Abendmahl

Im Abendmahl feiern Christinnen und Christen die Gemeinschaft mit Jesus Christus und die Gemeinschaft untereinander.

Beim Abendmahl kommen Christinnen und Christen zusammen und teilen miteinander Brot und Wein. Das hat eine besondere Bedeutung:

Als er beim letzten Abendmahl mit seinen Jüngern Brot und Wein reichte, sagte Jesus: „Dies ist mein Leib“ und „Dies ist mein Blut“. So erzählt es die Bibel (Mt 26,17–30; 1Kor 11,17–26). Er meinte damit, dass er über seinen bevorstehenden Tod hinaus in der Feier des Abendmahls mit den Jüngern verbunden bleiben werde. Er hat seinen Jüngern aufgetragen, das Abendmahl in dieser Weise weiter zu feiern.

Das Neue Testament überliefert zwei leicht voneinander abweichende Berichte vom Abendmahl. Die eine steht bei Mk 14,12–26/Lk 22,7–23 und die andere bei Mt 26,17–30/1Kor 11,17–26. Das Johannesevangelium berichtet nicht vom letzten Abendmahl, dafür aber von der Fußwaschung (Joh 13,1–20). Viele Stellen im Johannesevangelium verweisen aber auf das Abendmahl, zum Beispiel bei Joh 6,35. Die Worte, die Pfarrerinnen und Pfarrer bei der Feier des Abendmahls sprechen, die sogenannten Einsetzungsworte, gleichen im Großen und Ganzen der Version, wie Paulus sie in 1Kor 11,17–26 weitergegeben hat.

Wenn Christinnen und Christen heute das Abendmahl feiern, dann feiern sie, dass Jesus Christus auferstanden ist und bei ihnen ist. Viele Christinnen und Christen erleben in dieser Weise das Abendmahl als Stärkung für ihren Lebens- und Glaubensweg. In der evangelischen Kirche ist das Abendmahl eines der zwei Sakramente.

Mit dem Abendmahl sind viele biblische Bilder und Texte verbunden.

Paulus bezeichnet die Gemeinschaft der Christinnen und Christen als „einen Leib“ (vgl. 1Kor 12,12–14) oder auch direkt als Leib Christi (1Kor 12,27). Damit meint er, dass Christinnen und Christen durch das Abendmahl am Leben Jesu teilhaben. Das bedeutet, dass sie an dem Leben teilhaben, das den Tod überwindet und zu Gott führt. Paulus sagt damit auch, dass Christinnen und Christen eine Gemeinschaft sind, in der die Liebe Gottes lebendig ist (Eph 4,1–16). Die Feier des Abendmahls symbolisiert die Gemeinschaft der Christinnen und Christen, wie sie im Reich Gottes sein soll, wenn Gott die Welt neu gemacht hat. Von einem Festmahl im Himmel ist in vielen Geschichten der Bibel die Rede (zum Beispiel Mt 22,1–14, Lk 14,15–24, Lk 13,22–29). Das Abendmahl geht auf die jüdische Tradition des Passahmahles zurück. Jesus war Jude und hat mit seinen Jüngern das Passahmahl gefeiert. Ob das letzte Abendmahl allerdings wirklich ein Passahmahl war, wird in den Evangelien unterschiedlich dargestellt und ist deswegen unter Bibelforschern umstritten. Das Passahmahl erinnert an den Auszug des Volkes Israels aus Ägypten und die Befreiung aus der Sklaverei. Es ist also in ähnlicher Weise mit einem Heilserlebnis verbunden wie das Abendmahl. Dass Jesus den Wein als neuen „Bund in meinem Blut“ bezeichnet (1Kor 11,25; Lk 22,20), bezieht sich auf die Erneuerung des Bundes, den Gott mit dem Volk Israel geschlossen hat und der für alle Menschen offen steht.

In den ersten christlichen Gemeinden wurde das Abendmahl in Hausgemeinschaften gefeiert und mit einem gemeinsamen Abendessen verbunden. Heute feiern Christinnen und Christen das Abendmahl üblicherweise im Rahmen eines Gottesdienstes oder einer Andacht. Wie das Abendmahl gefeiert wird, ist je nach christlicher Kirche unterschiedlich. In den Landeskirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland wird das Abendmahl mit Brot und Wein gefeiert, in der katholischen Kirche bekommt die Gemeinde oft nur das Brot in Form einer Oblate gereicht, auch Hostie genannt. Es gibt auch ein unterschiedliches Verständnis, wie genau Brot und Wein als Leib und Blut Christi zu verstehen sind. Hauptsächlich dieses unterschiedliche Verständnis führte dazu, dass es unterschiedliche Konfessionen gibt, katholische, lutherische und reformierte.

In der katholischen Kirche heißt das Abendmahl Eucharistie (aus dem Griechischen für „Danksagung“) oder Kommunion (vom lateinischen communio für „Gemeinschaft“). Daher auch der Ausdruck „kommunizieren“ für „am Abendmahl teilnehmen“. Das Brot, meistens in Form von Oblaten, und der Wein werden von einem Priester „gewandelt“. Brot und Wein wandeln sich nach katholischem Verständnis in der Substanz zu Leib und Blut Christi, äußerlich bleiben sie natürlich Brot und Wein (Transsubstantiation). Deswegen dürfen nach der Feier die übrigen Oblaten nicht entsorgt werden. Sie werden im Tabernakel aufbewahrt. Das ist ein kleiner Schrank, der sich üblicherweise im Altarraum befindet. Oft trinkt nur der Priester aus dem Kelch, so lässt sich die Menge des Weins leichter anpassen und die Gefahr des Verschüttens ist geringer.

Martin Luther hat mit dieser Praxis gebrochen. Für ihn muss die „Wandlung“ von Brot und Wein in Leib und Blut Christi geglaubt werden (Konsubstantiation). Andere Reformatoren wie Zwingli und Calvin distanzierten sich noch weiter von der katholischen Praxis. Sie betonten die Worte „Dieses tut zu meinem Gedächtnis“ (Lk 22,19; 1Kor 11,24 und 25) und feierten das Abendmahl in erster Linie als Gedächtnismahl. Die Gemeinde gedachte beim Teilen von Brot und Wein an Jesu Gemeinschaft mit den Jüngern, sein Sterben und seine Auferstehung. Nach Calvin ist Christus bei der Abendmahlsfeier durch den Heiligen Geist präsent, aber nicht in Brot und Wein, sondern in der Gemeinschaft. 1973 einigten sich reformierte und lutherische Kirchen in der Leuenberger Konkordie zusammen mit anderen protestantischen Kirchen in Europa darauf, dass die unterschiedlichen Deutungen nicht länger kirchentrennend seien und Lutheraner wie Reformierte mit Zwinglis und mit Calvins Abendmahlsdeutung gemeinsam feiern können. Auf die Frage, wie genau Jesus Christus beim Abendmahl „präsent“, also anwesend ist, antworteten sie mit einer gemeinsamen Formel: „In Verkündigung, Taufe und Abendmahl ist Jesus Christus durch den Heiligen Geist gegenwärtig.“

Nach evangelischem Verständnis ist es Christus selbst, der zum Abendmahl einlädt. Paulus spricht in diesem Zusammenhang auch vom „Tisch des Herrn“ (1Kor 10,21). Deswegen sind in der Evangelischen Kirche in Deutschland grundsätzlich alle Getauften zum Abendmahl eingeladen, egal welcher christlichen Kirche sie angehören. In der katholischen Kirche dürfen offiziell nur katholische Christinnen und Christen am Abendmahl teilnehmen.

 

Weiterführende Inhalte und Links

  • Fragen

    Muss man getauft sein, um am Abendmahl teilzunehmen?

    Antwort: In der Regel ja. Die Taufe bedeutet die Aufnahme in die Gemeinschaft mit Jesus Christus. Um diese Gemeinschaft geht es bei der Feier des Abendmahls. Allerdings dürfen Menschen, die sich auf die Taufe vorbereiten, in vielen Gemeinden auch am Abendmahl teilnehmen. Zum Beispiel Konfirmanden, die noch nicht getauft sind, oder Erwachsene, die sich taufen lassen wollen.

    Wer darf das Abendmahl einsetzen?

    Antwort: Die sogenannte Verwaltung der Sakramente, also die Einsetzung des Abendmahls, gehört nach Festlegung der Confessio Augustana zu den Aufgaben von Pfarrerinnen und Pfarrern. Die Confessio Augustana ist die wichtigste Bekenntnisschrift für lutherische Kirchen. Der Auftrag, die Sakramente zu verwalten, wird heute von einigen Landeskirchen ausgeweitet auf Prädikanten mit gesonderter Ausbildung. Andere sollen also in der evangelischen Kirche nicht ohne weiteres das Abendmahl einsetzen, es sei denn im Notfall. Sie können jedoch immer ein „Agapemahl“ (agape, griechisch für Liebe) feiern. Bei einem Agapemahl teilt die Gemeinde auch Brot und Wein untereinander, allerdings ohne die Einsetzungsworte, die bei einem Abendmahl gesprochen werden. Die Einsetzungsworte sind die Worte Jesu beim letzten Abendmahl: „Dies ist mein Leib“ (Lk 22,19) und „Dies ist der neue Bund in meinem Blut“ (Lk 22,20).

  • Diskussion

    In der Leuenberger Konkordie haben lutherische und reformierte Kirchen 1973 ihren Streit um die Abendmahlslehre beigelegt. Damit haben sie erklärt, dass die unterschiedlichen Deutungen des Abendmahls sie nicht mehr voneinander trennen. Viele Gemeinden wünschen, dass möglichst viele Menschen am Abendmahl teilnehmen. Lange war es üblich, dass Kinder getauft wurden, doch erst nach ihrer Konfirmation am Abendmahl teilnehmen durften. So sollte sichergestellt werden, dass sie verstehen, worum es beim Abendmahl geht. Heute dürfen in vielen Gemeinden Eltern ihre getauften Kinder mit zum Abendmahl nehmen. Sie bekommen dann einen Kelch mit Traubensaft. Wenn sie noch zu klein sind, werden sie von der Pfarrerin oder dem Pfarrer gesegnet.

    Viele Gemeinden reichen einen Kelch mit Wein und einen mit Traubensaft. In der Einladung zum Abendmahl wird in der Regel gesagt, wann welcher Kelch ausgeteilt wird. So können auch Kinder, Schwangere und Alkoholkranke an der Gemeinschaft teilhaben. Einige Gemeinden haben aus praktischen Gründen entschieden, nur noch Traubensaft zu reichen. Ob Rot- oder Weißwein verwendet wird, ist nicht entscheidend. Aus hygienischen Gründen entscheiden sich viele Gemeinden mittlerweile für Einzelkelche, die aus einem großen Gießkelch gefüllt werden. Andere Gemeinden verwenden nach wie vor einen Gemeinschaftskelch, der während der Feier immer wieder gereinigt wird. Wem ein Gemeinschaftskelch zu unhygienisch ist, der kann die Oblate auch in den Wein eintauchen (Intinktio), statt aus dem Kelch zu trinken. Viele Gemeinden nehmen auch richtiges Brot.

    In den meisten Fällen feiern Gemeinden das Abendmahl in einem großen Kreis im Altarraum. Wenn viele Gottesdienstbesucher da sind, wird in mehreren Runden hintereinander gefeiert. In besonders großen Gottesdiensten wird auch in einer sogenannten Wandelkommunion gefeiert, wie es auch in der katholischen Kirche üblich ist. Dabei bildet die Gemeinde einen großen Zug an den spendenden Personen vorbei.

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