Engel

In der Begegnung mit Engeln spüren Menschen, dass Gott bei ihnen ist.

Engel sind Boten Gottes. Die Bibel berichtet, dass Engel um den Thron Gottes versammelt sind. Sie kommen zu den Menschen, um ihnen Gottes Botschaften zu überbringen. Das hebräische Wort malak, das für „Engel“ steht, bedeutet Bote. Das deutsche Wort „Engel“ leitet sich vom griechischen Wort für Bote, angelos, ab. Engel handeln in der Bibel in Gottes Sinne und schützen Menschen in Gefahren. Sie zeigen den Menschen, dass Gott bei ihnen ist. Auf diese Weise erfahren viele Menschen auch heute Gottes Gegenwart. Besonders im Alten Testament gibt es viele Geschichten über Engel.

Im Alten Testament begegnen Engel vor allem wichtigen Personen, wie Abraham, Mose und Elia (Gen 22,11; Ex 3,2; 2 Kön 1,15). Meistens überbringen sie ihnen direkte Botschaften von Gott. Engel können aber auch konkrete Dinge tun, zum Beispiel sind es Engel, die den Löwen die Mäuler verschließen, als Daniel zu ihnen in die Grube geworfen wird (Dan 6,23). Die Psalmen beschreiben Erfahrungen von Menschen, die von Gott geschützt werden, als Engelserfahrungen: „Der Engel des HERRN lagert sich um die her, die ihn fürchten, und hilft ihnen heraus“ (Ps 34,8). Und: „Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen“ (Ps 91,11). Eine andere Aufgabe der Engel ist es, Gott im Himmel zu loben (Ps 103,20; 148,2). In der Antike entstand im Judentum innerhalb einiger Strömungen eine sehr umfangreiche Engellehre, vor allem in jüdischen Schriften außerhalb der hebräischen Bibel, also außerhalb des Alten Testaments. In diesen Schriften gibt es verschiedene Klassen von Engeln, wie Serafim, Kerubim und Ofannim. Es gibt auch besonders wichtige Engel, wie Michael, Gabriel, Rafael und Uriel. Die Leute stellten sich vor, dass Engel die Gestirne und den Lauf der Zeit lenkten und Einsicht hätten in die Weisheit und in die Geschichte.

Im Neuen Testament ist vor allem eine Vorstellung wichtig: Christus wird zum Herrscher über die gesamte Schöpfung, also auch über den Himmel und die Engel. Er hat die Gottesferne der Menschen beendet. In ihm ist Gott selbst zu den Menschen gekommen. Mit seiner Auferstehung kommt die Zusage Gottes, dass die Schöpfung nicht verlorengehen wird, sondern dass Gott in Ewigkeit für sie sorgen wird und sie in sein großes Reich, das Reich Gottes, verwandeln wird. Das tut er durch Jesus Christus, der im Matthäusevangelium sagt: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden“ (Mt 28,18) Engel bringen im Neuen Testament diese Botschaft zu den Menschen.

Die Engel dienen Jesus, so steht es zum Beispiel in der Geschichte von seiner Versuchung in der Wüste (Mk 1,13). Mit seiner Auferstehung wird Christus dann zum Herrscher über alles (Eph 1,20; Kol 2,10). In Kol 1,16 steht Christus sogar von Anfang an über der gesamten Schöpfung. Engel treten in den Texten des Neuen Testaments auf, um diese frohe Botschaft zu verkünden. Sie verkünden Maria, schwanger zu sein. Sie kommen zu den Hirten auf dem Feld und sagen ihnen, dass Jesus geboren ist. Schließlich verkündet ein Engel den Frauen am Grab, dass Jesus auferstanden ist. Die Vorstellung, dass Engel bei den Menschen sind, die an Gott glauben, gibt es aber im Neuen Testament weiterhin. So ist zum Beispiel in Mt 18,10 davon die Rede, dass alle Kinder einen Engel im Himmel haben, und es sind Engel, die zum Beispiel Paulus und die anderen Apostel aus dem Gefängnis befreien (Apg 5,19[KC6] ; Apg 12,7).

Zur Zeit der frühen Kirche und im Mittelalter beschäftigten sich christliche Theologen auf unterschiedliche Weise mit Engeln. 

Dionysius Aeropagita zum Beispiel entwickelte in seinem Werk „Die himmlische Hierarchie“ eine Engellehre, die er mit der Dreieinigkeit Gottes verband. Gott dem Vater werden zum Beispiel Kerubim und Serafim zugeordnet, die nach biblischer Darstellung den Thron Gottes tragen. Gott, dem Sohn, werden die „Mächte“, „Herrschaften“ und „Gestalten“ zugeordnet und Gott, dem Heiligen Geist, die „Engel“, „Erzengel“ und „Prinzipien“.

Augustinus entwarf in einer seiner Hauptschriften, „De civitate Dei“, einen Kampf der Mächte des Lichts und der Mächte der Finsternis. Die Mächte der Finsternis sind „gefallene Engel“, also Engel, die gesündigt haben. Sie versuchen, von den Menschen Besitz zu ergreifen. Die „guten“ Engel wiederum versuchen, das zu verhindern.

Für die Reformatoren wie Martin Luther und Johannes Calvin war die Existenz von Engeln ebenfalls selbstverständlich, allerdings rückten andere Aspekte, wie die Rechtfertigung des Menschen durch Jesus Christus, in den Vordergrund. Engel ordneten sie eher einer privaten Frömmigkeit zu. Als Theologen im 19. Jahrhundert auf die Auswirkungen der Aufklärung reagierten, verbannten sie die Engellehre fast vollständig aus der Theologie. Dies setzte sich bis in das 20. Jahrhundert fort. Heute entdecken Theologen die Engel wieder als Ausdruck religiöser Erfahrungen, die über die von Menschen erkennbare Wirklichkeit hinausgehen

Weiterführende Inhalte und Links

  • Fragen

    Hat jeder Mensch einen Schutzengel?

    Antwort: Gott kann Menschen auf ganz unterschiedliche Art und Weise begegnen. Menschen glauben daran, dass Gott sie behütet und beschützt. Auf welche Weise er dies tut, erleben sie ganz unterschiedlich. Viele Menschen glauben daran, dass Gott ihnen einen Engel schickt, der sie auf ihren Wegen begleitet. Das sind ganz persönliche Erfahrungen. Sie lassen sich nicht verallgemeinern, sie zeigen aber, dass Gott den Menschen nahe ist.

    Darf man zu Engeln beten?

    Antwort: Wenn man davon ausgeht, dass Christus über allen Engeln steht, ergibt es wenig Sinn, zu Engeln zu beten, da sie ebenso Gottes Geschöpfe sind wie Menschen auch (Kol 1,16). Der direkte Weg wäre sozusagen, zu Gott, dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist, zu beten. Für die Reformatoren konnte es in der Beziehung eines Gläubigen zu Gott keine Mittler geben, zu denen sie beten könnten. Auf der reformatorischen Lehre baut die Evangelische Kirche in Deutschland auf. Allerdings ist in evangelischem Sinne auch die Frömmigkeit jedes Einzelnen wichtig und der Glaube, der nicht durch die Kirche, sondern von Gott selbst einem jeden geschenkt wird. Dass es Engel gibt, haben die Reformatoren nicht abgelehnt. Es ist also offen, wie Menschen den Engeln begegnen können.

  • Diskussion

    Im 20. Jahrhundert hat der Theologe Rudolf Bultmann mit seiner Lehre der Entmythologisierung sehr stark die Theologie seiner Zeit beeinflusst. Er sagte zum Beispiel, dass eine Vorstellung von Engeln für naturwissenschaftlich aufgeklärte Menschen „erledigt“ sei. Auch im 19. Jahrhundert haben Theologen den Glauben an die Existenz von Engeln abgelehnt. Damit gab es lange nur zwei Möglichkeiten: Entweder man lehnte Engel ab, weil sie nicht der Lehre der Naturwissenschaften entsprachen, oder man wurde als fromm und irrational angesehen.

    Dieser Gegensatz begann sich gegen Ende des 20. Jahrhunderts aufzulösen. Neuere Theologen wie Wolfhart Pannenberg lehnen die Vorstellung von Engeln nicht mehr ab. Pannenberg sieht Engel in Verbindung mit dem Wirken des Heiligen Geistes, welcher der Teil von Gott ist, der bis zur Vollendung der Schöpfung in der Welt anwesend ist. Der Heilige Geist eröffnet „Kraftfelder“ im Raum der Schöpfung, sagt Pannenberg. Engel könnten diese Kraftfelder repräsentieren, in ihnen wirke also Gott in der Welt. Sie seien die „guten Mächte“, die den Menschen umgeben, wie es auch der Theologe Dietrich Bonhoeffer während seiner Haft in der NS-Zeit in einem Gedicht festgehalten hätte: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen, und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

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