Gemeinde

Eine Gemeinde ist zum einen die Kirchengemeinde vor Ort, zum anderen die Gemeinschaft aller Getauften.

Gemeinde nennt man zum einen eine Gruppe von Christinnen und Christen, die an einem bestimmten Ort zusammenkommen. Dann spricht man von einer Kirchengemeinde. Zum anderen bezeichnet man die weltweite Gemeinschaft aller Getauften als Gemeinde. In vielen alten christlichen Texten findet man das Wort „Gemeinde der Heiligen“, zum Beispiel im Apostolischen Glaubensbekenntnis („Gemeinschaft der Heiligen“). Dass es „Gemeinde der Heiligen“ heißt, geht auf Paulus zurück, der alle Christinnen und Christen als Heilige anspricht (Röm 1,7; Röm 12,13). Ihr Glaube macht sie heilig, denn sie können versöhnt mit Gott und im Frieden mit ihm leben.

In den Landeskirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland gibt es viele verschiedene Kirchengemeinden. Christinnen und Christen, die Mitglieder einer Landeskirche der Evangelischen Kirche in Deutschland sind, gehören auch automatisch zu einer Kirchengemeinde. In der Regel gehören sie zu der Kirchengemeinde des Ortes, an dem sie wohnen. Dieses System nennt man Parochialsystem. Mehr zu dem Wort „Parochie“.

Das Wort paroikía kommt aus dem Griechischen und ist mit dem Wort paroikos verwandt, was Nachbar oder Fremder heißt. Im Neuen Testament wird paroikía mit der Bedeutung „in der Fremde“ verwendet. Es kommt in den Bibelstellen vor, in denen es heißt, dass Christinnen und Christen einen Platz im Himmel haben. Folglich wurden Gemeinden als eine Gruppe von Menschen gesehen, die auf der Erde „in der Fremde“ wohnen. Heute bedeutet ein Parochialsystem, dass die Kirche in der Fläche existiert. Das Gebiet der Evangelischen Kirche in Deutschland und ihrer Landeskirchen zum Beispiel umfasst ganz Deutschland. Es ist in unterschiedliche Gemeindegebiete eingeteilt, denen jeweils Pfarrerinnen und Pfarrer zugeteilt werden. 

In der Kirchengemeinde findet das kirchliche Leben statt. Dort werden Gottesdienste gefeiert, es treffen sich verschiedene Gruppen, zum Beispiel Bibellesekreise, es gibt Angebote für Kinder und Jugendliche und es gibt Kreise von Menschen, die sich sozial engagieren und zum Beispiel Alte und Kranke besuchen. Kirchengemeinden sind von der Basis her organisiert, das heißt: Die Kirchenmitglieder wählen für ihre Gemeinde einen Kirchenvorstand, der je nach Landeskirche auch Presbyterium oder Kirchengemeinderat genannt wird. Das ist eine Gruppe von Christinnen und Christen, die sich ehrenamtlich für ihre Kirchengemeinde engagieren. Sie entscheiden darüber, wie das kirchliche Leben in ihren Gemeinden aussehen soll, und verwalten die Finanzen und die Gebäude der Gemeinde. Sie entscheiden auch, welche Pfarrerin oder welcher Pfarrer in die Gemeinde kommen soll. Pfarrerinnen und Pfarrer gehören dann aufgrund ihrer Aufgabe in den Gemeinden meist automatisch auch den Kirchenvorständen an. 

Die Evangelische Kirche in Deutschland ist demokratisch organisiert. Kirchengemeinden sind die kleinste Einheit, aber die wichtigste von allen. Die Kirchenvorstände und ihre Kirchengemeinden sind sehr eigenständig. Sie können zum Beispiel entscheiden, wie ihr Gottesdienst aussehen soll, wie die Konfirmanden unterrichtet werden sollen oder wofür das Geld ausgegeben werden soll. Jede Kirchengemeinde bekommt nach der Anzahl ihrer Mitglieder Geld aus den Kirchensteuern. Dieses Geld verwalten die Kirchenvorstände. Schließlich entsenden Kirchenvorstände auch Vertreter in die Synoden der Landeskirche. Diese wiederum entsenden Vertreter in die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland. So bauen sich die Entscheidungsgremien innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland von unten nach oben auf.

Weiterführende Inhalte und Links

  • Fragen

    Kann man seine Gemeinde wechseln?

    Antwort: Nach dem System der Evangelischen Kirche in Deutschland ist man Mitglied der Kirchengemeinde, auf deren Gebiet der Wohnsitz liegt. Wenn man aus irgendwelchen Gründen lieber Mitglied einer anderen Kirchengemeinde sein möchte, kann man sich „umpfarren“ lassen. Dazu stellt man einen Antrag bei dem Pfarramt der Kirchengemeinde, in der man durch den Wohnsitz Mitglied ist. Das Pfarramt der Heimatgemeinde und das Pfarramt der Wunschgemeinde müssen dem Antrag zustimmen. Wenn das der Fall ist, wird man Mitglied der neuen Kirchengemeinde.

    Was macht man, wenn man umzieht?

    Antwort: Wenn man sich mit seinem neuen Wohnsitz beim Einwohnermeldeamt meldet und angibt, dass man evangelisch ist, wird automatisch das Pfarramt vor Ort benachrichtigt und man wird in das Gemeinderegister aufgenommen. Damit ist man Mitglied der Kirchengemeinde, auf deren Gebiet der neue Wohnsitz liegt.

  • Diskussion

    Heute ist es leider nicht mehr so, dass überall, wo eine Kirche steht, es auch eine Gemeinde mit einer eigenen Pfarrerin oder einem eigenen Pfarrer gibt. Das hat mehrere Gründe. Die Kirchensteuern gehen zurück. Deswegen hat die Kirche immer weniger Geld für Personal zur Verfügung. So kommt es, dass Pfarrstellen nach einem Gemeindeschlüssel verteilt werden, das heißt: Wenn es weniger Mitglieder in der Kirchengemeinde gibt, werden auch die Pfarrstellen gekürzt. Wie hoch dieser Gemeindeschlüssel ist, hängt von der jeweiligen Landeskirche ab. Infolgedessen werden Gemeinden zusammengelegt und eine Pfarrerin oder ein Pfarrer ist für mehrere Gemeinden zuständig. Es kann auch passieren, dass nicht mehr in jeder Kirche auf dem Gemeindegebiet an jedem Sonntag Gottesdienst ist. Gleichzeitig gibt es immer weniger Pfarrerinnen und Pfarrer, weil das Interesse an der Kirche allgemein zurückgeht. Das wiederum bedeutet, dass viele der Stellen, die da sind, gar nicht besetzt werden können. Eine schwierige Situation, die die Landeskirchen in der Evangelischen Kirche in Deutschland mit Vertretungsregelungen, höheren Gemeindeschlüsseln und mehr Werbung für den Pfarrberuf zu lösen versuchen.

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