Evangelische Kirche bekräftigt Abgrenzung zur AfD

Bei ihrer Jahrestagung beschäftigt sich die evangelische Kirche mit den Angriffen auf die Demokratie. Sie selbst zieht eine klare Grenze zu Rechtsaußen, konkret zur AfD. Völkischer Nationalismus sei mit der biblischen Botschaft nicht vereinbar.

Präses Heinrich und Ratsvorsitzende Fehrs bei der Pressekonferenz der EKD-Synode in Würzburg

Würzburg/Hamburg (epd). Die evangelische Kirche hat ihre Ablehnung von Positionen der AfD bekräftigt. „Wahlerfolge verändern vielleicht Machtverhältnisse - aber sie ändern nichts an der Unvereinbarkeit von Menschenfeindlichkeit mit dem Evangelium“, sagte die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kirsten Fehrs, am Sonntag in Würzburg. Dort startete die Jahrestagung der Synode der EKD, die sich im Schwerpunkt mit dem Thema Demokratie beschäftigt. Man werde Feinden der liberalen Demokratie nicht das Feld überlassen, sagte die Hamburger Bischöfin.

„Wir stehen unbeirrt ein für Menschenwürde, Freiheit und Zusammenhalt“, sagte Fehrs. Völkischer Nationalismus und Antisemitismus seien mit der biblischen Botschaft nicht vereinbar. Sie nannte die AfD zwar nicht beim Namen, ließ aber mit dem Verweis, dass eine in Teilen als rechtsextrem eingestufte Partei erstmals nach mehr als 80 Jahren einen Parlamentspräsidenten stelle, keinen Zweifel daran, dass sie sie AfD meinte. In Sachsen-Anhalt war nach dem Wahlerfolg der AfD ein Vertreter der Partei, Tobias Rausch, zum Landtagspräsidenten gewählt worden.

Fehrs: Menschenverachtende Haltungen nicht in Ämtern der Kirche

Die EKD-Ratsvorsitzende äußerte auch Sympathie dafür, dass staatliche Stellen ein AfD-Verbotsverfahren prüfen. Ob die EKD darüber hinaus ausdrücklich für ein Verbotsverfahren eintrete, ließ sie offen und verwies auf die bevorstehende Debatte bei der Synodentagung.

Fehrs forderte auch Konsequenzen aus der AfD-kritischen Haltung für die Besetzung von Ämtern und Funktionen in der Kirche. „Wer menschenverachtende Haltungen öffentlich vertritt, kann nicht gleichzeitig glaubwürdig für die Kirche sprechen und sie in Ämtern und Funktionen unserer Kirche vertreten“, sagte Fehrs. Vor Journalistinnen und Journalisten konkretisierte sie, man müsse unterscheiden zwischen Haltungen und Äußerungen von Menschen sowie zwischen bloßer Parteimitgliedschaft und Funktionären der Partei. Eine „Gesinnungskontrolle“ dürfe es nicht geben.

Die Präses der EKD-Synode, Anna-Nicole Heinrich, sieht die Demokratiefrage nach eigenen Worten auch als Frage der Generationengerechtigkeit. Mit Blick auf die jüngsten Jugendproteste sagte sie, es melde sich eine Generation, die sich große Sorgen um die Zukunft mache. Es gehe um Bildungschancen, bezahlbares Leben, Klimaschutz und persönliche Sicherheit.

Zentralratspräsident fordert von Kirche Widerspruch bei Antisemitismus

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, forderte in seinem Grußwort an die Synodalen dazu auf, verächtlichen Bemerkungen und einer Diskriminierung von Jüdinnen und Juden zu widersprechen. Man dürfe nicht warten, bis jemand anders den Anfang mache, sagte er. „Wer den Mund aufmacht, macht es dem nächsten leichter, es ebenfalls so zu tun.“

Der katholische Würzburger Bischof Franz Jung rief zu mehr gemeinsamen Engagement gegen gesellschaftliche Polarisierung auf. „In dieser Situation müssen die christlichen Kirchen dazu beitragen, verbindende Kräfte zu stärken, um ein immer weiteres Auseinanderfallen der Gesellschaft zu verhindern“, sagte Jung vor den Synodalen.

Die Synode der EKD ist neben Rat und Kirchenkonferenz eines der drei Leitungsorgane der EKD. Sie beschließt unter anderem den Haushalt und Kirchengesetze.

Corinna Buschow und Franziska Hein (epd)