Heiliger Geist

Der Heilige Geist ist die Kraft Gottes, die Christen über sich hinauswachsen lässt.

Christinnen und Christen sind auf den Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft. Vater, Sohn und Heiliger Geist sind drei Erscheinungsweisen Gottes. Dass der eine Gott auf dreifache Weise den Menschen erscheint, wird auch mit dem Wort Dreieinigkeit zusammengefasst <Link zum Artikel Dreieinigkeit>.

In der Bibel wird der Heilige Geist sowohl im Alten wie auch im Neuen Testament erwähnt. Das hebräische Wort für Geist ist ruach und bedeutet ursprünglich „Wind“ oder „Hauch“. Der Geist Gottes ist im Alten Testament eine Kraft, die von Gott ausgeht. Sie schafft Leben (1. Mose 1,2) und erhält es (1. Mose 1,2; Psalm 104,29­–30). Mehr zum Heiligen Geist im Alten Testament.

Bei den Propheten spielt der Geist eine große Rolle, wenn es um die Zukunft geht und darum, dass Gott seine Herrschaft aufrichtet. Beim Propheten Ezechiel heißt es zum Beispiel, der Geist Gottes werde in allen Menschen wohnen (Hesekiel 36,26). Bei Jesaja geht es um den Messias, den Gesandten Gottes, der die Welt erlöst. Von ihm heißt es: „Auf ihm wird ruhen der Geist des HERRN, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des HERRN“ (Jesaja 11,2 [KC2] ). Für Christinnen und Christen haben sich diese Verheißungen in Jesus Christus erfüllt.

Im Neuen Testament wird der Heilige Geist in Geburts- und Taufgeschichten erwähnt. Jesus bekommt ihn laut Markusevangelium 1,10  in der Taufe verliehen. Die Weihnachtsgeschichten im Matthäus- und Lukasevangelium erzählen sogar, Jesus sei vom Geist gezeugt worden.

Die Evangelien berichten auch, der auferstandene Jesus Christus habe den Geist an seine Jünger weitergegeben (Lukas 24,49; Johannes 14,16  und 15,26). Von diesem Ereignis erzählt auch die Pfingstgeschichte (Apostelgeschichte 2 ).

Der Geist befähigt die Jünger, von Jesus und seiner Auferstehung zu erzählen und den Glauben weiterzugeben (Apostelgeschichte 2,4). Außerdem verleiht der Geist verschiedene Gaben, allen voran die Liebe (1. Korinther 13).

Im sogenannten Taufbefehl (Matthäus 28,19) nennt die Bibel erstmals die Taufformel „Vater, Sohn und Heiliger Geist“. Das Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel von 381, das sogenannte Nizänum, definierte die Taufformel als Dreieinigkeit Gottes.

Für Martin Luther ist es der Heilige Geist, der den Glauben schenkt. Für Luther wirkte der Heilige Geist durch das Wort Gottes. Nur da, wo die gute Nachricht von Jesus Christus gepredigt oder gelesen wird, kann der Heilige Geist wirken.

Weiterführende Inhalte und Links

  • Fragen

    Woran erkennt man das Wirken des Heiligen Geistes?

    Antwort: Menschen machen die Erfahrung von Gemeinschaft. Sie wachsen über sich hinaus und verhalten sich in entscheidenden Situationen selbstlos und mutig. Viele Christen deuten das als Wirken des Heiligen Geistes. Aber klar ist auch: Den Heiligen Geist kann man weder festhalten noch nachweisen. Christinnen und Christen wissen nicht, wie er wirkt, sie sind nur gewiss, dass er wirkt. Dabei berufen sie sich auf die Bibel, die vom Wirken des Heiligen Geistes erzählt. Christinnen und Christen glauben, dass Gott nach wie vor durch den Heiligen Geist in der Welt wirkt und dass er dies besonders in der Taufe und beim Abendmahl tut.

    Glauben Christen wirklich nur an einen Gott?

    Antwort: Ja. Für Christinnen und Christen sind Vater, Sohn und Heiliger Geist drei Weisen, in denen der eine Gott mit den Menschen in Beziehung tritt. Juden und Muslime grenzen sich von diesem Gottesverständnis ab und betonen die Einheit Gottes – auch in der Wahl seiner Selbstoffenbarung.

  • Diskussion

    Das Nachdenken über den Heiligen Geist ist in der evangelischen Theologie in den vergangenen Jahrzehnten wieder wichtiger geworden. Das hat zum einen mit der Pfingstbewegung zu tun, die sehr stark das Wirken des Heiligen Geistes in ihren Reihen betont. Zum anderen aber auch mit einem vertieften Dialog mit der orthodoxen Kirche. Auch dort ist der Heilige Geist nicht nur an das Wort Gottes gebunden, sondern wirkt eigenständig im Leben der Menschen. Evangelische Theologen wie Jürgen Moltmann und Michael Welker haben diesen Gedanken aufgenommen. Für sie ist der Geist eine Kraft Gottes, die schöpferisch wirksam ist, eine kreative Kraft. Allerdings betonen sie, dass man das Wirken des Heiligen Geistes nur in Verbindung mit den anderen beiden „Personen“ der Trinität, also mit Vater und Sohn, sehen kann <Link zum Artikel Dreieinigkeit>. Und: Menschen bleiben trotz der Geistesgaben in ihren Möglichkeiten beschränkt. Allein Christus hat die menschlichen Grenzen, die Sünde und den Tod überwunden.

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