Europa - Informationen Nr. 159

„Europe for Culture“: Europäischer Rahmenplan für Maßnahmen zum Kulturerbe vorgestellt

Susanne Wander (Beraterin für EU-Förderpolitik und -projekte)

Am 7. Dezember 2018 hat die Europäische Kommission im Rahmen der Abschlusskonferenz „Europa für Kultur“ zum Europäischen Jahr des Kulturerbes 2018 (siehe EKD-Europa-Informationen Nr. 156) in Wien den Europäischen Rahmenplan für Maßnahmen zum Kulturerbe veröffentlicht. Aufbauend auf dem Erfolg des Europäischen Jahres des Kulturerbes, an dem über 6 Millionen Menschen in mehr als 11.700 Veranstaltungen in 37 Ländern europaweit teilgenommen haben, soll der neue Rahmenplan über die kommenden zwei Jahre konkrete Maßnahmen umfassen, um sicherzustellen, dass dieser Erfolg auch über 2018 hinaus fortbesteht.
Der Rahmenplan ist in fünf thematische Bereiche aufgeteilt, unter denen insgesamt 60 Maßnahmen durchgeführt werden sollen. In dem Bereich „Kulturerbe für ein inklusives Europa“ soll weiterhin das Europäische Kulturerbe-Siegel verliehen werden und zusätzlich ab 2019 unter dem Kulturförderprogramm die Vernetzung der mit dem Kulturerbe-Siegel ausgezeichneten Stätten gefördert werden. Außerdem soll die Verwendung von Instrumenten zur Kulturguterziehung in Schulen untersucht und Jugendliche weiterhin unter dem Europäischen Solidaritätskorps in Maßnahmen zum Kulturerbe involviert werden. Neu eingeführt werden soll ab 2019 das „#WeareEuropeForCulture“-Projekt, welches temporäre Ausstellungen über persönliche Geschichten und Gegenstände, die eine Verbindung zum Kulturerbe haben, in öffentlichen Räumen fördern soll.
Der Bereich „Kulturerbe für ein nachhaltiges Europa“ beinhaltet die zweite Ausgabe des „Monitors für kulturelle und kreative Städte“, ein interaktives Online-Tool, das es Städten ermöglichen soll beim Management von Kulturstätten voneinander zu lernen. Des Weiteren soll unter dem neuen Forschungsförderprogramm „Horizont Europa“ eine neue Arbeitsgruppe zur Beratung von Städten in der Umnutzung von Kulturerbestätten in Übereinstimmung mit Kreislaufwirtschaftsmodellen ge-schaffen werden. Hier wurden im Rahmen des Europäischen Jahres des Kulturerbes vor allem in der Umnutzung des religiösen, industriellen und militärischen Kulturerbes bereits wichtige Erfahrungen gesammelt, die nun auf andere Bereiche (z.B. ehemalige Schulen oder Krankenhäuser) übertragen werden sollen. Darüber hinaus wird die Auszeichnung der Europäischen „Tourismushauptstädte“ („European Capital of Smart Tourism“) eingeführt, welche 2019 zum ersten Mal vergeben wird.
Unter dem Titel „Kulturerbe für ein resilientes Europa“ sollen der Kampf gegen den illegalen Handel mit Kulturgütern sowie die Qualität des Managements von Europas Kulturstätten weiter ausgebaut und die Erdbeben-Widerstandsfähigkeit von historischen Gebäuden verbessert werden.
Der Bereich „Kulturerbe für ein innovatives Europa“ sieht eine stärkere Verknüpfung von Kulturerbe mit dem Forschungssektor vor. So sollen in diesem Bereich die Daten des EU-Erdbeobachtungsprogramms Copernicus, die z.B. Aufschluss über die Bedrohung von Kulturerbestätten durch Luftverschmutzung oder Naturkatastrophen geben können, bei der Festlegung von Politikzielen für die Erhaltung von Kulturerbe genutzt werden. Außerdem sollen innovative Geschäftsmodelle für das Management von historischen Häusern, die familiengeführt sind, erforscht und weiterhin Fähigkeiten, Kompetenzen und Wissenstransfer im Kulturerbesektor gefördert werden (unter anderem im Rahmen des „Erasmus+“-Programms).
Der fünfte thematische Bereich „Kulturerbe für stärkere globale Partnerschaften“ bezieht sich auf die Stärkung internationaler Zusammenarbeit im Umgang mit und der Erhaltung von Kulturerbe. Hier sollen in den südlichen und östlichen Nachbarländern der EU und in den Westbalkanländern verschiedene Projekte durchgeführt werden, darunter unter anderem unter dem derzeitigen Forschungsförderprogramm „Horizont 2020“ ein internationales Netzwerk für Innovation und Diplomatie im Bereich des Kulturerbes.
Der Rahmenplan sieht ebenfalls die Gründung eines Forums für Kulturerbe vor, welches sich aus Vertretern der Europäischen Institutionen, EU-Mitgliedstaaten, europäischen Kulturerbe-Netzwerken und internationalen Organisationen zusammensetzt. Dieses Forum soll ab 2019 mindestens einmal im Jahr zusammenkommen und als eine Plattform für Beratung zu und Austausch von bewährten Praktiken für nachhaltige und partizipatorische Kulturerbepolitik in Europa fungieren.

Mehr Informationen zum europäischen Rahmenplan für Maßnahmen zum Kultrerbe finden Sie unter folgendem (derzeit nur auf Englisch verfügbarem) Link: http://bit.ly/ekd-NL-159_JBuK-7

Nächstes Kapitel