Lichtfest Leipzig erinnert an friedliche Revolution 1989
Leipzig (epd). In Leipzig ist am Freitag mit zahlreichen Veranstaltungen der 37. Jahrestag der friedlichen Revolution in der DDR gefeiert worden. An einem Friedensgebet in der Nikolaikirche nahmen rund 1.000 Menschen teil. Im Anschluss rief die deutsch-amerikanische Politikwissenschaftlerin Cathryn Clüver Ashbrook in ihrer „Rede zur Demokratie“ zum engagierten Einsatz für Demokratie und Freiheit auf.
„Die liberalen Demokratien sind angezählt, sie sind zum Teil bis ins Mark verletzt“, sagte Ashbrook in der Leipziger Nikolaikirche. Es gelte einmal mehr, die Errungenschaften des Herbstes 1989 zu verteidigen. Noch deutlicher als zuvor verlange der Moment auch, dass jüdisches Leben geschützt werde. Für die Demokratie brauche es jetzt „den kollektiven Mut und die Einzelanstrengung mehr denn je“.
Die Zäsur der Wahl in Sachsen-Anhalt und andere aktuelle politische Entwicklungen wie etwa das vorläufige Ende einer Volkspartei in Mecklenburg-Vorpommern müssten reichen, um zu erkennen, dass der Nährboden, auf dem Ängste gedeihen, die Schwächung der liberalen Demokratie erst ermöglicht. Ashbrook ist Expertin für US-Politik und internationale Beziehungen und gilt als eine der profiliertesten transatlantischen Stimmen der Gegenwart.
Lichtfest mit Kunst und Kerzen
Am Abend fand in der Innenstadt das „Lichtfest Leipzig“ statt. Entlang eines „Lichtwegs“ von der Nikolaikirche zur ehemaligen Stasi-Zentrale am Matthäikirchhof waren trotz des anhaltenden Regens Installationen, Musik und Tanz zu erleben. Auf der Grimmaischen Straße präsentierte das Archiv Bürgerbewegung Leipzig zehn großformatige Fotomotive aus dem Jahr 1989. Auf die Fassade des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig wurden Archivporträts von Menschen projiziert, die an den Ereignissen im Herbst 1989 beteiligt waren.
Traditionell wird zum Lichtfest eine Kerzen-Installation in Form einer 89 aufgestellt. Sie steht symbolisch für das Revolutionsjahr 1989. Besucherinnen und Besucher entzündeten Kerzen und hielten einen Moment inne. Zeitzeuginnen und Zeitzeugen berichteten auf einer Bühne an der Thomaskirche über ihre Erfahrungen im Herbst 1989. Dabei ging es unter anderem um die damals viel diskutierte Frage „Bleiben oder gehen?“.
Am 9. Oktober 1989 demonstrierten in Leipzig mehr als 70.000 Menschen. Der Massenprotest gilt als entscheidende Wegmarke der Herbstrevolution in der DDR. Wenige Wochen später fiel die Berliner Mauer.
Einheitsdenkmal soll bis 2029 entstehen
In Leipzig soll bis 2029 auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz ein Freiheits- und Einheitsdenkmal entstehen. Der Grundstein dafür war im vergangenen Jahr gelegt worden. Geplant ist ein Park mit etwa 50 weißen Bannern, Fahnen und Transparenten aus Edelstahl, die an die friedliche Revolution vom Herbst 1989 erinnern.
Die Leipziger Nikolaikirche war in den 1980er Jahren ein Zentrum der DDR-Friedensbewegung. Im Herbst 1989 versammelten sich jeden Montag Menschen nach einem Friedensgebet auf dem Kirchhof. Seit vielen Jahren erinnert dort ein Denkmal an die Ereignisse von 1989 und die Rolle der Kirchen.