Schritte der Versöhnung

EKD und Polnischer Ökumenischer Rat feiern in Warschau gemeinsamen Gottesdienst zum Gedenken an den Beginn des 2. Weltkrieges

Die Trinitatiskirche in Warschau, links im Hintergrund der Kulturpalast

Der ökumenische deutsch-polnische Gottesdienst zum Gedenken an den Beginn des Zweiten Weltkrieges wird am 31. August in der Trinitatiskirche in Warschau gefeiert. (Foto: Wikimedia Commons/Alberto aus Tres Cantos, Spain/España [CC BY 2.0])

80 Jahre nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen am 1. September 1939 werden Polen und Deutsche in einem ökumenischen Gottesdienst am Sonnabend, 31. August 2019, um 15 Uhr in der Trinitatiskirche in Warschau gemeinsam des Beginns des Zweiten Weltkriegs gedenken. Die stellvertretende Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Beauftragte des Rates der EKD für die deutsch-polnischen Beziehungen, Präses Annette Kurschus, und der Präsident des Polnischen Ökumenischen Rates, Bischof Jerzy Samiec, werden in diesem Gottesdienst predigen.

„80 Jahre liegt der deutsche Überfall auf Polen zurück – und mit ihm der Beginn des Zweiten Weltkriegs. Unsägliches Leid ist damals von unserem Land ausgegangen. Wir bekennen uns offen und aufrichtig zu dieser Schuldgeschichte und ebenso zur Verantwortung, die uns daraus zuwächst“, sagt Präses Kurschus. „Nach den Jahren der Gewalt, des Leidens und des Schweigens auf beiden Seiten bin ich dankbar für die Schritte der Versöhnung, die wir aufeinander zu und gemeinsam mit unseren polnischen Nachbarn gehen durften. Das ist alles andere als selbstverständlich“, so die stellvertretende Ratsvorsitzende weiter.

Mit Hoffnung in die Zukunft blicken

Auch Bischof Samiec hebt hervor, wie weit die Versöhnungsarbeit der EKD und des Polnischen Ökumenischen Rates mittlerweile ist: „Neben der Erinnerung an schwierige Ereignisse ist es uns wichtig zu bedenken, was dank des Einsatzes vieler Menschen im Rahmen der Versöhnung zwischen Polen und Deutschen erreicht worden ist. Ein Beispiel davon sind die Beziehungen zwischen den jungen Generationen beider Nationen: Zusammenarbeit, gegenseitiges Lernen und nicht selten Freundschaften zwischen jungen Deutschen und Polen. Dies ermöglicht es uns, mit Hoffnung in die Zukunft zu blicken und ein gemeinsames Bauen des künftigen Europas zu erwarten.“

Das aktuelle Verhältnis der Kirchen zueinander beschreibt Präses Kurschus: „Heute verbindet unsere Evangelische Kirche in Deutschland eine enge und vertrauensvolle Partnerschaft mit dem Polnischen Ökumenischen Rat. Gemeinsam werden wir unsere Kräfte einsetzen für den Frieden zwischen unseren Ländern und den Frieden in Europa.“

Immer wieder Impulse zur Versöhnung

An dem Gottesdienst werden auch Zeitzeugen teilnehmen und zu Wort kommen. Weiterhin werden der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK), Erzpriester Radu Constantin Miron, ein Vertreter der Polnischen Bischofskonferenz, ein Vertreter der polnischen Regierung oder des polnischen Staates sowie der deutsche Botschafter in Warschau erwartet.

Der Gottesdienst wurde initiiert und geplant vom Deutsch-Polnischen Kontaktausschuss. Dieses Begegnungs- und Beratungsgremium wurde 1974 zwischen dem Polnischen Ökumenischen Rat und der EKD – als ein Resultat der 1965 veröffentlichten EKD-Denkschrift „Die Lage der Vertriebenen und das Verhältnis des deutschen Volkes zu seinen östlichen Nachbarn“ („Ostdenkschrift“) – gegründet. Seitdem hat der Ausschuss immer wieder Impulse zur Versöhnung zwischen Deutschen und Polen gegeben.