EKD-Ratsvorsitzende Fehrs zum Reformationstag: „Wir sind mehr als unsere Erfolge und Fehler“

  • Unverlierbare Würde: Gottes Liebe gilt jedem Menschen, unabhängig von Leistung und Erfolg
  • Mehr Fehlertoleranz: Ratsvorsitzende wirbt für Mut zum Neuanfang und Großzügigkeit im Alltag wie in der Politik
  • Freiheit und Nächstenliebe: Reformation ermutigt zu eigenständigem Denken und Verantwortung füreinander

Hannover (29. Oktober 2026). Zum Reformationstag am 31. Oktober erinnert die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischöfin Kirsten Fehrs, an die befreiende Kraft der reformatorischen Botschaft. Sie sei auch mehr als 500 Jahre nach Martin Luther von großer Bedeutung – für Christinnen und Christen ebenso wie für die Gesellschaft insgesamt.

„Die Reformation erinnert uns an etwas, das wir im Alltag leicht vergessen: Wir müssen unseren Wert als Menschen nicht erst beweisen. Wir sind mehr als unsere Erfolge und unsere Fehler. Jeder Mensch ist von Gott geliebt und mit einer Würde ausgestattet, die ihm niemand nehmen kann. Das ist eine unglaublich befreiende Botschaft – gerade in einer Zeit, in der so viele Menschen unter dem Druck stehen, immer alles richtig machen zu müssen“, so Fehrs.

Die reformatorische Erkenntnis, dass der Mensch auf Gottes Gnade vertrauen darf, eröffne zugleich einen anderen Umgang mit den eigenen Unzulänglichkeiten. „Unser Leben bleibt nicht auf unsere Fehler festgelegt. Es gibt immer die Möglichkeit, neu anzufangen. Wir brauchen im Alltag wie in der Politik mehr Mut, Fehler einzugestehen, und mehr Großzügigkeit gegenüber Menschen, die das tun. Eine Gesellschaft, die keine Fehler verzeiht, nimmt sich selbst die Chance, dazuzulernen“, sagte Fehrs.

„Mit der Freiheit des Menschen verbinde sich zugleich die Verantwortung für andere. „Selbst denken, selbst verstehen, selbst einstehen – auch dazu ermutigt uns die Reformation. Freiheit und Nächstenliebe gehören zusammen. Und Nächstenliebe steht nicht für sich allein: Sie lebt aus der Beziehung zu Gott, zum Gegenüber und zu mir selbst. Liebe ich nur Gott, werde ich eng. Liebe ich nur den Nächsten, werde ich müde. Liebe ich nur mich selbst, wird es einsam um mich.“

Der Reformationstag sei deshalb mehr als die Erinnerung an ein historisches Ereignis. „Er lädt uns ein, über unser eigenes Leben nachzudenken: Was würde sich verändern, wenn wir uns selbst und anderen mit etwas mehr Gnade begegnen würden?“

Hintergrund

Am 31. Oktober erinnern evangelische Christinnen und Christen an den Beginn der Reformation. Der Überlieferung nach veröffentlichte Martin Luther 1517 seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel. Im Mittelpunkt der reformatorischen Theologie steht die Überzeugung, dass der Mensch Gottes Liebe und Gnade nicht durch eigene Leistungen verdienen muss.

Weitere Infos unter: www.ekd.de/reformationstag-10834.htm

Hinweis für Redaktionen

Die EKD-Ratsvorsitzende, Bischöfin Kirsten Fehrs, predigt am Reformationstag, 31. Oktober 2026, um 14 Uhr im Dom zu Lübeck. Anlass ist ein Festgottesdienst zur Verleihung der Bugenhagenmedaille der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche).

Weitere Gottesdienste und Veranstaltungen zum Reformationstag

Der Reformationstag in Wittenberg beginnt um 8.30 Uhr mit einem Gottesdienst des Lutherischen Weltbundes (LWB) und der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika (ELCA) in der Stadtkirche. Um 10 Uhr folgt ein Gottesdienst des Kirchenkreises Wittenberg in der Schlosskirche mit einer Predigt von Pfarrerin Neumann-Becker.

Um 11.30 Uhr feiert die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) ihren Festgottesdienst zum Reformationstag in der Schlosskirche. Die Predigt hält EKD-Ratsmitglied Prof. Michael Domsgen. Die Liturgie gestaltet Oberkirchenrätin Anne Brisgen. Im Anschluss lädt die EKD zu einem Empfang im Besucherzentrum des Schlosses ein.

Pressestelle der EKD
Carsten Splitt