Gottesdienst

Der Gottesdienst ist eine Feier, bei der Christinnen und Christen miteinander die Gegenwart Gottes feiern.

Bei einem Gottesdienst kommen Christinnen und Christen zusammen, um zu Gott zu beten, zu feiern, dass es ihn gibt, und das Evangelium zu hören. Der Gottesdienst ist eine Zeit, in der sich Menschen bewusst Zeit für Gott nehmen und seine Gegenwart in besonderer Weise erfahren können. Die meisten christlichen Gemeinden feiern ihre Gottesdienste am Sonntag. Zusätzliche Gottesdienste finden zu besonderen Anlässen statt.

Wie die Kirchengemeinden in den Landeskirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland Gottesdienst feiern, ist ganz unterschiedlich. Das hängt von der Liturgie ab. Als Liturgie wird der Ablauf eines Gottesdienstes bezeichnet. Dazu gehört zum Beispiel auch, wer was wann tut und auf welche traditionellen Elemente zurückgegriffen wird. In den meisten Fällen gibt es aber bestimmte Grundelemente: In nahezu allen Gottesdiensten wird gebetet, es werden Lieder gesungen und es gibt eine Predigt. Dann wird häufig noch das Abendmahl gefeiert. Außerdem gibt es am Schluss den Segen. Dass es diese Grundelemente gibt, geht bis auf die Anfänge des Christentums zurück. Einige Traditionen kommen sogar aus dem antiken Judentum. 

Schon zu Zeiten Jesu und davor haben Juden zusammen in der Synagoge gebetet und Psalmen gesungen. Außerdem haben sie die Schrift ausgelegt, die Thora, aus der für Christinnen und Christen das Alte Testament wurde. Jesus ist selbst in die Synagoge gegangen und hat dort gepredigt (Mt 4,23). Die Apostelgeschichte und die Briefe im Neuen Testament geben einen Überblick darüber, wie die ersten christlichen Gemeinden Gottesdienst gefeiert haben. Man kann davon ausgehen, dass die ersten Christen und Christinnen noch in die Synagoge gegangen sind. Weil aber die meisten Juden Jesus Christus nicht als den Messias anerkannten, trafen sich die Christen mehr und mehr zu eigenen Gottesdiensten. Kirchen gab es noch nicht,  sie trafen  sich in ihren Häusern. Dort sangen sie „Psalmen, Lobgesänge und geistliche Lieder“ (Eph 5,19), sprachen „Bitten, Gebete, Fürbitten und Danksagungen“ (1Tim 2,1) und feierten das „Herrenmahl“, also das Abendmahl. Der Apostel Paulus hat viele der ersten christlichen Gemeinden gegründet. Bibelforscher gehen davon aus, dass seine Briefe ebenfalls im Gottesdienst vorgelesen wurden.

Im Mittelpunkt eines evangelischen Gottesdienstes steht die Predigt. Sie hatte nicht immer eine so wichtige Stellung. In den ersten christlichen Gottesdiensten, in den ersten Jahrhunderten nach Christus, stand das Abendmahl im Mittelpunkt. Es wurde als sogenanntes Messopfer gefeiert. Im Mittelalter wurde daraus die Messe. Martin Luther übernahm viele Teile der Messe, doch die Predigt wurde für ihn zu einem unverzichtbaren Bestandteil des Gottesdienstes: Denn Luther wollte, dass alle Menschen verstehen, was in der Bibel steht. Die Bibel war für Luther die Quelle des Glaubens. 

Weil für Luther die Predigt so wichtig war und weil es zur damaligen Zeit sehr selten war, dass Pfarrer der Gemeinde die Bibel erklärten, konnte ein Gottesdienst in der Reformationszeit durchaus drei Stunden dauern. Im Laufe der Zeit brachten evangelische Pfarrerinnen und Pfarrer die Predigt immer mehr mit der Sündenlehre, der Aufforderung, Buße zu tun, und der Warnung vor dem Gericht Gottes in Verbindung. Der Gottesdienst hatte seinen ursprünglich lebensbejahenden und befreienden Sinn verloren. Dagegen wandten sich Christinnen und Christen während der Aufklärung. Heute legen Pfarrerinnen und Pfarrer auf die frohe Botschaft des Evangeliums sehr viel Wert und arbeiten daran, die alte Sprache und die alten Riten in einen neuen Rahmen zu bringen und so die jahrtausendalten Traditionen zu bewahren.

Weiterführende Inhalte und Links

  • Fragen

    Wie wichtig ist es, regelmäßig in den Gottesdienst zu gehen?

    Antwort: Niemand schreibt vor, wie oft evangelische Christinnen und Christen in den Gottesdienst gehen müssen. Wenn der Gottesdienstbesuch zum Zwang wird, sollte man es sein lassen. Es gibt allerdings gute Gründe, regelmäßig in den Gottesdienst zu gehen: Es tut gut, eine feste Zeit in der Woche zu haben, in der man Zeit mit Gott verbringt. Auch tut es gut, dies in der Gemeinschaft anderer Christinnen und Christen zu tun. Durch einen regelmäßigen Gottesdienstbesuch lernt man die wichtigsten Texte der Bibel und die schönsten christlichen Lieder kennen. Man ist eingebunden in eine Gemeinde, die ebenso wie man selbst auf dem Weg des Glaubens ist. Außerdem bekommt man die unterschiedlichen Zeiten des Kirchenjahres mit, wie zum Beispiel die Adventszeit, die Weihnachtszeit und weitere wichtige christliche Feste. So bekommt das Jahr einen Rhythmus, in dem man sich und das, was einen im Leben bewegt, wiederfinden kann.

    Was macht man, wenn man das allererste Mal in einen Gottesdienst geht?

    Antwort: Ein Gottesdienst ist ein Ritual, das von außen nicht ganz leicht zu durchschauen ist. Es gibt aber viele Möglichkeiten, sich zurechtzufinden. Eine große Hilfe ist das Gesangbuch. Gesangbücher befinden sich im Eingangsbereich der Kirche beziehungsweise des Gottesdienstraumes oder direkt an den Plätzen. In vielen Fällen werden sie auch von Gemeindemitgliedern am Eingang verteilt. Einige Gemeinden kleben ein Faltblatt mit der für die Gemeinde geltenden Liturgie vorne oder hinten in das Gesangbuch. Wenn dies nicht der Fall ist, ist im vorderen Teil des Gesangbuches eine allgemeine Liturgie abgedruckt, an der man sich schon mal orientieren kann. Die Nummern der Lieder, die gesungen werden, werden in der Regel an Liedtafeln angeschlagen. Dort steht auch, welche Strophen im Gottesdienst gesungen werden sollen.

    Ein Gesangbuch hat mehrere Lesebändchen, die man in die Seiten mit den entsprechenden Liedern legen kann, um sie leichter aufschlagen zu können. Die wichtigsten Gebete, wie das Vaterunser und das Glaubensbekenntnis, stehen im hinteren Teil des Gesangbuches. Hat man sich mit dem Gesangbuch vertraut gemacht, gilt: Einfach den Hinweisen der Pfarrerin oder des Pfarrers folgen, wenn dieser die Gemeinde bittet, aufzustehen oder sich hinzusetzen, und den Gottesdienst genießen. Wenn einem die liturgischen Gesänge fremd sind: einfach zuhören und im Geiste folgen. Übrigens: Man kann auch seine Banknachbarn ansprechen und sagen, dass man neu ist. Viele sind sicher gerne bereit, einem zu helfen und Dinge zu erklären.

  • Diskussion

    Der Gottesdienstbesuch hat in den letzten Jahrzehnten in vielen Gemeinden stark abgenommen. Das liegt auch daran, dass die Mitgliederzahl in der evangelischen Kirche sinkt. In vielen Gemeinden wird außerdem überlegt, ob der Gottesdienst in seiner traditionellen Form die Menschen noch anspricht. Wie Gottesdienste gefeiert werden, ist die Entscheidung der jeweiligen Kirchenvorstände, die je nach Landeskirche auch Kirchengemeinderäte oder Presbyterien heißen.

    Gemeinden schlagen unterschiedliche Wege ein, um auf das Problem des abnehmenden Gottesdienstbesuches zu reagieren. Die einen bleiben bei der traditionellen Liturgie, also bei den traditionellen Elementen des Gottesdienstes, weil sie die Tradition bewahren wollen. Sie wollen den Gottesdienstbesuchern die traditionellen liturgischen Gesänge und Gebete nahebringen. Andere behalten einige Elemente der traditionellen Liturgie bei, führen aber auch neuere Elemente ein, wie zum Beispiel neuere Liedverse anstelle von alten liturgischen Gesängen. Wieder andere führen neue Gottesdienstformen in ihrer Gemeinde ein, ohne traditionelle Elemente und mit neuen Liedern. Diese sind oft für bestimmte Zielgruppen gedacht, zum Beispiel gibt es Gottesdienste für Familien, Jugendliche oder junge Erwachsene. So kann die Gottesdienstform mehrmals im Monat wechseln. Meist finden sowohl traditionelle Gottesdienste als auch moderne Gottesdienste statt, je nach Sonntag. Welche Gottesdienstform auch immer: Man kann sicher sein, dass die Gemeinden ihr Bestes tun, um möglichst allen stimmungsvolle Gottesdienste zu bieten und eine gute Umgebung, um zu singen, zu beten und Gott zu begegnen.

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