Rita Süssmuth gestorben

Frühere Bundestagspräsidentin wurde 88 Jahre alt

Nach dem Tod der früheren Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth hat die Ratsvorsitzende der EKD, Kirsten Fehrs, ihr beharrliches Eintreten für Gerechtigkeit gewürdigt. Die CDU-Politikerin, die zu den prägenden Frauen der Bundesrepublik zählte, ist im Alter von 88 Jahren gestorben.

Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kirsten Fehrs, hob Süssmuths Rolle als Bundestagspräsidentin bei der parlamentarischen Gestaltung der deutschen Einheit hervor: „Sie hat mit ihrem beharrlichen Eintreten für Gerechtigkeit die Entwicklung unseres geeinten Landes in jener Zeit maßgeblich mitgeprägt.“ Die evangelische Kirche sei dankbar dafür, dass Süssmuth „ihren christlichen Glauben und ihre kirchliche Verankerung nie verborgen hat“.

Die frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU) ist tot. Das teilte die amtierende Parlamentspräsidentin Julia Klöckner (CDU) am Sonntag in Berlin mit. Süssmuth, die im Alter von 88 Jahren starb, sei eine der bedeutendsten Politikerinnen der Bundesrepublik gewesen, würdigte Klöckner ihre Parteifreundin. „Ihr Elan und ihre Beharrlichkeit haben zahllose Menschen in Deutschland beeindruckt – und auch inspiriert.“ Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bezeichnete Süssmuth als große Politikerin und einen „Leitstern für unser demokratisches Gemeinwesen“.

Süssmuth war von 1985 bis 1988 Bundesfamilien- und Gesundheitsministerin. 1986 wurde das Ressort um die Zuständigkeit für Frauen erweitert. Von 1988 bis 1998 war Süssmuth Präsidentin des Deutschen Bundestages. Von 1987 bis 2002 gehörte sie dem Parlament an. Außerdem engagierte sie sich beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK).

Einsatz für Frauen

Klöckner bezeichnete die 1937 in Wuppertal geborene Politikerin als leidenschaftliche Vordenkerin in der Frauen- und Familienpolitik, die die Gleichberechtigung von Frauen vorangetrieben habe. „Bis zuletzt setzte sie sich mit scheinbar unbegrenzter Energie für mehr Repräsentanz von Frauen in Parlamenten ein.“

Auch Merz hob das Engagement von Süssmuth für Gleichberechtigung, Toleranz und eine offene Gesellschaft hervor. „Deutschland verdankt ihr viel“, erklärte er im Netzwerk X.

Süssmuth studierte nach ihrem Abitur Romanistik und Geschichte an den Universitäten Münster, Tübingen und Paris. Das erste Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien legte sie 1961 in Münster ab. 1964 wurde sie promoviert. 1973 erhielt sie einen Lehrstuhl für Erziehungswissenschaft an der Universität Dortmund.

„Besonderes Verhältnis zu Gott“

1981 trat sie in die CDU ein, wo sie sich vor allem für die Familienpolitik engagierte. Ihre Berufung zur Nachfolgerin von Heiner Geißler an der Spitze des Bundesministeriums für Jugend, Familie und Gesundheit galt 1985 als Überraschung.

Klöckner sagte, Süssmuth habe sich mit scheinbar unbegrenzter Energie für mehr Repräsentanz von Frauen in Parlamenten eingesetzt. Auch ihre Politik gegen die Immunschwächekrankheit Aids sei bahnbrechend gewesen. „Sie wandte sich entschieden gegen jede Form der Ausgrenzung und legte die Grundlage für die erfolgreiche HIV-Prävention in Deutschland.“

Süssmuths Haltung sei durchweg geprägt gewesen von Empathie, Respekt vor dem Individuum und von Nächstenliebe, fügte Klöckner hinzu. „Diese Haltung wurzelte in ihrem katholischen Glauben. Rita Süssmuth zog zeitlebens Kraft aus ihrem besonderen Verhältnis zu Gott.“

Engagement aus ganzem Herzen

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, würdigte Süssmuth „als engagierte Christin und herausragende Politikerin“. Ihr Engagement aus ganzem Herzen sei ebenso vorbildlich wie überzeugt gewesen vom christlichen Menschenbild, schrieb er in einem Kondolenzschreiben an Bundestagspräsidentin Klöckner. Die Katholikin habe Politik verständlich gemacht und Verantwortung mit Haltung verbunden.