verstehen
Christinnen und Christen glauben, dass die Welt und alles, was darinnen ist, von Gott geschaffen wurde. Dabei beziehen sie sich auf die Schöpfungsgeschichte. Sie steht in Genesis, dem ersten Buch der Bibel.
Was bedeutet Schöpfung?
Im christlichen Glauben bedeutet der Begriff „Gottes Schöpfung“, dass alles was existiert – das Universum, die Erde, die Natur und das Leben insgesamt – seinen Ursprung in Gott hat. Die Welt ist nicht Besitz des Menschen, sondern Gabe Gottes. Weil Gott seine Welt liebt und erhält, ist sie nicht sinnlos, sondern wertvoll und bewahrenswert. Mit anderen Worten: Alles Leben hat Würde. Aus Sicht des Christentums ist der Mensch Teil der Schöpfung – und zugleich verantwortlich für sie.
Die Schöpfungsgeschichte in der Bibel
Die Schöpfungsgeschichte steht am Anfang der Bibel: Im Buch Genesis wird beschrieben, wie Gott die Welt geschaffen hat. Genau genommen sind es zwei Schöpfungsberichte, die unterschiedliche Perspektiven und Botschaften haben:
Im ersten Schöpfungsbericht (Genesis 1) werden Größe und vor allem die Ordnung der Schöpfung betont. Die Schöpfung geschieht durch Gottes Wort („Es werde ...“). Gott erschafft die Welt in sieben Tagen, indem er die Dinge scheidet: Licht und Finsternis bzw. Tag und Nacht; die Wasser über der Himmelsfeste und die darunter; das Meer und das Land mit den Gräsern, Kräutern und Bäumen; die Himmelslichter als Orientierungshilfen für die Festzeiten – eines für den Tag (die Sonne), eines für die Nacht (der Mond); die Tiere des Wassers und der Luft; die Landtiere und die Menschen. Mann und Frau werden gemeinsam als Ebenbild Gottes erschaffen. Am siebten Tag vollendet Gott die Schöpfung und ruht von seinen Werken – damit ist der Sabbat geschaffen, der siebte Tag als Ruhe- und Festtag.
Im zweiten Schöpfungsbericht (Genesis 2) wird mehr vom Menschen, vom Garten Eden und von Adam und Eva erzählt. Zuerst steigt ein Strom aus der noch unbelebten Erde hervor; dann formt Gott den Menschen aus Erde und haucht ihm Leben ein. Anschließend pflanzt er einen Garten, in den er den Menschen hineinsetzt, und stellt ihm zunächst Tiere und schließlich eine Hilfe an die Seite. Die Erdverbundenheit des Menschen wird auch durch ein hebräische Wortspiel betont: Der Mensch (adam) ist aus Erde (adamah) geschaffen. Der Schwerpunkt liegt hier auf dem Menschen, seiner Verantwortung und Beziehung zu Gott.
Bibelstellen zur Schöpfung
Außer im Buch Genesis finden sich auch in den Psalmen sowie in neutestamentlichen Briefen Bibelstellen, die von der Schöpfung handeln:
- Genesis 1,1–2,4a: Die sieben Schöpfungstage
- Genesis 2,4b–25: Adam und Eva im Garten Eden
- Psalm 8: Der Mensch in Gottes Schöpfung
- Psalm 104: Lob des Schöpfers
- Römer 8,19–22: Die seufzende Schöpfung
- Kolosser 1,15–17: Christus und die Schöpfung
Wie lange dauerte die Schöpfung?
In Genesis 1 spricht die Bibel davon, dass Gott die Welt in sieben Tagen geschaffen hat. Nach Auffassung der allermeisten evangelischen Theologinnen und Theologen ist damit nicht gemeint, dass die Entstehung des Universums nur sieben Mal 24 Stunden gedauert hat! Der biblische Text ist keine Beschreibung im Sinne eines wissenschaftlichen Protokolls. Insofern besteht auch kein Widerspruch zwischen Schöpfungsglauben und Evolutionstheorie. Der Schöpfungsbericht will nicht die Frage nach physikalischer Dauer beantworten, sondern nach Sinn und Ursprung der Welt und ihrer Beziehung zu Gott. Aus biblischer Sicht ist die Welt wohlgeordnet. Der Erzählung vom siebten Tag betont das und sagt: Auch Ruhe gehört zur Schöpfungsordnung.
Die sieben Schöpfungstage einfach erklärt
| Tag | Was wird geschaffen? | Bedeutung |
| 1 | Licht und Dunkelheit |
Gott bringt Ordnung in das Chaos. |
| 2 |
Himmel/Gewölbe |
Die Welt bekommt Struktur. |
| 3 |
Land, Meer und Pflanzen |
Lebensräume entstehen. |
| 4 |
Sonne, Mond und Sterne |
Zeit, Rhythmus und Orientierung entstehen. |
| 5 |
Fische und Vögel |
Leben breitet sich aus. |
| 6 |
Tiere und Menschen |
Der Mensch wird als Ebenbild Gottes beschrieben. |
| 7 |
Gott ruht |
Der Sabbat/Ruhetag gehört zur guten Schöpfung. |
Adam und Eva: Was bedeutet die Erzählung?
Im zweiten Schöpfungsbericht in Genesis 2-3 steht die Geschichte von Adam und Eva. Gott formt Adam aus Erde und haucht ihm Leben ein. Diese Erdverbundenheit schlägt sich auch im Namen nieder: „Adam“ geht auf das hebräische Wort für „Erde“ oder „Ackerboden“ zurück. Adam kann aber auch Mensch oder Menschheit bedeuten. Die Erzählung ist also nicht nur „Anfangsgeschichte“, sondern behandelt Grundfragen des Menschseins wie Vertrauen, Freiheit, Verantwortung und Schuld.
Schöpfung und Evolution
Christ*innen verstehen die Welt, ja das Universum, als Gottes Schöpfung. Sie glauben, dass Gott diese Welt liebt und erhält. Dieser Glaube konkurriert nicht mit naturwissenschaftlichen Erklärungsmodellen. Schon gar nicht bedeutet Schöpfungsglaube, Naturgesetze zu bestreiten: Glaube und Wissenschaft sind kein Widerspruch, sondern blicken aus einer unterschiedlichen Perspektive auf die Welt. Zugespitzt formuliert: Die Bibel ist kein Biologiebuch, sondern ein Glaubenszeugnis!
Naturwissenschaft fragt nach Prozessen, Entwicklungen und überprüfbaren Zusammenhängen: „Wie ist die Welt entstanden?“, „Aus welchen Bausteinen besteht sie?“, „Nach welchen Gesetzen funktioniert sie?“. Der Schöpfungsglaube dagegen fragt nach Ursprung, Sinn, Würde und Verantwortung des Menschen. Evangelische Theologie sieht in wissenschaftlicher Erkenntnis keinen Gegensatz zum Glauben. Das Wissen um das Wie der Schöpfung verdrängt nicht die Frage nach ihrem Sinn, ihrer Würde und Gottes Güte. Je tiefer wir ihre Zusammenhänge und Wirkweisen begreifen, desto mehr gilt das biblische Bekenntnis aus Psalm 139: „Wunderbar sind deine Werke.“
Was heißt „die Schöpfung bewahren“?
Aus christlicher Sicht ist die Welt von Gott geschaffen und geliebt. Sie gehört also nicht dem Menschen, der beliebig über sie verfügen darf, sondern soll geschützt und bewahrt werden. Wer die Welt als Gottes Schöpfung besteht, kann Natur, Tiere und Menschen nicht nur nach ihrem Nutzen bewerten; Natur, Tiere und Menschen dienen keinem Zweck, sondern haben Wert und Würde an sich.
Aus dem Schöpfungsglauben folgen Dankbarkeit und damit auch Verantwortung für die Schöpfung. Diese Verantwortung für die Schöpfung betrifft Tiere und Pflanzen, aber auch das Klima und Gerechtigkeit für künftige Generationen. Christinnen und Christen sind daher aufgerufen, sich für Nachhaltigkeit sowie Natur- und Klimaschutz einzusetzen. Die EKD-nahe Arbeitsgemeinschaft der Umweltbeauftragten beschreibt Schöpfungstheologie ausdrücklich im Zusammenhang mit nachhaltigem Umgang mit der Schöpfung.