Johannestag

Der Johannestag dient dem Andenken Johannes des Täufers und wird am 24. Juni gefeiert. Dieser Tag gilt als Geburtstag des Täufers. Daneben gedenken manche Kirchen seiner Empfängnis am 23. September und am 29. August seiner Enthauptung, die ihn zum Märtyrer machte. Im 5. Jahrhundert hat die Kirche den Gedenktag für Johannes auf den 24. Juni gelegt. Damit wurden zahlreiche Bräuche im Zusammenhang mit der Feier der Sommersonnenwende übernommen.
 

Was ist der Johannestag?

Johannes der Täufer wird als einer der bedeutendsten Heiligen in der orthodoxen und westlichen Christenheit verehrt. Denn der Bußprediger gilt als letzter Prophet vor dem Auftreten Jesu. Der Johannestag oder Johannistag, wie er je nach Gegend heißt, soll diese Verehrung ausdrücken.
In evangelischen Gemeinden wird der Johannestag oft mit Andachten auf dem Friedhof gefeiert. Als Themen stehen der Trost und die Erlösung Israels von der Schuld (Jesaja 40, 1-8) und die wirkmächtige Taufe auf den Namen des Herrn Jesus (Apostelgeschichte 19, 1-7) im Mittelpunkt; man liest zum Beispiel auch Texte aus dem ersten Kapitel des Lukasevangeliums. Wenn der Gedenktag nicht am 24. gefeiert wird, soll er laut evangelischem Festtags-Kalender entweder am 23. Juni oder am darauffolgenden Sonntag gefeiert werden.
In der katholischen Tradition ist das Fest durch eine Vorabendmesse gekennzeichnet, die bereits vor oder nach der Vesper am 23. Juni gefeiert wird. Die Messe am 24. Juni umfasst Lesungen aus Jesaja 49, 1-6, aus der Apostelgeschichte 13, 22-26 und Texte aus dem Lukasevangelium. Johannes wird als Vorläufer Christi hervorgehoben. 
 

Wer war Johannes? 

Den biblischen Hintergrund des Festes bildet die Überlieferung von der Geburt des Johannes, seiner Beschneidung und Namensgebung (Lukas 1, 5-25; 39-45; 57-80). Johannes gilt als der Vorläufer Jesu, der fast zeitglich wirkte. Johannes kam als Sohn des Priesters Zacharias und seiner Frau Elisabeth zur Welt. 
Im Neuen Testament tritt Johannes als Bußprediger und Wegbereiter Jesu Christi in Erscheinung. Seine Anhänger, darunter zunächst auch Jesus, hat Johannes zur radikalen Umkehr angesichts des nahe bevorstehenden Gerichts aufgerufen. Die bußfertigen Menschen hat er im Jordan getauft. Bekannt ist Johannes auch durch seine asketische Lebensweise. 
Vermutlich beginnt Johannes der Täufer um das Jahr 27 oder 28 nach Christus mit seiner Verkündigung am Jordan in Galiläa, bzw. in Judäa. Er soll die Herzen der Väter zu den Kindern bekehren und die Ungehorsamen zu der Klugheit der Gerechten, heißt es im Lukasevangelium (1, 17). Johannes ist ein radikaler Bußprediger, der das kommende Gericht verkündet und die Menschen zur Umkehr aufruft. Die bußfertigen unter ihnen tauft er im Jordan. Johannes sammelt Jünger um sich, von denen sich später einige Jesus anschließen. Außerdem kritisiert er den Lebenswandel des Königs Herodes Antipas, der ihn gefangen nimmt und schließlich töten lässt.
 

Warum wird der Johannestag gefeiert?

Schon in der ersten Christenheit wurde Johannes der Täufer als wichtiger Prophet und Märtyrer verehrt. Im Osten feierte man ihm zu Ehren zunächst am 7. Januar, einen Tag nach Epiphanias, eine Gedächtnisfeier. Der 24. Juni als Ehrentag am Geburtsfest des Täufers setzte sich zuerst im Westen durch.
Schon früh war der Johannestag durch eine große Volkstümlichkeit geprägt. Denn der 24. Juni steht als Fest des Sommerhöhepunktes in enger Verbindung zur Sommersonnenwende zwischen dem 20. und 22. Juni, wenn die Tage kürzer und die Nächte länger werden. Diese Naturbeobachtung illustriert, was der Evangelist Johannes über die Bedeutung von Johannes dem Täufer und seine Beziehung zu Jesus Christus schreibt: „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“ (Johannes 3, 30)
Daneben steht an diesem symbolischen Tag naturgemäß die Vergänglichkeit des Lebens im Blick. Denn auf der Höhe des Lebens kündigen sich Tod und Vergehen an. Der Blick richtet jetzt auf Jesus, den Sohn Gottes und Erlöser der Menschen.
 

Wie wird das Datum der Geburt des Johannes errechnet?

Der Geburtstag Johannes des Täufers ist in der biblischen Tradition nicht überliefert. Man ist daher auf Rückschlüsse angewiesen. In Lukas 1, 26-38 heißt es, dass Elisabeth, die Mutter des Johannes, bereits im sechsten Monat schwanger war, als Maria, der Mutter Jesu, dieGeburt Ihres Kindes angekündigt wird. Daraus schloss man, dass der Täufer sechs Monate älter war als Jesus. Deshalb legte man den 24. Juni als Geburtstermin des Johannes fest, ein halbes Jahr vor Heiligabend.
 

Johannestag - ausgeprägte Brauchtümer 

Rund um den Johannestag haben sich ausgeprägte Brauchtümer entwickelt. Zum Beispiel war es Brauch, in der Nacht vor dem Johannestag ein Bad in Flüssen und Seen zu nehmen. Dieser Brauch sollte Schutz verleihen. Im Zusammenhang mit der jährlichen Reinigung der Dorfbrunnen feierte man vielerorts Brunnenfeste. Im Harz stellte man Fichten an die Straßen und schmückte sie mit Wiesenblumen und Eierketten. Die Kinder zogen tags durch die Straßen, abends trafen sich die Erwachsenen zum Feiern.

Johannesfeuer

Zum Brauchtum des Johannestages gehören vor allem die Johannesfeuer, die dem Ursprung nach Sonnenwendfeuer darstellen. Der Johannestag nahm diesen heidnischen Brauch auf, bei dem Menschen um das Feuer tanzten und über es hinweg sprangen. Die Feuer brannten in der Johannesnacht vor dem Johannestag. Vom Sprung über das Feuer heißt es, dass es Unheil überwindet, von Krankheit reinigt und noch besser wirkt, wenn alle zusammen um das Feuer tanzen.
Das helle und wärmende Feuer symbolisiert jedoch auch, dass Johannes der Täufer Zeugnis ablegte für das wahre Licht der Welt. (Johannes 1, 6-9).
 

Johanniskraut und Johannisbeere

Johannes hat etlichen Dingen seinen Namen verliehen. Dazu gehören Johannisbeere, Johanniswürmchen, Johannisbrot und Johanniskraut. Das Kraut fand mancherorts Verwendung in Kränzen, die man sich an diesem Tag aus neun Kräutern flocht und über Türen und Fenster hing, um sich vor Dämonen und bösen Geistern zu schützen. Man legte die Kränze in der Hoffnung auf Glück und Liebe auch unter das Kopfkissen oder warf sie wie in Mitteldeutschland über Häuser, um sich vor Unwetter und Hagel zu schützen.
 

Bauernregeln: Der Johannestag als Lostag

Die Nacht zum Johannestag diente in der bäuerlichen Umwelt als wichtiger Hinweis für die Wetterprognose. Man meinte, in der „Losnacht“ das Wetter für die kommenden Wochen voraussagen zu können. Eine bäuerliche Wetterregel besagt, dass bei gutem Wetter am Johannestag auch im weiteren Jahr gutes Wetter und eine gute Ernte zu erwarten sei. Der Johannesnacht wurde ebenso wie dem Johannestag eine besondere positive Wirkkraft auf das Wettergeschehen nachgesagt, die man sich mittels Magie dienstbar zu machen versuchte.