Evangelium

  • Cover Rechtfertigung und Freiheit
    Publikationen der EKD
    Rechtfertigung und Freiheit

    Der Grundlagentext des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland richtet sich an theologisch interessierte Menschen, Kirchenvorstände, Theologen und Theologinnen, aber auch an eine breitere Öffentlichkeit, die nach der Bedeutung des Reformationsjubiläums 2017 fragt.

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  • Verschiedene Ausgaben der neuen Lutherbibel.
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    Lutherbibel 2017

    Zum Reformationsjubiläum 2017 ist eine neue Fassung der Lutherbibel erschienen. Zehn Jahre lang hat ein Team von 70 Wissenschaftlern den Text überarbeitet und viele Original-Formulierungen von Luther wieder aufgegriffen. Die Lutherbibel 2017 klingt also wieder mehr nach Luther.

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  • Eine Pfarrerin steht mit drei Jugendlichen vor einem Altar in der Kirche.

    Dass Jesus in den Himmel aufgefahren ist und dort zur Rechten Gottes sitzt, ist im Apostolischen Glaubensbekenntnis festgehalten. Auch andere Grundlagen des christlichen Glaubens sind in diesem Bekenntnis formuliert. Hier können Sie es nachlesen.

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Das Evangelium ist die gute Botschaft von Gott, der die Menschen und die Schöpfung erlöst.

Das Evangelium ist die gute Botschaft davon, dass Gott in Jesus Christus zu den Menschen gekommen ist. Das Wort „Evangelium“ heißt „Gute Nachricht“ und kommt vom griechischen Wort euangelion. Die Botschaft von Jesus war: Gottes Reich ist angebrochen, er wird sein Werk zu Ende bringen und die Welt heil machen.

Wie Jesus Christus gehandelt hat, was er getan und gesagt hat, darin zeigt sich, wie Gott ist. Wie Jesus sich den Menschen zugewandt hat, darin wird deutlich, wie Gott sich den Menschen zuwendet: ohne Unterschiede zu machen zwischen Männern und Frauen, Volkszugehörigkeiten und beim gesellschaftlichen Status. Und schließlich sind der Tod und die Auferstehung Jesu ein letztes Zeichen, dass Gott es ernst meint: Er will die Menschen retten, den Tod besiegen und ihnen eine Zukunft in seinem Reich schenken (Röm 1,16).

Vier Bücher im Neuen Testament erzählen die Geschichte von Jesus. Sie werden die vier Evangelien genannt: Das Matthäusevangelium, das Markusevangelium, das Lukasevangelium und das Johannesevangelium. Sie erzählen vom Leiden, von Tod und Auferstehung Jesu. In ihnen steht auch, was von den Worten Jesu überliefert ist, was er zum Beispiel über Gott und sein Reich erzählt hat. Darin wird deutlich, wie Menschen miteinander leben sollen.

Es gibt viele Texte, die in allen Evangelien stehen. Die meisten gemeinsamen Texte gibt es im Matthäus-, Markus- und Lukasevangelium. Diese werden deshalb auch „synoptische Evangelien“ genannt und ihre Verfasser „Synoptiker“. Das Wort synopsis kommt aus dem Griechischen und heißt so viel wie „zusammenschauen“. Aufgrund der Unterschiede in den Evangelien und ihrer verschiedenen Anspielungen auf die Geschichte versuchen Bibelforscher, die Schriften zu datieren.

Das Markusevangelium ist demnach das älteste der vier Evangelien, es wurde ungefähr im Jahr 70 nach Christus geschrieben. Danach kommen das Matthäus- und das Lukasevangelium. Am jüngsten ist das Johannesevangelium. Es hat sehr viele Texte, die in den anderen Evangelien nicht enthalten sind, und ist philosophischer formuliert, reflektiert die Ereignisse also etwas stärker als die anderen Evangelien. Alle Evangelien sind jedoch bereits Interpretationen des Geschehens. Ihre Verfasser haben Jesus nicht selbst getroffen. Bibelforscher versuchen deswegen, auf der einen Seite herauszufinden, was die unterschiedlichen Darstellungen über ihre Verfasser und deren Gemeinden aussagen. Auf der anderen Seite versuchen sie, die unterschiedlichen Quellen zu rekonstruieren, die die Verfasser in ihre Texte aufgenommen haben.

Für Christinnen und Christen sind die Texte der Evangelien mehr als nur Geschichten, die von irgendjemandem aufgeschrieben wurden. In diesen Texten wird für Christinnen und Christen Gott selbst sichtbar und lebendig. Deswegen lesen sie die Evangelien immer wieder, zum Beispiel in Gottesdiensten und Andachten.

Weiterführende Inhalte und Links

  • Fragen

    Es gibt ja noch andere Evangelien, außerhalb der Bibel. Was ist mit denen?

    Antwort: Es gibt sogenannte apokryphe Evangelien, wie zum Beispiel das Thomasevangelium und das Petrusevangelium. Das Wort apokryph kommt aus dem Griechischen und heißt übersetzt „versteckt“. Einige Schriften, die als apokryph bezeichnet werden, waren tatsächlich Geheimlehren christlicher Gemeinschaften. Welche Schriften in das Neue Testament aufgenommen wurden und welche nicht, entschieden Bischöfe und andere leitende Personen der Kirche auf sogenannten Synoden und Konzilien in den ersten Jahrhunderten nach Christus. Es gibt verschiedene Gründe, warum sie bestimmte Schriften nicht aufgenommen haben. Es konnte zum Beispiel sein, dass Schriften Lehren enthielten, die im damaligen Gebiet der Kirche – also rund um das Mittelmeer – nicht konsensfähig waren. Das gilt vor allem für Schriften, die aus der sogenannten Gnosis kamen. 

    Mit dem Begriff „gnostisch“ wurden Gruppen bezeichnet, die vorwiegend ein dualistisches Weltbild vertraten, also eine starke Gegenüberstellung von Gut und Böse, von Licht und Finsternis. Dabei ordnen sie das Reich des Lichts dem Jenseits und das Reich der Finsternis dem Diesseits zu.

    Es konnte auch sein, dass Schriften nicht in allen Gebieten der Kirche gelesen wurden. Oder dass ihre Herkunft angezweifelt wurde, weil sie nicht nicht mit Aposteln oder Augenzeugen in Verbindung gebracht werden konnten. Heute werden viele dieser Schriften wiederentdeckt, darunter auch apokryphe Evangelien. Das Thomasevangelium zum Beispiel enthält mehrere Worte von Jesus. Heutige Bibelforscher vermuten, dass die Evangelisten auf eine besondere Quelle mit Jesus-Worten zugegriffen haben müssen, um ihre Texte zu schreiben. Es könnte durchaus sein, dass das Thomasevangelium diese Quelle in ursprünglicherer Form bewahrt hat als die Evangelien.

  • Diskussion

    Eine Unterscheidung, die in der evangelischen Theologie immer wieder eine Rolle spielt, ist die Gegenüberstellung vom Evangelium als gute Nachricht der Gnade Gottes einerseits und von dem Gesetz als Verpflichtung gegenüber Gott andererseits. Zuerst war es Paulus, der die Unterscheidung zwischen Gesetz und Evangelium herausstellte. Bei Martin Luther und im Zuge der Reformation bekam sie dann eine neue Bedeutung.

    Das Evangelium ist die gute Nachricht vom Leben, Sterben und der Auferstehung Jesu Christi. Ihm stellt Paulus das jüdische Gesetz gegenüber, wie es in der Thora, also im Alten Testament, überliefert ist. Für Paulus führte der einzige Weg zum Heil über Jesus Christus. Seine Meinung war, dass man allein mit der Thora nicht zum Heil kommt und dem Tod ausgeliefert ist (Röm 8,2). Für ihn war klar: Das Gesetz bringt den Menschen lediglich dazu, seine Sünden zu erkennen. Diese liegen darin, das Gesetz nicht halten zu können. Durch Jesus Christus komme aber die Gnade (Röm 6,14). Paulus bewirkte somit eine Gegenüberstellung von Altem und Neuem Testament, die die Theologie lange prägte.

    Paulus hatte einen großen Einfluss auf Martin Luther. Für dessen Rechtfertigungslehre war besonders die Gnade Gottes wichtig. Ein gutes Leben folgte für ihn durch den Glauben, der von Gott geschenkt wird. Man kann es sich nicht durch das Einhalten von Regeln erarbeiten. Spätere Reformatoren wie Johannes Calvin gingen in eine andere Richtung. Sie setzten sich zum Ziel, im Glauben immer weiter zu wachsen. Sie sahen die Kirche in der Funktion der Erzieherin, die die Gläubigen zu einem guten Leben erzieht (Kirchenzucht). Luther wollte eine Neubildung des Gesetzes vermeiden, für Calvin und andere bekam das Gesetz hingegen wieder eine neue Bedeutung: Es führte die durch Gnade Geretteten zu einer tieferen Erkenntnis des Willens Gottes. In dieser Tradition stehen viele christliche Kirchen und Gemeinschaften, die zum Teil strenge Regeln für ihre Gläubigen aufstellen.

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