Hölle

Die Hölle – ist das die gerechte Strafe für Massenmörder, Sadisten und Gewaltherrscher?

Die Hölle galt in der christlichen Theologie lange als der Ort, an den die Verdammten im Anschluss kommen, wenn Gott am Jüngsten Tage Gericht über die Menschheit gehalten hat. Viele Altarbilder zeigen, wie die Gerechten in den Himmel emporgehoben und die Verdammten in die Feuer der Unterwelt hinabgezogen werden.

Das Bild der Hölle bedient sich aus der altorientalischen Vorstellung eines Totenreiches, in dem die Verstorbenen als Schattenwesen ihr Dasein fristen. „Nicht die Toten loben den HERRN, keiner, der hinunterfährt in die Stille“, heißt es in dem etwas älteren Psalm 115,17. Dass die Unterwelt nur den Bösen vorbehalten sei, davon ist hier noch nicht die Rede. Nach altorientalischen Vorstellungen war der Himmel auch nur den Göttern vorbehalten.

In jüngeren Psalmen klingt die Hoffnung an, das Totenreich sei nur für diejenigen bestimmt, die nicht an Gott glauben. „Die Frevler sollen zuschanden werden und verstummen im Totenreich“, heißt es in Psalm 31,18. Das Neue Testament knüpft an diese Vorstellung an und erweitert sie durch das strafende Feuer. Laut Matthäus 5,22 erklärt Jesus von Nazareth denjenigen „des höllischen Feuers schuldig“, der seinen Bruder „Du Narr!“ nennt. Dieser ethische Rigorismus setzt sich in Matthäus 18,8 fort: Es sei besser, die Hand, die einen verführe, abzuhacken, als mit zwei Händen ins „ewige Feuer“ geworfen zu werden. Und auf ihren letzten Kapiteln beschreibt die Offenbarung des Johannes [KC5] den Sturz des Teufels, den ebenfalls höllische Qualen erwarten: „Und der Teufel, der sie verführte, wurde geworfen in den Pfuhl von Feuer und Schwefel, wo auch das Tier und der falsche Prophet waren; und sie werden gequält werden Tag und Nacht, von Ewigkeit zu Ewigkeit.“

Für den Kirchenlehrer Origenes, der Ende des zweiten und Anfang des dritten Jahrhunderts nach Christus lebte, passte die Vorstellung einer ewigen Verdammnis nicht zur Güte Gottes. Er vertrat die Lehre der sogenannten Allversöhnung. Allerdings müssten die verworfenen Seelen zuvor in einem Fegefeuer geläutert werden. Dieses würde alle reinigen, zuletzt sogar den Teufel.

Für ihre Lehre vom Fegefeuer berief sich die mittelalterliche Kirche auf 1. Korinther 3,15: „Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden. Er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch.“ Die Reformatoren im 16. Jahrhundert lehnten diese Lehre ab. Der Sünder werde allein aus Glauben gerettet – durch Gottes Gnade. Keine andere Macht könne ihn vom Strafgericht befreien.

Weiterführende Inhalte und Links

  • Fragen

    Kommen Massenmörder, Sadisten und Gewaltherrscher in die Hölle?

    Antwort: Nach evangelischem Verständnis müssen sich alle Menschen irgendwann dem Gericht Gottes stellen. Dort werden alle Taten der Menschen vor Gott sichtbar werden, in all ihrer Tragweite. Das Urteil über jeden Einzelnen bleibt Gott vorbehalten. Christen werden im Neuen Testament aufgerufen, nicht über andere zu urteilen, sondern Gott das Urteil zu überlassen. Schon im Alten Testament heißt es: „Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an.“ (1. Samuel 16,7) Gleichzeitig verheißt die Bibel denen Gottes Gnade, die darauf vertrauen und sich in diesem Glauben zu ihrer Sünde bekennen.

  • Diskussion

    Im Apostolischen Glaubensbekenntnis heißt es, Jesus Christus sei „hinabgefahren in das Reich des Todes“. Diese Passage wird gelegentlich als „Höllenfahrt Christi“ gedeutet.

    In der Evangelischen Kirche in Deutschland wird diese Deutung des ursprünglich lateinischen Textes „descendit ad infernos“ abgelehnt. Nach evangelischem Verständnis bezieht sich diese Passage darauf, dass Jesus durch den Tod hindurchgegangen ist und in diesem Sinne „hinabgefahren in das Reich des Todes“ ist. Gemeint ist, dass Jesus Christus die Macht des Todes gebrochen hat, nicht aber, dass er einen bestimmten Ort aufgesucht hätte.

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