Heil

Gott wird einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, die von Heil erfüllt sein werden.

„Heil sein“ meint viel mehr, als unversehrt zu sein. Heil sein bedeutet, nicht nur am Körper, sondern auch an Geist und Seele gesund zu werden. Das Heil für die ganze Schöpfung ist die Hoffnung der Christenheit. Dass Wunden heilen, Menschen sich versöhnen und Leid sich in Freude verwandelt, all dies verbinden Christinnen und Christen mit Gottes Handeln und sie erwarten die Erfüllung all dessen im Reich Gottes (Offb 21,3–4). Gott wird einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, die von Heil erfüllt sein werden (2Petr 3,13; Offb 21,1; Offb 21,5). Mit dieser neuen Welt ist aber nichts Jenseitiges gemeint, sondern ein Prozess, in dem Gott die Welt heil macht. Das hat Jesus gemeint, als er sagte, dass das Reich Gottes bereits angebrochen ist und wie ein Senfkorn wachsen wird, bis es vollendet ist (Lk 13,19).

Im Hebräischen, der Sprache des Alten Testaments, sind es vor allem die Worte ṣědāqâ für Gerechtigkeit und šālôm für Frieden, die im Deutschen mit Heil übersetzt werden. Sie machen in besonderer Weise deutlich, dass heil sein über die körperliche Unversehrtheit hinausgeht. In Gottes Reich werden Frieden und Gerechtigkeit herrschen. Das griechische Wort für Heil im Neuen Testament, sōtēria (Rettung), von dem auch die Bezeichnung für Jesus als sōtēr (Retter) kommt, betont noch etwas anderes: Menschen können sich das Heil für ihren Leib, ihre Seele und die Welt nicht selber geben. Es kann nur von Gott kommen.

Weiterführende Inhalte und Links

  • Fragen

    Wie viel Heil ist schon da?

    Antwort: Die Botschaft von Jesus war, dass das Reich Gottes angebrochen ist. Es ist also schon etwas von dem Heil sichtbar, was Gott für die Welt vorgesehen hat. In dem, was Jesus gesagt hat, und in der Tatsache, dass er gestorben und auferstanden ist, sehen Christinnen und Christen ein Versprechen Gottes: Ich lasse euch nicht allein, ihr habt einen Platz bei mir in Ewigkeit. Diesen Horizont des Heils haben Christinnen und Christen vor Augen bei allem, was sie tun. Sie wissen, dass das Heil noch nicht vollständig ist, es aber vollständig werden wird. Paulus sagt dies an zwei Stellen im Neuen Testament so:

     „Nicht, dass ich's schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich's wohl ergreifen könnte, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin.“ (Phil 3,12)

    „Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunklen Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin.“ (1Kor 13,12)

  • Diskussion

    Es gibt im Christentum unterschiedliche Vorstellungen davon, für wen das Heil bestimmt ist. Die einen gehen davon aus, dass nur einige das Heil Gottes erfahren werden, die anderen, dass das Heil Gottes allen Menschen gilt. Das Neue Testament spricht an vielen Stellen davon, dass sich beim Gericht zeigt, wer auserwählt ist und wer verworfen wird (Mt 24,29–31; Mt 25,33). Viele christliche Gemeinschaften haben strenge Vorstellungen davon, wie Christinnen und Christen sein müssen, damit sie zu den Auserwählten gehören. Dementsprechende Regeln gibt es in christlichen Sondergruppen wie den Mormonen und den Zeugen Jehovas und in einigen Freikirchen. Auch in Landeskirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland gibt es Christinnen und Christen, die in dieser Tradition stehen. Sie geht auf den mittelalterlichen Theologen Augustinus und auf den Reformator Johannes Calvin zurück. Beide sagten, dass Menschen zum Heil und zur Verdammnis „prädestiniert“, also vorherbestimmt, seien. In der Folge wurde diese Lehre so verstanden, dass man nicht nur an der Lebensweise von Menschen sehen kann, ob sie zu den Auserwählten gehören, sondern auch, dass man sich die Erwählung mit seiner Lebensweise verdienen kann.

    Es gibt eine andere große Strömung im Christentum, die nicht davon ausgeht, dass Menschen erwählt oder verworfen werden, sondern dass das Heil Gottes allen Menschen gilt. Diese Vorstellung geht auf Origenes zurück. An ihr knüpfen in neuerer Zeit zum Beispiel Friedrich Schleiermacher, Karl Barth und Jürgen Moltmann an. Sie vertreten die Überzeugung: Eine ewige Verdammung von Menschen kann nicht mit dem Gott in Verbindung stehen, der sein Volk Israel immer wieder aus der Not befreit hat. Sie passt nicht mit dem Gott zusammen, der seine Schöpfung und seine Geschöpfe liebt. Und sie verträgt sich nicht mit Jesus, der keinen Menschen verdammte, sondern die Menschen geheilt hat und auf die Sünder zugegangen ist. Christinnen und Christen, die an die sogenannte Allversöhnung glauben, berufen sich auf Paulus. Bei Paulus ist das, was im Leben Jesu, in seinem Sterben und in seiner Auferstehung geschehen ist, eine universale Rettung. Sie gilt allen Menschen.

    Eine der wichtigsten Bibelstellen für die sogenannte Allversöhnungslehre ist Röm 5,10. Dort spricht Paulus davon, dass das Heil Gottes auch dann gilt, wenn sich die Menschen zu „Feinden“ Gottes machen. In Röm 5,20 sagt er, dass die Gnade Gottes größer ist als alles, was Menschen gegen ihn machen können. In Röm 8,18–25 spricht Paulus davon, dass Gott die gesamte Schöpfung vor der Vergänglichkeit bewahren wird. In Röm 11,32 geht es darum, dass Gott sich aller Menschen erbarmen wird. In 1Kor 15,20–28 und 1Kor 15,54–57 spricht Paulus vom universalen Sieg über alles, was die Menschen von Gott trennt, und davon, dass am Ende Gott „alles in allem“ sein wird (1Kor 15,28). In Kol 1,20 schließlich steht, dass Christus alle Menschen mit Gott versöhnt.

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