Jungfrauengeburt

Mit der Lehre von der Jungfrauengeburt wird ausgedrückt, dass Jesus Gottes Sohn war.

Die Jungfrauengeburt ist eine christliche Lehre. Mit ihrer Hilfe erklären sich Christinnen und Christen, warum Jesus nicht nur ein Mensch, sondern auch wirklich Gottes Sohn war. Der Lehre von der Jungfrauengeburt zufolge wurde Jesus nicht von einem Mann, sondern vom Heiligen Geist gezeugt (Mt 1,18). Maria, die Mutter von Jesus, konnte bei Jesu Geburt also noch Jungfrau sein. Jesus hingegen ist durch die Zeugung vom Heiligen Geist ein Mensch, der göttlich ist, da der Heilige Geist zu Gott gehört (Dreieinigkeit).

In der Antike war es durchaus üblich, die Lehre zu verbreiten, wichtige Personen seien direkt von Göttern gezeugt und geboren worden. Es war eine Legende, die der Legitimation diente. So ging man zum Beispiel davon aus, dass auch die Pharaonen von Gott gezeugt worden waren und somit göttlich waren.

Für Christen war es jedoch gerade nicht wichtig, Jesus zu überhöhen, sondern deutlich zu machen: Gott erniedrigt sich. Er kommt zu den Menschen auf die Erde. Er wird selbst Mensch. Im Johannes-Evangelium ist es so formuliert: „Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ (Joh 3,16)

Weiterführende Inhalte und Links

  • Fragen

    Wie geht man damit um, wenn man Schwierigkeiten mit der Jungfrauengeburt hat?

    Antwort: Mit dem Begriff der Jungfrauengeburt wird versucht, einen komplizierten Zusammenhang im christlichen Glauben deutlich zu machen: Jesus war zugleich Mensch und Gott. Das ist zunächst einmal unlogisch. Für den christlichen Glauben ist diese Aussage aber zentral. In ihr wird deutlich, wie groß das Heil und die Erlösung im christlichen Glauben sind. Es ist zudem einer der wesentlichen Unterschiede zu anderen Religionen, etwa dem Buddhismus: Nicht der Mensch muss versuchen, zu Gott zu kommen, sondern Gott selbst ist zu den Menschen gekommen. Er ist Mensch geworden, um den Menschen zu zeigen, wie sehr er sie liebt. Die Lehre von der Jungfrauengeburt ist für diese Aussage nur eine konstruierte Stütze.

    Hat die Lehre von der Jungfrauengeburt mit der Abwertung von Sex zu tun?

    Antwort: Viele christliche Frauen haben sich die „Jungfrau“ Maria zum Vorbild genommen und sind zum Beispiel in Klöster eingetreten, um enthaltsam zu leben. Viele glaubten, Gott auf diese Weise besonders gefallen zu können. Tatsächlich ist ja mit dem Gedanken der Jungfrauengeburt verbunden, dass Jesus göttlich war. Das bedeutet auch, dass Christinnen und Christen sagen, dass er „ohne Sünde“ war. Allerdings hat die Sünde mit dem Menschsein an sich zu tun und nicht mit Sexualität. Das, was Menschen aus ihrem Leben machen, ist oft falsch, aber: Sex ist keine Sünde. Er ist vielmehr von Gott gewollt, der gesagt hat: „Seid fruchtbar und mehret euch“. (Gen 1,28)

    Was ist mit Maria: Hat sie auch für evangelische Christen eine Bedeutung?

    Antwort: Dass Maria in der evangelischen Kirche weniger bedeutsam ist als in der katholischen, liegt vor allem am Stellenwert, den Jesus Christus für evangelische Christen hat. Zu den Grundsätzen der Reformation gehört, dass „allein Jesus Christus“ (lateinisch solus Christus) den Menschen das Heil gebracht hat.

    Deshalb haben Heilige in der evangelischen Kirche an Bedeutung verloren. Maria gilt natürlich auch für evangelische Christen weiterhin als Mutter Gottes, also als eine ganz besondere Frau. Aber im Vordergrund steht Jesus Christus. Evangelische Christinnen und Christen gehen davon aus, dass jeder Mensch einen direkten Zugang zu Gott hat und dass es keiner Heiligen bedarf, um ihre Bitten vor Gott zu bringen. Deshalb beten Christen in der evangelischen Kirche nicht mehr zu Heiligen – auch nicht zu Maria. Trotz alledem haben gerade Theologinnen in den letzten Jahrzehnten Maria und die anderen Frauen in der Bibel wiederentdeckt. Diese biblischen Frauen haben viel bewegt und können weibliche Identifikationsfiguren sein in einer männlich dominierten biblischen Welt.

  • Diskussion

    Die Jungfrauengeburt ist Teil des Apostolischen und des Nizänischen Glaubensbekenntnisses. Die beiden Bekenntnisse werden oft in den evangelischen Gottesdiensten in Deutschland gesprochen. Das sind sehr alte Texte, die bis in die ersten Jahrhunderte der Kirche zurückgehen. Mit der Zeit begannen Christinnen und Christen, die Inhalte der Glaubensbekenntnisse infrage zu stellen. Im 19. Jahrhundert gab es den sogenannten Apostolikumsstreit. Einige Pfarrer in Berlin weigerten sich, bei Taufen und anderen Anlässen das Apostolische Glaubensbekenntnis zu sprechen. Der Theologe Adolf Harnack äußerte Verständnis dafür: Ein „gebildeter“ Christ müsse Anstoß an mehreren Sätzen des Apostolikums nehmen. Er forderte die Formulierung eines zeitgemäßen Bekenntnisses.

    Der Evangelische Oberkirchenrat – das Leitungsgremium der evangelischen Kirche in Preußen – beschloss daraufhin, am Apostolikum festzuhalten, aber nicht aus „jedem Einzelstück“ ein „starres Lehrgesetz“ zu machen. Seit diesem Streit gibt es immer wieder Forderungen, ein neues Bekenntnis zu formulieren. Ein Beispiel für ein neues Bekenntnis ist die Barmer Theologische Erklärung von 1934, in der sich evangelische Theologen gegen den Nationalsozialismus wandten. Ein neues Bekenntnis für den Gebrauch im Gottesdienst gibt es aber nicht, hier hält die Evangelische Kirche in Deutschland am Apostolischen Glaubensbekenntnis fest, weil es die längste Tradition hat. Natürlich ist aber jeder Christ frei, für sich eine ganz persönliche Antwort darauf zu finden, was es für ihn bedeutet, dass Gott Mensch geworden ist.

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