Aktiv für Demokratie – was Kirchengemeinden jetzt tun können
Praktische Ideen und Materialien für Veranstaltungen, Aktionen und den Umgang mit Rechtsextremismus
Rechtsextreme Parolen und menschenfeindliche Positionen fordern derzeit den gesellschaftlichen Zusammenhalt heraus. Kirchengemeinden können vor Ort viel dagegen tun: Sie können Räume für Begegnung, Beteiligung und demokratisches Engagement öffnen.
Sie können Veranstaltungen und Gesprächsformate organisieren. Und sie können mit Gottesdiensten, Andachten oder Gebetsabenden Haltung zeigen. Sie können lokale Bündnisse unterstützen, sich an Aktionen beteiligen und online für Menschenwürde und ein respektvolles Miteinander eintreten.
Nicht jede Gemeinde muss alles tun. Entscheidend ist, eine Form des Engagements zu finden, die zur Situation vor Ort und zu den eigenen Möglichkeiten passt.
Was möchten Sie tun?
- Haltung zeigen
- Veranstaltung organisieren
- Aktion starten
- Digital aktiv werden
- Ins Gespräch kommen
- Beratung und Hilfe finden
Haltung zeigen: Demokratie und Menschenwürde sichtbar machen
Kirchengemeinden sind Teil des gesellschaftlichen Lebens vor Ort. Sie können sichtbar machen, wofür sie stehen: für Menschenrechte, Demokratie, Frieden, Freiheit und ein respektvolles Zusammenleben.
Das kann ganz unterschiedlich aussehen: mit einem Banner am Gemeindehaus, einem Plakat im Schaukasten, einem Beitrag im Gemeindebrief, einer Predigt, einem Gottesdienst oder einer Stellungnahme des Kirchenvorstands. Auch Website und Social-Media-Kanäle können genutzt werden, um die Haltung der Gemeinde sichtbar zu machen - zum Beispiel gegen Rechtsextremismus.
Dabei geht es nicht darum, Menschen eine bestimmte politische Entscheidung vorzugeben. Warum und auf welcher Grundlage sich evangelische Kirche zu politischen und gesellschaftlichen Fragen äußert, erfahren Sie auf der Themenseite „Kirche und Politik“.
Veranstaltungen organisieren: Menschen zusammenbringen
Kirchengemeinden haben etwas, das für eine lebendige Demokratie besonders wertvoll ist: Orte, an denen Menschen einander begegnen können.
Ein Gesprächsabend, eine Podiumsdiskussion oder ein Workshop kann Menschen zusammenbringen, die im Alltag kaum noch miteinander sprechen. Auch ein gemeinsames Essen, ein Filmabend, eine Ausstellung, ein Demokratiefest oder eine Veranstaltung mit Vereinen und Initiativen aus dem Ort kann zum Ausgangspunkt für Austausch und Beteiligung werden.
Nicht jede Veranstaltung muss eine klassische politische Diskussion sein. Oft entstehen gute Gespräche dort, wo Menschen zunächst ihre Erfahrungen teilen, zuhören und andere Perspektiven kennenlernen.
Aktion starten: gemeinsam vor Ort aktiv werden
Demokratisches Engagement findet nicht nur im Gemeindesaal statt. Kirchengemeinden können sich mit anderen zusammentun und dort sichtbar werden, wo Menschen gemeinsam Verantwortung für ihr Zusammenleben übernehmen.
Möglich sind zum Beispiel:
- Mahnwachen
- Friedensgebete
- Menschenketten
- Demokratiefeste
Gemeinden können sich an lokalen Bündnissen beteiligen, eigene Aktionen initiieren oder Räume für zivilgesellschaftliches Engagement zur Verfügung stellen. Auch kleine Aktionen können einen Ort verändern: ein gemeinsames Essen auf dem Kirchplatz, eine Ausstellung zu Menschenrechten, eine Aktion mit Konfirmand:innen oder ein Gesprächsangebot auf dem Wochenmarkt.
Digital aktiv werden: für Respekt und Menschenwürde im Netz
Demokratische Öffentlichkeit findet auch digital statt. Kirchengemeinden können Website, Newsletter und Social-Media-Kanäle nutzen, um Veranstaltungen bekannt zu machen, Positionen sichtbar zu machen und Menschen zum Mitmachen einzuladen.
Dazu eignen sich Sharepics und kurze Videos ebenso wie Statements, Hinweise auf lokale Aktionen oder Erfahrungsberichte aus der Gemeinde. Die meisten Landeskirchen und Demokratie-Initiativen bieten dazu kostenfreies Material an.
Ins Gespräch kommen: zuhören, widersprechen, Grenzen setzen
Politische Konflikte machen vor Kirchengemeinden nicht halt. Unterschiedliche Erfahrungen und Überzeugungen treffen im Kirchenvorstand, beim Gemeindefest, nach dem Gottesdienst oder im privaten Gespräch aufeinander.
Demokratische Gesprächskultur bedeutet nicht, dass alle einer Meinung sein müssen. Sie bedeutet, Unterschiede auszuhalten, zuzuhören, nachzufragen und zu widersprechen – ohne die Würde des Gegenübers aus dem Blick zu verlieren. Viele Landeskirchen und Initiativen bieten Argumentationshilfen an, um Stammtischparolen zu begegnen.
Beratung und Hilfe finden: Unterstützung für alle, die sich gegen Rechtsextremismus engagieren
Manche Situationen lassen sich nicht mit einer Broschüre oder einem Gesprächsleitfaden lösen. Vielleicht wird eine Veranstaltung gezielt gestört. Vielleicht gibt es rechtsextreme Aktivitäten im Ort. Vielleicht entstehen Konflikte in einem kirchlichen Gremium oder Menschen aus der Gemeinde werden angegriffen. Dann ist gut zu wissen, wo man Hilfe und Unterstützung findet.