Gleichnis

Gleichnisse sind Geschichten, die beschreiben, wie Gott ist.

Gleichnisse sind Geschichten, die beschreiben, wie Gott ist und wie es in seinem Reich aussieht. Jesus hat viele Gleichnisse erzählt, sie stehen in den vier Evangelien. Gleichnisse bestehen meistens aus sprachlichen Bildern und Metaphern. Sie fordern Menschen auf, sich auf die Vergleiche, die sie ziehen, einzulassen, um sich Gott und sein Handeln besser vorstellen zu können.

Viele Gleichnisse verwenden Bilder aus der Lebenswelt der Menschen zur Zeit Jesu: Zum Beispiel, wie ein kleines Senfkorn zu einem großen Baum wird, in dem die Vögel wohnen können (Mk 4,30–32), oder wie ein Hirte ein verlorenes Schaf wiederfindet (Lk 15,3–7). Übertragen auf Gott meint das, dass das Reich Gottes wie ein kleiner Same ist, aus dem langsam ein großer Baum wächst. Und: Gott freut sich über jeden Menschen, der zum Glauben findet – wie ein Hirte, der ein entlaufenes Schaf wiederfindet.

Es gibt Gleichnisse, die auch „Parabeln“ genannt werden. Parabeln sind Erzählungen, die die Eigenschaften Gottes anhand einer bestimmten Begebenheit darstellen, wie zum Beispiel im Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lk 15,11–32): Gott nimmt alle Menschen bei sich auf, auch wenn sie sich von ihm abgewendet haben. Dann gibt es noch Gleichnisse, die wie Allegorien funktionieren. Allegorien kann man in all ihren Bestandteilen deuten. Zum Beispiel kann man sich beim Gleichnis von den bösen Weingärtnern (Lk 20,9–19) fragen, wer der Weinbergbesitzer und wer die Pächter sind. Schließlich gibt es noch Gleichnisse, die an einem Beispiel erzählen, was gut und was schlecht ist. Die Geschichte vom barmherzigen Samariter (Lk 10,25–37) ist eine Beispielerzählung und eine Antwort auf die Frage: Wer ist mein Nächster? Die Antwort hier lautet: Der unter die Räuber geratene und verletzte Mann ist für den Samariter der Nächste.

Weiterführende Inhalte und Links

  • Fragen

    Gibt es auch neue Gleichnisse?

    Antwort: Auch heute benutzen Menschen Gleichnisse, um das in Worte zu fassen, was schwer zu greifen ist. Vor allem in Bezug auf religiöse Dinge. Zum Beispiel gibt es ein Gleichnis, das wahrscheinlich aus Ostasien und aus dem 19. Jahrhundert stammt. Es wird häufig als Gleichnis über Gott und die unterschiedlichen Religionen verwendet, kann aber auf jede beliebige Sache übertragen werden, die Menschen für die Wahrheit halten. Gott wird in dem Gleichnis mit einem Elefanten verglichen, der so groß ist, dass man ihn nie ganz zu fassen bekommt. Fünf blinde Gelehrte kommen zu dem Elefanten. Sie wurden von ihrem König beauftragt, den Elefanten zu beschreiben. Jeder Gelehrte berührt nur ein Teil des Elefanten, der eine ein Bein, der andere den Rücken und so weiter. Als sie zum König zurückkehren, merken sie, dass ihre Erzählungen nur zusammen das Bild des Elefanten ergeben. Ihr eigener Teil reicht also nicht aus, um den Elefanten ganz zu beschreiben.  

  • Diskussion

    Lange sah man Gleichnisse als ein rhetorisches Stilmittel an, das wie ein Vergleich funktioniert. Man ging davon aus, dass es eine Bildebene gibt und eine Sachebene. Wie bei einem Vergleich ergibt sich dann ein tertium comparationis, ein drittes Teil, das die beiden Ebenen miteinander verbindet. Ein einfaches Beispiel ist das Gleichnis vom Senfkorn: Die Bildebene bei diesem Gleichnis wäre das Senfkorn, aus dem ein großer Baum wird, in dem die Vögel wohnen können. Die Sachebene wäre, dass das Reich Gottes klein anfängt und immer größer wird, so dass die Menschen darin Platz haben. Das tertium comparationis wäre: Aus kleinen Dingen können große Sachen werden.

    Heute haben sich Bibelforscher davon abgewandt, dass es nur ein einziges tertium comparationis gibt und damit nur eine einzige Deutung der Gleichnisse Jesu. Da die Evangelien einige Zeit nach Jesu Tod geschrieben wurden, kann man nicht bei jedem Gleichnis davon ausgehen, dass es in dem Kontext steht, in dem Jesus es erzählt hat. Dieser hilft also in vielen Fällen auch nicht weiter. Die Gleichnisse stehen oft für sich allein und bieten einen offenen Raum, in dem viele verschiedene Deutungen entstehen können. Wichtig bleibt allerdings, sie immer in ihren historischen Kontext einzuordnen, sich also zu fragen, was sie zur Zeit Jesu bedeutet haben könnten.

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