Jüngstes Gericht

Mit der Vorstellung vom Jüngsten Gericht ist die Hoffnung verbunden, dass sich Gerechtigkeit gegen das herrschende Unrecht durchsetzt.

Mit der Vorstellung vom Jüngsten Gericht ist die Hoffnung verbunden, dass sich Gerechtigkeit gegen das herrschende Unrecht durchsetzt.

Die Vorstellung geht auf die Propheten im Alten Testament zurück, die ein Gottesgericht über das israelitische Volk beziehungsweise über alle Menschen ankündigen. Mal betonen sie Gottes Zorn (zum Beispiel der Prophet Joel), mal Gottes Gnade (zum Beispiel Jesaja 51,1–8).

Auch das Neue Testament geht davon aus, dass der Mensch irgendwann Rechenschaft für sein Leben ablegen muss: „Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, auf dass ein jeder empfange nach dem, was er getan hat im Leib, es sei gut oder böse.“ (2. Korinther 5,10) In Matthäus 25,31–46 wird Christus als Weltenrichter dargestellt, der Sünder und Gerechte jeweils zu seiner Linken und zu seiner Rechten versammelt. Im Johannesevangelium erstrahlt mit dem Gericht das Licht Gottes, das die Werke der Finsternis und die Werke der Wahrheit offenbar werden lässt (Johannes 3,19–21).

Paulus schreibt von Gottes Gnade im Gericht für die bedrängte Gemeinde (Römer 8,18–25). Seine Theologie ist eine Trosttheologie für Menschen, die in einem Unrechtsstaat verfolgt werden: „Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert?“ (Römer 8,35).

Allen biblischen Darstellungen vom Gericht ist gemeinsam, dass darin die Menschen über ihre Taten Rechenschaft ablegen müssen und Gott die Macht des Bösen bricht.

Weiterführende Inhalte und Links

  • Fragen

    Ist vorherbestimmt, ob man erlöst oder verdammt wird?

    Antwort: Wenn der Mensch nicht durch das eigene Zutun vor Gott gerecht sein kann, sondern sein Heil allein von Gottes Gnade abhängt <Link zum Artikel Rechtfertigungslehre>, dann muss es logischerweise auch Gott sein, der ihn zum Heil vorbestimmt – oder für die ewige Verdammnis. Aber verhält es sich auch wirklich so? Der Wittenberger Reformator Martin Luther hat sich bei dieser Frage nicht festlegen wollen. Der Mensch kenne Gottes Ratschluss eben nicht. Der Genfer Reformator Johannes Calvin dagegen lehrte, dass Gott in seinem ewigen Ratschluss vorherbestimme, wer erlöst und wer verdammt werde. Heute erscheint die Prädestinationslehre sehr spekulativ.

  • Diskussion

    Kann ein Adolf Hitler erlöst werden? Schon der Gedanke, dass jemand, der so viel Unheil angerichtet hat, bei Gott Gnade erfahren könnte, erscheint aus menschlicher Sicht unerträglich. Aber selbst dieses Urteil steht letztlich nur Gott zu.

    In den vergangenen Jahrzehnten haben evangelische Theologinnen und Theologen die sogenannte Allversöhnungslehre wieder neu diskutiert. Sie besagt, dass Gott alle Menschen am Ende erlösen wird. Die christliche Hoffnung ist universal und gilt allen Menschen, auch denen, die nicht an Jesus Christus glauben: Jesus Christus wird in der Ewigkeit auch für sie eintreten. Mehr dazu.

    In Römer 8,18–25 spricht Paulus davon, dass Gott die gesamte Schöpfung vor der Vergänglichkeit bewahren wird. In Römer 11,32 geht es darum, dass Gott sich aller Menschen erbarmen wird. In 1. Korinther 15,20–28 und 1. Korinther 15,54–57 geht es um den universalen Sieg über alles, was die Menschen von Gott trennt. Am Ende wird Gott „alles in allem“ sein (1. Kor 15,28). In Epheser 1,10 und Kolosser 1,20 schließlich steht, dass Christus alle Menschen mit Gott versöhnt.

    Andererseits widerspricht die Vorstellung, dass auch Völkermörder vor Gott Gnade finden könnten, jedem menschlichen Gerechtigkeitsempfinden.

  • Links