Ein Wimmelbuch der Bibel

Plößberg in der Oberpfalz zeigt Krippe mit 8.000 Figuren

In dem kleinen Marktflecken Plößberg ist eine riesige Krippe entstanden: Die Dorfgemeinschaft hat einen 70 Meter langen Krippenberg aus Naturmaterialien gebaut und präsentiert darauf handgeschnitzte Figuren. Sie folgt damit einer langen Tradition.

Krippenausstellung in Plößberg

Krippenwart Hubert Haubner am 19.11.2022 in der Krippenlandschaft in Ploessberg (Kreis Tirschenreuth). In dem kleinen Marktflecken Ploessberg im Oberpfaelzer Wald ist die weltgroesste Krippe entstanden: Die Dorfgemeinschaft hat dafuer einen 70 Meter ​langen Krippenberg aus Naturmaterialien gebaut und praesentiert darauf 8000 handgeschnitzte Krippenfiguren.

Plößberg (epd). Der Duft von Wurzelstöcken, Moos und Wacholderheide steigt bereits vor der Tür in die Nase. Durch den Torbogen im Kultursaal des Markts Plößberg geschritten, steht der Besucher mittendrin in einer einzigartigen gebirgigen Krippenlandschaft: Wie in einem Amphitheater erstreckt sich auf 70 Metern die biblische Welt - im Kleinformat und in echtes Naturgrün gekleidet.

Seit 27. November ist die Ausstellung geöffnet. Es soll die weltgrößte Krippe sein, die mit ihren 8000 Krippenfiguren und historischen Nachbildungen von Gebäuden, Personen und Geschichten einlädt, in das Krippendorf im Oberpfälzer Wald zu kommen.

30 Kubikmeter Holz und Wurzelstücke, Baumschwämme sowie Steinmoos von den Oberpfälzer Granitbergen wurden verbaut. 3000 Stunden ehrenamtliche Arbeit stecken allein in der Kulisse. „Wir haben das alles geschickt miteinander kombiniert, sodass es diesen wunderschönen gigantischen Krippenberg ergibt“, sagt Krippenwart Hubert Haubner vom Oberpfälzer Waldverein.

Seit 50 Jahren gibt es in Plößberg alle fünf Jahre eine große Krippenausstellung. Bislang wurden dabei die Hauskrippen der etwa 20 Laienschnitzer am Ort aneinandergereiht. 2020 wäre es wieder so weit gewesen - das 50-jährige Bestehen der Ausstellung stand an. Doch dann funkte Corona dazwischen. Haubner entschied kurzerhand: „Wir bauen die größte Krippe der Welt.“

Die Plößberger sind nicht nur einfach Krippensammler. Sie bauen ihre Krippen selbst und schnitzen die Figuren dazu. „Im Oktober wird jeder Plößberger nervös, sucht sein Schnitzmesser und versucht, seine Hauskrippe zu erweitern und zu verschönern“, erzählt er. Ein geübter Krippenschnitzer brauche etwa acht Stunden für eine Figur. Corona hat ihnen viel Zeit gelassen, ihre Kunstwerke zu ergänzen.

Die nun entstandene Krippenschau zeigt mehr als nur die Weihnachtsgeschichte. Zentrale Szene bleibt die Geburt Jesu. Aber es geht auch um die Zeit von 100 vor Christus bis 200 nach Christus, und die Vielfalt der Figuren reicht bis in die Neuzeit. „Auch Kleopatra, Herodes und Napoleon sind dabei“, sagt Haubner und deutet auf eine Figur, die mit Dreizack auf weißem Pferd sitzt: Napoleon, wie er im 18. Jahrhundert die Grenze zur Oberpfalz überschreitet.

15 historische Städte sind in die gewaltige Landschaft eingebettet, darunter Bauwerke aus der Geschichte, dessen archäologische Baupläne sie sich extra besorgt haben: das Herodium, die Palast- und Festungsanlage von Herodes dem Großen. Links davon steht ein Löwe als Symbol des Christentums. Aber auch die Städte Jericho, Marsada und Macheros, die Todesstätte von Johannes dem Täufer, finden Platz in der biblischen Szenerie. Das Ganze wirkt wie ein gigantisches Wimmelbuch der Bibel.

Vor etwa 250 Jahren haben Glasofenbauer die Krippen-Tradition in Plößberg etabliert. In den Sommermonaten zogen sie nach Böhmen, Tirol, Thüringen und Italien aus, um dort die Glasschmelzöfen zu mauern. Während der Winterzeit produzerten sie in ihrer Heimat im Oberpfälzer Wald die Krippenfiguren im Nebenerwerb. Ihre Eindrücke aus den fernen, fremden Städten verbauten sie in den Krippen. „Dieses Brauchtum führen wir seitdem uneingeschränkt fort“, erläutert Krippenwart Haubner.

Seit Mitte Oktober haben die Mitglieder des Oberpfälzer Waldvereins den Kultursaal in Plößberg in eine begehbare Krippe umgebaut. Jeden Abend seien sie um die 25 Leute gewesen, an den Wochenenden sogar bis zu 40, die geholfen haben, die Krippenlandschaft aufzubauen.

Ins Guinness-Buch der Rekorde wollen die Krippenbauer aber nicht. Der Aufwand und die Kosten wären zu hoch gewesen. „Es geht hier nicht um einen Rekord, sondern um das Brauchtum“, sagt Haubner. Selbst wenn kein Mensch in die Ausstellung kommen würde, „wäre es das schönste Erlebnis in meinem Leben, diese Krippe mitgebaut zu haben“.

Von Gabriele Ingenthron (epd)