Losungen

Losungen sind Bibelverse für jeden Tag.

Die Losungen sind Bibelverse, die für jeden Tag eines Jahres ausgelost werden. Sie werden von der Herrnhuter Brüdergemeine herausgegeben. Jedes Jahr im Mai werden für das dritte kommende Jahr Zettel mit einer Nummer aus einem großen Topf gezogen. Die Nummern verweisen jeweils auf Sprüche des Alten Testaments. Diesen Sprüchen wird dann jeweils ein Vers aus dem Neuen Testament zugeordnet, der sogenannte Lehrtext. Außerdem wird zu jeder Losung ein Vers aus einem christlichen Lied ausgesucht. Manchmal wird statt eines Liedverses auch ein Gebetstext gewählt.

Die Losungen sollen Christinnen und Christen durch das Jahr begleiten. Sie ermöglichen jeden Tag eine kleine Andacht. Durch die immer neuen Verbindungen alttestamentlicher Sprüche mit den Texten aus dem Neuen Testament und den Liedversen ergeben sich immer neue Möglichkeiten, Bibelverse für das eigene Leben zu interpretieren. Zusätzlich zu den Losungen stellt die Herrnhuter Brüdergemeine für jeden Tag die Stellen von zwei verschiedenen Bibelleseplänen zur Verfügung. 

Zum einen sind das die „Lesungen der Heiligen Schrift im Kirchenjahr – Lektionar für alle Tage“ von der Liturgischen Konferenz der Evangelischen Kirche in Deutschland. Dieser Leseplan orientiert sich an den Evangelientexten der sogenannten Perikopenreihe. Die Perikopenreihe ist eine festgelegte Reihenfolge von Bibeltexten für die Sonntage im Kirchenjahr. In den meisten Gemeinden der Landeskirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland orientieren sich die Lesungen und Predigten an der Perikopenreihe. Zum anderen wird in den Losungen der Bibelleseplan der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen (ÖAB) vorgeschlagen. Er führt in vier Jahren durch das ganze Neue Testament und in acht Jahren durch die wichtigsten Teile des Alten Testaments. 

Die Herrnhuter Brüdergemeine, die die Losungen herausgibt, ist eine evangelische Gemeinschaft, die im 18. Jahrhundert gegründet wurde und ihre Wurzeln im Pietismus hat. Der Pietismus ist eine Frömmigkeitsbewegung, die im späten 17. und im 18. Jahrhundert entstand. Mehr zum Pietismus. 

Das Wort Pietismus geht auf den lateinischen Begriff pietas zurück, der mit Liebe, Frömmigkeit oder Pflichtbewusstsein übersetzt werden kann. Pietisten verstanden sich als Erneuerer der Kirche, die sie zu ihren lutherischen Wurzeln zurückführen wollten. Im Mittelpunkt des Pietismus standen die Frömmigkeit des Einzelnen und das gemeinschaftliche Leben. Einen wichtigen Stellenwert nahm der christliche Unterricht ein, sowohl in der Gemeinde als auch in Schulen und Erziehungseinrichtungen. Teilweise wird dem Pietismus vorgeworfen, sehr repressive Unterrichtsmethoden angewandt zu haben.

Die Herrnhuter Brüdergemeine wurde von Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf im 18. Jahrhundert in Herrnhut in der Oberlausitz gegründet. Zinzendorf hatte die Tradition der Losungen begonnen, als er eines Tages seiner Gemeinde einen Liedvers mit auf den Weg gab, den er „Parole für den Tag“ nannte: „Liebe hat ihn hergetrieben, Liebe riss ihn von dem Thron, und wir sollten ihn nicht lieben?“ Seitdem werden jedes Jahr in Herrnhut die Losungen gezogen. 

Die Losungen werden von einer Kommission gezogen, die aus Mitgliedern der Direktion der Herrnhuter Brüdergemeine besteht, der Kirchenleitung der „Europäisch-Festländischen Brüder-Unität“, zu der die Herrnhuter Brüdergemeine gehört, sowie geladenen Gästen. Insgesamt gibt es 1.824 nummerierte Kärtchen, die für 1.824 alttestamentliche Sprüche stehen. In den Lostopf kommen aber immer nur 1.100 Kärtchen, da die Sprüche der beiden letzten Jahrgänge „pausieren“. An der Auswahl der 1.824 Sprüche wird stetig gearbeitet. So werden zum Beispiel Sprüche ersetzt, die nicht mehr verständlich erscheinen oder zu einseitig interpretierbar sind. Die Losungen werden immer drei Jahre im Voraus gezogen, damit nachher noch genügend Zeit ist, die „Lehrtexte“ aus dem Neuen Testament sowie die Liedverse auszusuchen. Außerdem werden alle Texte dann noch in mehr als 50 Sprachen übersetzt. Sie erscheinen als Buch in einer Auflage von mehr als einer Million Exemplaren. Die Ziehung der Losungen findet immer im Mai eines jeden Jahres statt, denn es war Mai, als Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf die Tradition der Losungen begründete.

Weiterführende Inhalte und Links

  • Fragen

    Wie kann man die Losungen im Alltag konkret nutzen?

    Antwort: Die Losungen eignen sich sowohl für private Andachten als auch für einen kurzen geistlichen Impuls für eine Gruppe. Die einfachste Form einer Andacht ist es, die Losung, den Lehrtext und den Liedvers zu Beginn jeden Tages zu lesen und einen Moment innezuhalten. Wenn man möchte, kann man ein paar Gedanken dazu notieren. Danach kann man ein Gebet sprechen, zum Beispiel das Vaterunser. Die Losungen können auch mit anderen zusammen gelesen werden, zum Beispiel am Frühstückstisch mit der Familie oder zu Beginn einer Sitzung oder einer Gruppenstunde. Danach kann man gemeinsam beten.

    Was ist mit den Wochensprüchen, Monatssprüchen und der Jahreslosung? Kommen die auch von den Herrnhutern?

    Antwort: Wochensprüche, Monatssprüche und Jahreslosung sind zwar von der Idee und vom Namen her ähnlich wie die Losungen, kommen aber nicht aus der Herrnhuter Brüdergemeine. Die Wochensprüche sind Teil der sogenannten Perikopenordnung, die von der Liturgischen Konferenz der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) herausgegeben wird. In ihr finden sich neben den Wochensprüchen auch Psalmen, Lieder und Lesungs- und Predigttexte für die jeweiligen Sonntage. Die Monatssprüche und die Jahreslosung werden jährlich von der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen (ÖAB) herausgegeben.

    Der ÖAB gehört neben verschiedenen Bibelgesellschaften, Vereinen und Verbänden auch die Liturgische Konferenz der EKD an. Die ÖAB gibt unter anderem den ökumenischen Bibelleseplan heraus, der einen in vier Jahren durch das Neue Testament und in acht Jahren durch die wichtigsten Teile des Alten Testaments führt. Auf einem Delegiertentreffen werden aus diesem Leseplan jährlich die Monatssprüche und die nächsten Jahreslosungen gewählt. Die Mitglieder können dafür Vorschläge einreichen.

  • Diskussion

    Die Herrnhuter Brüdergemeine oder Brüder-Unität, wie sie auch genannt wird, nimmt einen besonderen Platz in der deutschen Kirchenlandschaft ein. Sie ist sowohl ein assoziiertes Mitglied der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) als auch ein Gastmitglied der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF). Als assoziiertes Mitglied in der EKD darf sie einen Gesandten zu den Synoden der EKD entsenden, der Rederecht, aber kein Stimmrecht hat.

    Die Herrnhuter Brüdergemeine ist außerdem Teil einer weltweiten Kirche. Sie ist eine von 28 sogenannten Provinzen der „Moravian Church“. Das Wort moravian verweist auf den Ursprung der Kirche in Böhmen und Mähren. Die Brüdergemeine bezieht sich auf die Böhmischen Brüder, eine christliche Gemeinschaft aus dem 16. Jahrhundert, deren letzter Bischof der berühmte Theologe und Pädagoge Johann Amos Comenius war.

    Während ihrer langen Geschichte hat die Herrnhuter Brüdergemeine das kirchliche Leben in Deutschland mit geprägt. Nicht nur die Losungen sind unter Christinnen und Christen in Deutschland weit verbreitet, auch die Herrnhuter Sterne hängen an Weihnachten und in der Adventszeit in vielen Kirchen und Häusern. Die dreidimensionalen Sterne werden aus Papier gefaltet und gesteckt. Sie haben 17 viereckige und acht dreieckige Zacken, mit einer Lampe lassen sie sich von innen beleuchten. Sie werden in einer Manufaktur in Herrnhut hergestellt.

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