Neuer Impulstext verbindet Schöpfungsglaube, Klimagerechtigkeit und konkrete Praxis
Hannover (2. Oktober 2026). Wie kann christlicher Glaube angesichts von Klimakrise und Artensterben Hoffnung geben und zum Handeln ermutigen? Ein neuer Impulstext entwickelt dazu Ansätze für eine christliche Schöpfungsspiritualität. Er verbindet theologische Perspektiven mit Fragen von Ökologie und sozialer Gerechtigkeit – und lädt Christinnen und Christen dazu ein, eine eigene Schöpfungsspiritualität zu entdecken und im Alltag zu leben.
Der Text „Christliche Schöpfungsspiritualität – Glaube, Transformation und Verantwortung für Klima und Gerechtigkeit“ versteht Schöpfungsspiritualität als eine Antwort auf die ökologische Krise des Anthropozäns. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich der Glaube an Gott als Schöpfer mit der Verantwortung für die bedrohte Schöpfung und dem Einsatz für eine gerechte Welt verbinden lässt.
Dabei nimmt der Text auch Spannungen in den Blick, die sich nicht einfach auflösen lassen: zwischen der Erfahrung von Krise, Verlust und Zerstörung auf der einen und der christlichen Hoffnung auf der anderen Seite; zwischen globaler Verantwortung und dem, was Menschen vor Ort tatsächlich tun können.
Schöpfungsspiritualität soll deshalb nicht bei theologischen Überlegungen stehen bleiben. Der Text versteht sie als Einladung zu einer Haltung und Praxis, in der Lobpreis und Klage, Dankbarkeit und Umkehr zusammengehören. Konkret wird dies etwa in einem genügsameren Lebensstil, in Fürsorge für Mensch und Natur und im Einsatz für Klimagerechtigkeit.
Eine Besonderheit des Impulspapiers ist seine internationale und ökumenische Perspektive. Unterschiedliche Stimmen und Erfahrungen fließen darin zusammen, insbesondere aus afrikanischen Kontexten und aus der orthodoxen Tradition. So entsteht ein vielstimmiger Blick auf die Frage, welchen Beitrag Kirchen und Christinnen und Christen angesichts der ökologischen Krise leisten können.
Dabei geht es auch um die Kraft des Glaubens, Hoffnung zu nähren und andere Geschichten über das Verhältnis von Mensch und Schöpfung zu erzählen. Der Text ermutigt Kirchen dazu, Verantwortung für eine gerechte und nachhaltige Zukunft nicht nur gesellschaftspolitisch, sondern aus ihrem Glauben heraus zu begründen und wahrzunehmen.
Erarbeitet wurde der Text von einer international besetzten Projektgruppe. Auch seine Veröffentlichung geht einen ungewöhnlichen Weg: Das englische Original und die Übersetzungen ins Kiswahili und ins Deutsche erscheinen gemeinsam in einem Dokument.
Damit soll der Text bewusst über Sprach- und Ländergrenzen hinweg zum Gespräch einladen. Er kann in der internationalen Ökumene mit Partnerinnen und Partnern ebenso diskutiert werden wie in Gemeinden, kirchlichen Gruppen und mit allen, die nach einer christlichen Antwort auf die ökologischen Herausforderungen unserer Zeit suchen.
Das Impulspapier will dabei ausdrücklich keine abschließende kirchliche Position markieren. Es versteht sich vielmehr als Einladung zum Dialog – und als Anregung, die eigene Schöpfungsspiritualität zu entdecken, weiterzuentwickeln und daraus Konsequenzen für das eigene Handeln zu ziehen.
Der Impulstext ist unter www.ekd.de/schoepfungsspiritualitaeten und in englischer Sprache unter www.ekd.de/creationspiritualities abrufbar.