Demokratie unter Druck: Vor allem junge Menschen erwarten Engagement von Kirche
Aktuelle Civey-Umfrage zeigt Erwartungen an die gesellschaftliche Rolle der Kirche
Die Sorge um die Demokratie ist derzeit groß: 70 Prozent der Menschen in Deutschland sehen sie aktuell als stark oder eher stark gefährdet. Das zeigt eine repräsentative Civey-Umfrage im Auftrag der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Zugleich hält es eine Mehrheit der Befragten für wichtig, dass sich die evangelische Kirche für den Schutz der Demokratie einsetzt. Besonders gefragt sind Begegnung und gesellschaftlicher Zusammenhalt vor Ort. Vor allem junge Menschen erwarten demokratisches Engagement von Kirche.
Rund 54 Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus, dass sich die evangelische Kirche für Demokratie und demokratische Werte engagiert. Besonders bemerkenswert: Unter den 18- bis 29-Jährigen halten 65 Prozent ein solches Engagement der Kirche für wichtig. Damit liegt die Zustimmung in der jüngsten Altersgruppe deutlich über dem Bevölkerungsdurchschnitt. Das zeigt, dass auch jüngere Menschen Erwartungen an die gesellschaftliche Verantwortung der Kirche haben.
Kirche als Ort des Dialogs
Eine wichtige Rolle spielt dabei der Austausch zwischen Menschen mit unterschiedlichen Überzeugungen. 68 Prozent der Befragten befürworten, dass die evangelische Kirche ihre Räume für Gespräche zwischen Menschen unterschiedlicher politischer Meinungen öffnet. Nur 20 Prozent sprechen sich dagegen aus.
Der Blick richtet sich dabei besonders auf die Arbeit vor Ort. Auf die Frage, wo die Kirche die stärksten Möglichkeiten hat, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern, nennen 38 Prozent die Kirchengemeinden. 22 Prozent sehen eine wichtige Möglichkeit im Schutz schwacher und benachteiligter Menschen, 20 Prozent in Gottesdiensten und Gebeten.
Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung lokaler kirchlicher Arbeit: Dort, wo Menschen einander begegnen, unterschiedliche Sichtweisen kennenlernen und gemeinsam Verantwortung übernehmen, kann gesellschaftlicher Zusammenhalt wachsen.
Historische Erfahrungen prägen Erwartungen
Dass Kirche gesellschaftliche Veränderungen mitgestalten kann, zeigt auch der Blick auf die deutsche Geschichte. 49 Prozent der Befragten schreiben der evangelischen Kirche eine große oder eher große Rolle bei der Friedlichen Revolution in der DDR im Herbst 1989 zu. Unter den über 65-Jährigen sind es sogar 65 Prozent. Bei den unter 40-Jährigen liegt dieser Anteil bei jeweils 40 Prozent.
Die Umfrage macht damit deutlich: Die gesellschaftliche Rolle der Kirche ist für viele Menschen auch mit historischen Erfahrungen verbunden. Gleichzeitig gibt es Erwartungen an ihr heutiges Engagement für Demokratie und Zusammenhalt.
Die Ergebnisse bilden einen Anknüpfungspunkt für die Beratungen der EKD-Synode unter dem Thema „Gemeinsam weiter – Kirche als Werkstatt für Demokratiebildung und intergenerationales Lernen als Ausdruck gelebten Glaubens“. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Kirche Menschen unterschiedlicher Generationen und Überzeugungen zusammenbringen und demokratisches Miteinander im Alltag stärken kann.
Zur Umfrage: Civey befragte vom 20. bis 23. Oktober 2026 im Auftrag der EKD rund 5.000 Bundesbürgerinnen und Bundesbürger ab 18 Jahren. Die Ergebnisse wurden repräsentativ gewichtet. Der statistische Fehler der Gesamtergebnisse wird mit 2,5 Prozentpunkten angegeben.