Hanna Jursch – Biografie
Pionierin der evangelischen Theologie
Hanna Marie Margarete Jursch (1902–1972) war Kirchenhistorikerin und eine Pionierin der evangelischen Theologie. 1934 habilitierte sie sich als erste Theologin an einer deutschen theologischen Fakultät. Ihr wissenschaftlicher Weg war jedoch über viele Jahre von der Benachteiligung von Frauen an deutschen Hochschulen geprägt.
Studium und wissenschaftlicher Einstieg
Hanna Jursch wurde am 24. März 1902 in Oppeln in Oberschlesien geboren. Wegen der beruflichen Versetzungen ihres Vaters verbrachte sie ihre Schulzeit zunächst in Elbing in Westpreußen und ab 1917 in Berlin, wo sie 1922 ihr Abitur ablegte.
An der Thüringischen Landesuniversität in Jena begann sie zunächst ein Studium der Religion, Germanistik und Kunstgeschichte. Besonders geprägt wurde sie vom Neutestamentler Heinrich Weinel. Bereits nach einem Semester wechselte sie an die Theologische Fakultät. Zu ihren Studienschwerpunkten gehörten das Neue Testament sowie Kirchen- und Kunstgeschichte. 1926 legte sie ihr theologisches Examen ab.
1932 bestand Jursch die Lizentiatenprüfung mit einer Arbeit über „Schleiermacher als Kirchenhistoriker“. In ihrer Tätigkeit bei dem Kirchenhistoriker Karl Heussi lernte sie auch die sozialen Verhältnisse der Studierenden kennen und engagierte sich besonders für bedürftige Studentinnen.
Erste Theologin mit regulärer Habilitation
1934 habilitierte sich Hanna Jursch mit der Arbeit „Das Bild des Judas Ischariot in der Alten Kirche“ im Fach Kirchengeschichte und Christliche Archäologie. Sie war damit die erste Theologin, die an einer deutschen theologischen Fakultät eine reguläre Habilitation erwarb. Im Sommersemester desselben Jahres nahm sie ihre Lehrtätigkeit an der Universität Jena auf.
Ihre akademische Laufbahn blieb jedoch durch erhebliche Hürden eingeschränkt. Die Zulassung zur Habilitation war zunächst nur unter Vorbehalt erfolgt. Zugleich wurde offen darüber gestritten, ob Frauen Hochschuldozenturen übernehmen sollten. Jursch musste sich mit einem begrenzten Arbeitsgebiet zufriedengeben und durfte die beruflichen Aussichten männlicher Nachwuchswissenschaftler nicht beeinträchtigen.
Professorin in Jena
1939 wurde Hanna Jursch nach der neuen Reichshabilitationsordnung zur Dozentin für Kirchengeschichte ernannt. Damit waren jedoch weder eine feste Besoldung noch die Aussicht auf einen planmäßigen Lehrstuhl verbunden.
Nach dem Ende des Nationalsozialismus wurde sie 1945 besoldete außerordentliche Professorin. 1948 erhielt sie einen vollen Lehrauftrag. 1955 verlieh ihr die Theologische Fakultät der Philipps-Universität Marburg die Ehrendoktorwürde. Ein Jahr später übernahm Hanna Jursch einen Lehrstuhl an der Theologischen Fakultät der Universität Jena.
Ein Name, der weiterwirkt
Hanna Jursch starb am 13. Juni 1972 in Jena. Ihr wissenschaftlicher Lebensweg steht bis heute beispielhaft für die schwierige Durchsetzung von Frauen in der akademischen Theologie.
Die Evangelische Kirche in Deutschland erinnert mit dem nach ihr benannten Hanna-Jursch-Preis an die Theologin. Der Preis zeichnet herausragende wissenschaftlich-theologische Arbeiten aus, in denen Gender- beziehungsweise geschlechterspezifische Perspektiven eine wesentliche Rolle spielen.